Lücke fordert „mehr Bock auf Abwehr“

Bürgels Nicolas Steinheimer setzt sich gegen die gegnerische Abwehr (hier gegen die des TSV Vellmar) durch. Trotz der jüngsten Niederlage in Wettenberg kann der Aufsteiger mit 19:19 Punkten zufrieden sein. Der neue Trainer Oliver Lücke fordert allerdings "mehr Bock auf die Abwehr".

Offenbach – Mit 19:19 Punkten und Platz sechs können die Handballer der TSG Bürgel aktuell in der Oberliga Hessen mehr als zufrieden sein. Schließlich stiegen die Männer aus dem Offenbacher Stadtteil erst in dieser Saison in Hessens höchste Spielklasse auf. Nach einem 6:0-Punkte-Traumstart sowie zwischenzeitlichen 9:3 Punkten nach sechs Runden und einem damit verbundenen Platz in der Spitzengruppe haben sich die Bürgeler mittlerweile im Tabellenmittelfeld eingependelt. Dennoch waren die Verantwortlichen zwischenzeitlich nicht so recht zufrieden: Aufstiegstrainer Tom Grunwaldt musste bereits im Januar gehen, nachdem die Offenbacher fünfmal hintereinander verloren hatte. In Oliver Lücke war schnell ein Nachfolger gefunden, jedoch steht der neue Trainer nur bis zum Rundenende zur Verfügung.

Lücke trainierte zuvor den Bürgeler Ligarivalen TuS Griesheim, legte dort aber im vergangenen November sein Amt nieder, nachdem er beim Abstiegskandidaten zwar viel Zeit und Herzblut investiert hatte, von der Mannschaft – von der Qualität her von Rundenbeginn an nur ein Abstiegskandidat – nur wenig zurückgekommen war. Ein Teamgeist hatte sich bei der TuS nicht entwickelt. Die TSG trainiert er aber nur bis zum Rundenende, weil er ab Sommer bei der MSG Groß-Bieberau/Modau im Wort steht. Dort unterstützt Lücke zum einen das Trainerteam in der 3. Liga und kümmert sich zum anderen um die Talente in der zweiten Mannschaft, die in der Landesliga Süd beheimatet ist.

Bereits im Dezember des vergangenen Jahres hatte sich die Trennung zwischen Bürgel und Tom Grunwaldt angedeutet, nachdem die Zwischenbilanz nun durchwachsen ausgefallen war. Dabei spielten die Offenbacher – im Vergleich zu vielen anderen Aufsteigern in den vergangenen Jahren – eine durchaus gute Rolle. Aber Grunwaldt konnte die Vorgaben des Vereins – drei Siege zum Start in das Spieljahr 2017 nicht erfüllen und musste nach den Niederlagen mit jeweils einem Tor Unterschied in Gensungen/Felsberg (30:31) und gegen Mitaufsteiger Dotzheim (32:33) gehen. Unter Interimstrainer Sven Lenort besiegten die Offenbacher Abstiegskandidat HSG Kahl/Kleinostheim mit 32:25, dann trat Oliver Lücke seinen Dienst bei der TSG an. Nach einem hart umkämpften 25:24-Erfolg bei der abgeschlagenen TuS Griesheim überzeugte die TSG mit einem 38:30-Heimsieg gegen die HSG VfR/Eintracht/Wiesbaden, ehe am vergangenen Spieltag eine 23:28-Niederlage bei der HSG Wettenberg folgte.

„Mit 19:19 Punkten stehen wir aber immer noch gut da, daher ist alles in Ordnung“, sagt Lücke, der sich bei der TSG wohl fühlt: „Das Umfeld ist super, die Leute und Verantwortlichen hier und die Mannschaft sind in Ordnung. Es macht Spaß in Bürgel.“ Auch wenn der ihm nach der Niederlage in Wettenberg ein wenig abhanden gekommen war. „Nach der Niederlage war ich sauer und enttäuscht, weil ich das nicht nachvollziehen kann. Das war eine ganz andere Mannschaft als jene, die in der Vorwoche Wiesbaden mit 38:30 besiegt hatte. Aber es gibt eben solche Tage und solche, zu Hause fühlt sich die Mannschaft wohler. Auswärts bekommen wir es noch nicht so gebacken. Aber wenn Bürgel am Rundenende als Aufsteiger immer noch ein ausgeglichenes Punktekonto aufweist, ist das für das erste Jahr in der Oberliga völlig in Ordnung.“

Wobei trotz der Niederlage in Wettenberg auch Positives zu erkennen war: Die Abwehr stand deutlich besser als in den Partien zuvor, auch wenn der Aufsteiger satte 28 Gegentreffer kassierte. „Wir haben in den letzten zehn Minuten nochmal einiges riskiert, haben dann auch einige Tempogegenstöße bekommen“, erklärt Lücke und fordert: „Wir müssen Bock haben, Abwehr zu spielen, genauso wie wir Bock haben, Angriff zu spielen.“ Denn in der Vorwärtsbewegung, da geht beim Aufsteiger ordentlich die Post ab. Das wünscht sich der Trainer auch für die Arbeit vor dem eigenen Kasten. Im Defensivverhalten ist zwar ein Fortschritt erkennbar, dennoch stellt Lücke fest: „Unter Stress oder wenn die Kondition nachlässt, verfallen wir immer noch in unser altes Muster.“ Sprich: Dann fallen zu viele Gegentore.

Viel Zeit, seine Ideen zu verwirklichen, hat Lücke nicht, denn am 29. April steht bereits das letzte Punktspiel unter seiner Regie an. Am funktionierenden Angriffsspiel gibt es ja auch nicht viel zu rütteln, „aber in der Abwehr stimmen viele Abläufe nicht“, sagt er. Und daran arbeiten die Offenbacher auch intensiv. Dazu haben die Bürgeler jetzt ein paar Tage Zeit, denn am diesem Wochenende ruht beim Oberligisten der Ball. Das nächste Spiel steht am Sonntag, 5. März, an. Dann stellt sich der Tabellendritte HSG Dutenhofen/Münchholzhausen 2, die Bundesliga-Reserve der HSG Wetzlar, bei der TSG vor. Um gegen den jungen Profinachwuchs erfolgreich zu sein, ist vor allem eine gute Abwehrleistung von Nöten.
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