Im Zweier zur deutschen Meisterschaft

Unterwegs auf dem Main: David Klingenberg (links) und Tom Scheele.
 
Vorfreude auf Brandenburg (von links): David Klingenberg, Trainerin Sabrina Neiter und Tom Scheele.

Mühlheim - „Man muss schon eine Wasserratte sein“, stimmen Tom Scheele und David Klingenberg überein. Die beiden zwölfjährigen Mühlheimer gehören zu den jüngsten Mitgliedern im Mühlheimer Ruderverein von 1911. Und die beiden Schüler waren bereits vor ihrem „Karrierestart“ bei den Mühlheimer Ruderern eng mit dem nassen Element verbunden. „Ich bin schon ein paarmal Motorboot gefahren“, sagt Tom Scheele, „so richtig viel mit dem Wasser zu tun hatte ich aber nur in den Ferien. Hier beim Ruderverein geht das auch in der Freizeit.“ Und das sogar in einer normalen Schulwoche. Ähnlich äußert sich Daniel Kligenberg: „Mein Opa hatte eine Segeljacht. Und beim Segeln und und Rudern hat man seine Ruhe, aber auch viel Spaß.“ Und man kann sich – wo andere die Joggingschuhe auspacken oder sich den Hund zum Spazierengehen schnappen – auch notfalls einmal den Kopf freirudern.

Und wie sind die Beiden zum Rudersport gekommen? „Ich bin einmal mit meiner Mutter Katja am Rhein entlang gegangen und habe die Ruderer beobachtet“, erinnert sich Tom Scheele an sein erstes „Rudererlebnis“. „Das wollte ich dann auch mal machen, war aber noch zu jung. Mit elf Jahren habe ich mir das einmal in Mühlheim angeschaut und mitgemacht.“ Ähnlich war es bei David Klingenberg, dessen älterer Bruder Felix ebenfalls in Mühlheim rudert. „Mindestens zehn Jahre alt sollten Ruderanfänger auf jeden Fall sein“, meint Trainerin Sabrina Neiter (26), „um die nötige Körpergröße und Reife zu haben.“ Trainiert wird auf dem Main an der Fähre Mühlheim, dort hat der Mühlheimer Ruderverein sein Vereinsgelände und seine Halle für die Boote. Und klar ist natürlich auch: Wer Rudern will, muss Schwimmen können.

Und auf dem Main sind natürlich nicht nur die Ruderer unterwegs. „Auf den Schiffsverkehr muss man schon achten“, sagt Tom Scheele. Klar, denn gegen so einen Tanker mit rund 200 Metern Länge sind die Ruderer in ihren Booten natürlich chancenlos. Dann heißt es schnell an den Rand rudern, sich mit dem Boot zu den Wellen stellen und mitzuwippen, um dem Boot die nötige Stabilität zu verleihen. Wobei es auf der anderen Mainseite, beim Yachtclub Mühlheim, aufzupassen gilt, dass man mit dem Boot im flachen Wasser nicht auf einer Sandbank oder Steinen aufsetzt. Schnell ist zu erkennen: Wer rudert, treibt nicht nur Sport, sondern lernt auch, Verantwortung für sich, seinen Ruderpartner und das Boot zu übernehmen. Die Arbeit im Zweier wird indes geteilt: Einer gibt den Schlag an und die Kommandos, der andere steuert.

Die Rudersaison startet in etwa Ende April mit der ersten Regatta und endet Anfang Oktober. Hier findet auch der Saisonhöhepunkt für den Mühlheimer Ruderverein statt: Die Hessenmeisterschaft in Eschwege. Und im Winter geht es in die Halle. Beim Spinning oder Laufen arbeiten die Ruderer an ihrer Grundausdauer. Durchaus überraschend: Rund 70 Prozent beim Rudern macht die Beinarbeit aus, die übrigen 30 Prozent gehören dem Oberkörper und den Armen.

Ende Mai qualifizierte sich das junge Mühlheimer Duo Tom Scheele/David Klingenberg in Kassel für den Bundeswettbewerb der Kinder – den deutschen Meisterschaften des zwölf- bis 14-jährigen Nachwuchses, die vom 29. Juni bis 2. Juli in Brandenburg an der Havel stattfinden. In Kassel waren Tom Scheele und David Klingenberg zunächst auf der Langstrecke über 3000 Meter gefordert, tags darauf ging es nochmals über 1000 Meter. „Um sich für Brandenburg zu qualifizieren, mussten sie in den beiden Rennen unter die ersten Zwei kommen“, erklärt Sabrina Neiter. Gerudert wird in Brandenburg übrigens nicht auf einem Fluss, sondern auf einem See, dem Beetzsee. Was übrigens gar nicht so unüblich ist. „Wir rudern auf Flüssen und Seen“, berichtet Sabrina Neiter.

Und wie bekommen die Mühlheimer Ruderer, die mit zwölf Sportlern und vier Trainern/Betreuern Richtung Nordosten aufbrechen, ihr Boote mit einer Länge von mindestens sieben Metern nach Brandenburg? Gefahren wir mit einem großen Mannschaftstransporter, gemeinsam mit den Ruderkollegen aus Hanau und Großauheim. Auf den großen Anhänger passen zwölf bis 13 Boote. Tom Scheele/David Klingenberg feiern in Brandenburg ihre Premiere bei den deutschen Meisterschaften. 2016 waren sie noch zu jung, starten darf der Nachwuchs bei den nationalen Titelkämpfen erst im Alter von zwölf Jahren. Eine gute Platzierung wäre ein Traum, die Vorfreude jedenfalls ist riesengroß. Schließlich sind beide Mühlheimer ja ausgesprochene Wasserratten.
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