Vom Butterliesje, Kreisrats und anderen Eberbachern

Reichelsheim (Odenwald): Eberbach |

„Im finstersten Eck des Odenwaldes – wo die Wildweibchen hausen und das Wilde Heer des Rodensteiners seine Heimat hat begrüße ich Sie zu unserem 20. Stammtisch.“

Mit diesen Worten begrüße der Heiner Wolf die 30 Gäste der Bezirksgruppe Odenwald des HfV.
Zumindest die Auswärtigen, welche von Fränkisch-Crumbach aus zum Hofgut Rodenstein am Fuße der Burgruine Rodenstein diese langen unbeleuchteten Straße führen und von leuchtet roten Augen der Kühe beobachtet wurden konnten dem zustimmen.
In der Gaststube des Hofgutes erwartete die Gäste ein heimeliges Kaminfeuer und viele gute Gespräche mit altbekannten und neuen Interessierten an der Familiengeschichte im Odenwald.

1000 Jahre Eberbach

Das benachbarte Eberbach begeht dieses Jahr seine 1000 Jahr-Feier und aus diesem Anlass stellte der Buchautor Andreas Uhrig in einem interessanten bebilderten Vortrag alle Höfe des Weilers und deren Familien vor. Herr Uhrig wohnt mit seiner Familie in „Nicklasse“, Teil des einstigen „Götze-Gut“ und hat bei allen Eberbacher Einwohnern nach alten Bildern und Unterlagen geforscht und damit das Jubiläumsbuch von Frau Erika Hörr „1012-2012 Eberbach“ illustriert, zu dessen Erstellung er wesentlich beitrug.
Mit viel Witz stellte er die Entwicklung aus den ursprünglichen Höfen hin zu dem heutigen Weiler dar und vergaß dabei auch nicht die letzte Geburt und den letzten Sterbefall. Er erzähle, wie aus einer scherzhaften Äußerung der Hofname „Kreisrats“ wurde. Als Johann Adam Friedrich, der das Haus 1799 erbaute, seinerzeit zum Beigeordneten von Eberbach gewählt werden sollte, weil er des Lesens und Schreibens kundig war, gerne Spaß machte und solchen auch vertrug, da sagte er zu den Männern, die ihn vorgeschlagen haben: „Do macht mich doch lieber glei´ zum Kreisrat, des ist doch was ganz anners!“ Einstimmig wurde ihm darauf der Ehrentitel „Kreisrat“ verliehen.
Für Belustigung sorgte auch die Geschichte von Elisabeth Niebel. Elisabeth wurde auch das „Butterliesje“genannt, weil sie auf den Höfen von Erlau und Eberbach, der „Höllerheck“ und „Wasserloch“ Butter einsammelte, diese weiterverarbeitete um sie dann auf dem Markt in Darmstadt zu verkaufen. Das Butterliesje ging von Alters her alle Wege bis zum Markt nach
Darmstadt zu Fuß. Nachdem 1887 die Bahn ihren Betrieb aufgenommen hatte, nutzte Liesje zur Erleichterung ab und zu die nicht allzu rasante Fahrt . Einmal aber, der Zug hielt an der Station Nieder-Kainsbach – Fränkisch-Crumbach und der Lokführer wartete aufs Weiterfahren, marschierte Liesje strammen Schrittes vorbei. Der Lokführer stand am Fenster und rief: „Ei Liesje, steigste net oi?“, worauf Liesje antwortete: „Nao, nao, heit häww ichs eilig!“.

Termine 2013

Auch im Jahre 2013 wird es wieder vier Stammtische geben. Der nächste am 21. Februar im Landgasthof "Zum Reichenberg" in Ober-Gersprenz. Thema wird sein 1000 Jahre Ober-Gersprenz von Herrn Georg Kaffenberger.
Alle Termine unter hfv.ourewald.de/termine.htm

Text: Andreas Stephan
Foto: Herbert Koschorrek
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