Seite an Seite mit Sebastian Kienle

Nach der erstmaligen Komplett-Sperrung der Rodgau-Ringstraße und der Kreisquerverbindung nach Dietzenbach hatten die Triathleten auf der Radstrecke freie Bahn.

Offenbach – Bereits zum 16. Mal veranstaltete der TSV Dudenhofen am vergangenen Sonntag seinen Rodgau-Triathlon in und um den Badesee in Nieder-Roden. Insgesamt 743 Athleten erreichten nach spannenden Wettkämpfen das Ziel. Sieger der Gesamtwertung über die Olympische Distanz (1,4/41/10) wurde erstmals Andreas Tschishakowski (TriTeam WIKA/TV Miltenberg) in 2:01:32 Stunden mit nur 22 Sekunden Vorsprung auf Thomas Sämann (Tri-Team Fuldatal). Bei den Frauen wurde die für Eintracht Frankfurt startende Dänin Tine Holst ihrer Favoritenrolle gerecht und siegte in 2:10:16 Stunden. Bei den Staffeln waren Besi & Friends nicht zu schlagen. Die Rodgauer Lokalmatadoren feierten in der Besetzung Christoph Herzog, Andreas Beseler und Matthias Winnhauer ihren dritten Titel in Serie. Über die Sprintstrecke (0,4/14/4) freuten sich der Engländer Ixel Vlad (45:12 Minuten) und Denise Schmid (50:34 Minuten, ohne Verein) über den ersten Platz.

Ein paar interessante Zahlen von Seiten des Veranstalters: Die Athleten wurden auf den Wettkampfstrecken mit runde 800 Litern Stilles Wasser, 180 Litern Cola und 300 Litern Apfelsaft, 90kg Bananen, 60kg Weintrauben, 160 Melonen, 10kg Äpfel und jeder Menge Vollkornkeksen versorgt. Wie in jedem Jahr wurde die Schwimmstrecke von der DLRG professionell abgesichert. Es waren 52 Rettungsschwimmer, ein Taucherteam, 20 Rettungsbretter und sechs Rettungsboote im Einsatz. Was den Triathleten ein sicheres Gefühl gab. Zudem waren die Starter froh, dass die Wassertemperatur am Wettkampfmorgen nur 21,5 Grad betrug – bis 21,9 Grad ist das Tragen eines Neoprenanzuges erlaubt. Am Vorabend des Triathlons war noch eine Wassertemperatur von 22,5 Grad gemessen worden. Die erstmalige Vollsperrung der Radstrecke für den Autoverkehr kam bei allen Teilnehmern sehr gut an. Sie bot den Fahrern mehr Sicherheit, sie konnten richtig Gas geben und sausten mit Tempo 50 über die Kreisquerverbindung. Die Zuschauer feuerten die Radfahrer begeistert an, unterschätzen beim Überqueren der Straße aber mehrfach die hohe Geschwindigkeit der Radfahrer. Ein Fahrer stürzte derart unglücklich, dass er sich den Oberschenkel brach.

Über die Olympische Distanz startete auch Rainer Habenicht. Der gebürtige Pforzheimer wohnt mittlerweile in Götzenhain und startet für den EOSC Offenbach. Am Freitag, 18., feierte er seinen 50. Geburtstag, zwei Tage später ging es zur Traditionsveranstaltung nach Nieder-Roden. „Es hat riesig Spaß gemacht. Das Wetter war super, die Organisation gut“, sagte Habenicht. „Das ist ein sehr schöner Wettkampf in der Region.“ Ebenso wie viele weitere Teilnehmer lobte er die Neuerung, dass erstmals die komplette Radstrecke für den Autoverkehr gesperrt war. Der Götzenhainer startete in der schwächeren Gruppe. „Das war die richtige Entscheidung, den erstmals kam ich als einer der Ersten aus dem Wasser. „Das hat viel Spaß gemacht und motiviert, kostete aber auch viele Körner.“ Die fehlten dem EOSC-Athleten dann auf der Laufstrecke, „aber ich habe mich ins Ziel gerettet“, schmunzelte der Neu-50er, der nach 2:52:19 Stunden die Ziellinie überquerte.

Dabei war seine Sportkarriere vor 15 Jahren eigentlich schon beendet. „Ich hatte eine üble Fußball-Diagnose“, blickt Rainer Habenicht zurück. Ein künstliches Knie stand im Raum, doch er verzichtete auf diesen Eingriff. „Ich habe sieben Jahre lang überhaupt keinen Sport mehr gemacht“, erzählt er. Dann ging es aber langsam wieder los, um wieder Muskeln aufzubauen. Schwimmen, Radfahren, Laufen – zufällig die benötigten Disziplinen für den Triathlon. „Der Ironman hat mich schon zu meiner Studienzeit begeistert. Das wollte ich schon immer einmal machen“, sagt Habenicht, der 2009 erstmals einen Triathlon absolvierte – in Rodgau, seinerzeit noch über die Jedermannsdistanz. Der eigene Anspruch stieg – und 2016 nahm er erfolgreich den Ironman in Frankfurt in Angriff. Und gerät ins Schwärmen: „Wo hat man schon die Möglichkeit, gemeinsam mit den Weltbesten und seinen Idolen im gleichen Wettkampf zu starten?“ Im Fußball undenkbar, beim Triathlon nicht. In Frankfurt fuhr er kurze Zeit sogar Seite an Seite mit dem späteren Europameister Sebastian Kienle. Der absolvierte schon seine zweite Radrunde, Habenicht noch die erste – aber alleine dieser kurze Augenblick bleibt unvergessen. „Frankfurt war das größte Geschenk überhaupt“, sagt der EOSC-Triathlet. Die Teilnahme am Rodgau-Triathlon war nun der Saisonausklang für den Götzenhainer.

Alfred Krimm (60) aus Offenbach startet ebenfalls für den EOSC. „Das war eine schöne Sache. Verletzungsbedingt habe ich nicht so viel trainiert, das Ergebnis war besser als erwartet“, sagte Krimm, der nach 2:52:22 Stunden als Vierter der M60 nur knapp einen Altersklassen-Podestplatz verpasste. Weil der EOSC den Triathlon in Rodgau aber als Vereinsmeisterschaft nutzte, erhielt er bei der Siegerehrung der Offenbacher in der heimischen Käsmühle als ältester Teilnehmer den „Oldie-Stern.“ Statt Pokale gibt es beim EOSC Holzsterne mit eingraviertem Namen – einer der Mitglieder ist Schreinermeister.

Über den Wettkampf sagte der 60-Jährige, der schon mehrfach in Nieder-Roden gestartet ist: „Das Wasser war angenehm wie immer, es gab das übliche Gedrängel beim Start. Ich komme allerdings eher vom Laufen und fühle mich im Wasser nicht so wohl. Ich bin froh, wenn ich wieder Land unter den Füßen habe.“ Die gesperrte Radstrecke bezeichnete er als „Zuckerl“, weil weniger Gefahr für die Fahrer bestand. „Das war eine sehr gute Entscheidung der Veranstalter“, meinte der Offenbacher und fügte schmunzelnd hinzu: „Der Wettkampf war wieder Rodgau live. Man hat immer Wind. Rücken- wie auch Gegenwind.“

Der langjährige Läufer wechselte vor rund 20 Jahren zum Triathlon. „Wir haben immer Urlaub am Meer gemacht“, berichtete Krimm. Zur Sicherheit schickte er seinen Nachwuchs daher zum Schwimmtraining, seinerzeit noch in Heusenstamm. Und irgendwann sagte die Schwimmtrainerin seiner Tochter zu ihm: „Du schwimmst und läuft. Da kannst du doch auch noch Radfahren.“ Und so nahm Alfred Krimm Ende der 90er in Seligenstadt erstmals an einem Triathlon teil.
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