Halbmarathon die ideale Distanz

Der Offenbacher Aaron Bienenfeld (Startnummer 1720) setzte sich im Zehn-Kilometer-Lauf von Beginn an an die Spitze. In 30:37 Minuten stellte er einen neuen Streckenrekord auf und sicherte sich damit - nach zuvor drei zweiten Plätzen hintereinander - den Gesamtsieg.
 
Jedermänner und Schüler (ab U14 und älter) gingen gemeinsam auf die Strecke, absolvierten jeweils fünf Kilometer. Die jüngeren Schüler U12 und U10 starteten später in einem seperaten Rennen über zwei Kilometer.

Offenbach – „Schon jetzt haben wir über 1000 Euro an Spenden für Ursula Stoll zusammenbekommen“, verkündete Diethelm Kuttich, erster Vorsitzender des Offenbacher Leichtathletik Clubs (OLC), vor dem ersten Start beim 25. Mainuferlauf des OLC am vergangenen Sonntag bei Sonnenschein und Windstille. Bessere Bedingungen hätten sich die Teilnehmer nicht wünschen können. „Bestes Wetter, alle waren gut gelaunt, das war ein wunderschöner Lauf“, zog Diethelm Kuttich zufrieden Bilanz. Rund 2000 Starternummern hatten die Offenbacher ausgegeben, etwa 1700 Läufer gingen letztlich auf die verschiedenen Strecken.

Und die guten Bedingungen zahlten sich aus: Aaron Bienenfeld, der mittlerweile für den SSC Hanau-Rodenbach die Laufschuhe schnürt, stellte über zehn Kilometer in 30:37,96 Minuten nicht eine eine persönliche Bestzeit auf, sondern knackte gleichzeitig den seitherigen Streckenrekord von Tilahun Babsa (Spiridon Frankfurt) aus dem vergangenen Jahr. Zuvor hatte der Offenbacher dreimal hintereinander den zweiten Platz belegt, dieses Mal stand er ganz oben auf dem Siegerpodest, gefolgt von Miebale Andemicale (LG Seligenstadt, 31:43 Minuten). Siegerin Sarah Kistner (MTV Kronberg) war in 35:08 Minuten deutlich schneller als die Zweitplatzierte Lena Ritzel (VfL Marburg, 37:14) und die Heusenstämmerin Kerstin Bertsch (SSC Hanau-Rodenbach, 38:14).

Den Halbmarathon entschied Kilian Schreiner (ASC Breidenbach) in 1:09:07 Stunden für sich und ließ Ultra-Spezialist Florian Neuschwander (Spiridon Frankfurt) mit 37 Sekunden Vorsprung hinter sich. Bei den Frauen gewann Franziska Baist (1:25:57) vor Petra Wassiluk (1:25:59/beide Team Main-Lauf-Cup). Über fünf Kilometer hatten Juan David Ospina Garzon (LG Eintracht Frankfurt, 18:00) und Larissa Löb (Stimmel-Sports, 17:52) die Nase vorne. Erstmals hatte der OLC auch einen Schüler-Lauf über zwei Kilometer im Angebot, um allen Schülern eine Teilnahme am Laufwettbewerb zu ermöglichen. Kjell Credner (VfL Altenstadt) setzte sich in 7:50 Minuten gegen die 21-köpfige Konkurrenz durch.

Auch die Region war beim 25. Mainuferlauf gut vertreten. Für Sonja Juko (38) vom EOSC Offenbach ist der Halbmarathon (21,1 Kilometer) die ideale Distanz. In Offenbach erreichte sie in 1:43:49 Stunden das Ziel. „Die Distanz ist fordernd, ermöglicht aber auch eine gewisse Schnelligkeit“, sagt sie. Am Mainufer ließ es Juko, die aus dem Vordertaunus stammt und mittlerweile in Offenbach lebt, gemütlich angehen, nachdem sie erst vor knapp sechs Monaten Mutter geworden ist. „Früher habe ich geturnt, später bin ich gelaufen“, erklärt sie. Und mittlerweile ist die auch beim Triathlon angekommen. „Das Rad ist in Offenbach und Frankfurt mein alltägliches Fortbewegungsmittel, an das Schwimmen musste ich mich erst wieder gewöhnen“, sagt die 38-Jährige. Triathlon-Wettkämpfe absolviert sie aber nur ein bis zwei pro Jahr, das Laufen steht im Vordergrund. Und gerade der Mainuferlauf - „meine Trainingsstrecke“ - ist natürlich ein besonderes Ereignis. „Die Organisation ist sehr gut, die Strecke sehr flach und schön, die Stimmung toll“, schwärmt Sonja Juko. Und dieses Mal hatte sie auch noch eine nette Begleitung auf der Strecke, war mit dem Vater eines Freundes unterwegs.

Hartmut Wirth aus Obertshausen startet seit vielen Jahren erfolgreich für den Rodgau Lauftreff. In Offenbach war er aus gutem Grund nur über die Zehn-Kilometer-Distanz unterwegs: An diesem Wochenende (Samstag, 21. Oktober) finden in Schwäbisch Gmünd/Baden Württemberg die Deutschen Meisterschaften über die 50 Kilometer statt, für die Wirth gemeldet hat – als einziger Starter des RLT. Die Teilnahme beim Mainuferlauf diente daher der Vorbereitung. „Zudem war ich erkältet, da wäre ein Start im Halbmarathon kontraproduktiv gewesen“, meinte Wirth. „Ich bin mit gebremsten Elan gelaufen, wollte aber unter 50 Minuten bleiben.“ Ein Vorhaben, das ihm in 49:14 Minuten auch gelang. Mit dieser Zeit belegte er sogar einen Podestplatz: Wirth sicherte sich in der M65 den dritten Platz. Ebenfalls am Start in Offenbach war seine Frau Dorothee – trotz anhaltender Knieprobleme erreichte sie in der W60 in 52:17 Minuten den zweiten Platz. „Sie will noch viele Jahre laufen, daher nur noch die Kurzstrecke. Den Knien zuliebe“, erklärte Hartmut Wirth und fügte an: „Die Bedingungen in Offenbach waren optimal, die Luft trocken.“ Das wünscht er sich auch für die Deutschen Meisterschaften über die 50 Kilometer. „Hauptsache, es wird nicht nass. Die Strecke beinhaltet 1400 Höhenmeter, da ist es sehr unangenehm, wenn man klatschnass ist.“

Frank Zimmer (56) ist zwar in Stuttgart geboren, seine Eltern stammen allerdings aus Offenbach. Mittlerweile lebt er in Hainhausen, dem kleinsten Rodgauer Stadtteil. „Für die Läufer waren die Bedingungen optimal, es war nicht zu warm und nicht zu kalt. Die Strecke war sehr angenehm zu laufen, weil sie trocken war“, sagte er über den Mainuferlauf. Seine Befürchtung, feuchter Laub könne das ganze zu einer Rutschpartie werden lassen, bestätigte sich zum Glück nicht. „Die Organisation war wieder topp“, meinte der 56-Jährige, der zum dritten Mal in Offenbach startete und im Halbmarathon nach 2:01:22 Stunden das Ziel erreichte. Und wie kam er zum Laufen? Im Februar 2015 meldete sich Frank Zimmer bei den Weight Watchers an, „die Kursleiterin war eine Marathonläuferin und meinte, ich sollte zusätzlich ein wenig Joggen gehen“, erinnert sich der Hainhäuser, „nach fünf Minuten war ich allerdings vollkommen außer Puste.“ Aber Frank Zimmer steigerte sich – und lief 2016 in Frankfurt seinen ersten Marathon. „Mittlerweile ist Laufen ein Hobby, ich trainiere dreimal die Woche, laufe zwischen zehn und 15 Kilometern“, erklärt er. Frankfurt steht in diesem Jahr nicht auf dem Programm, eventuell aber wieder 2018.

Mit einem 17-köpfigen Aufgebot war der Nordic Walking Lauf-Laden (Nowalala) über die Halbmarathon- und Zehn-Kilometer-Strecke beim Mainuferlauf vertreten. „Wir haben vor fünf Jahren einen Lauftreff vor allem für Frauen gegründet“, erklärt Frank Hill (57), Lauftrefftrainer sowie zuständig für Verkauf und Service. Die Starter in Offenbach sind allesamt Lauftreff-Mitglieder und machen – klar – ein bisschen Werbung. „Für die meisten ist der Mainuferlauf Vorbereitung auf den Frankfurt-Marathon“, sagt Hill. Gelaufen wird bei einer solchen Gelegenheit im angestrebten Marathontempo, eine ideale Vorbereitung auf das zwei Wochen später stattfindende Großereignis in der Mainmetropole. „Der Mainuferlauf ist immer topp organisiert. In diesem Jahr war er etwas Besonderes. Wegen Ursula Stoll, die wir alle sehr gut kennen“, meinte Frank Hill, der über die 21,1 Kilometer startete und nach 2:05:01 Stunden die Ziellinie überquerte.

Gewidmet war die Jubiläum-Ausgabe der Triathletin Ursula Stoll, die 2016 beim Allgäu-Triathlon während des Schwimmens einen Herzstillstand erlitten hatte. Als Folge dieses Unglücks kann sie sich nicht mehr bewegen und nicht mehr sprechen. Veranstalter OLC spendete für jeden Mainuferlauf-Teilnehmer drei Euro für therapeutische Maßnahmen. Wer für Ursula Stoll spenden möchte, kann dies über das folgende Konto des Offenbacher LC tun: IBAN: DE21 5055 0020 0003 9109 11 (Städtische Sparkasse Offenbach), BIC: HELADEF1OFF, Verwendungszweck: Spende Ursel Stoll.
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