Imkerei und moderne Landwirtschaft - (k)ein Widerspruch?

Reichelsheim (Odenwald): Bezirkslandfrauen |

Ohne Bienen geht es nicht

Imkerei und moderne Landwirtschaft – kann dies miteinander funktionieren? Diese Frage stellte der Referent Dieter Skoetsch, Agraringenieur und Imker aus Neu-Anspach in seinem informativen und fundierten Vortrag beim Bäuerinnenstammtisch der Bezirkslandfrauen Reichelsheim in der vergangenen Woche seinen Zuhörern. Doch bevor er im speziellen auf die Bedürfnisse der Bienen und die Wünsche der Imker an den Landwirt einging, beleuchtete er zuerst die Lebensbedingungen der Blühpflanzen, welche der Biene als Nahrung dienen. Damit eine Pflanze optimal gedeihen kann, benötigt sie neben Wasser und Licht unter anderem Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Phosphor und besonders Stickstoff, alles Stoffe, die in der Natur vorkommen und als Dünger oder auch Mist und Gülle in den Boden eingebracht werden. Außerdem kann eine Pflanze nur gut gedeihen, die nicht durch Beikräuter in ihrer Entfaltung gehemmt wird sowie durch Pilz- oder Schädlingsbefall darbt. Denn nur auf optimal entwickelten Pflanzen finden die Bienen ausreichend Nektar und Pollen. „ Eine ausgewogene Düngung und Pflanzenschutz, so viel wie nötig und so wenig wie möglich, ist für den Landwirt eine Selbstverständlichkeit“, erläuterte Skoetsch. In der Bienenschutzverordnung ist genau geregelt, welche Mittel bienengefährlich sind und welche zu verschiedenen Zeiten und in welchen Mengen angewandt werden dürfen. Werden Pflanzenschutzmittel ausgebracht, muss dies genau dokumentiert werden, Landwirte unterliegen strengen Kontrollen, denn sie produzieren Lebensmittel deren Qualität der EU-Richtlinien entsprechen. Landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften heute durch den Strukturwandel immer größere Flächen, die sich dem Betrachter oft als Monokulturen darstellen. Jedoch beachtet der Landwirt Fruchtfolgen, indem er Getreide, Hackfrüchte und Zwischenfrüchte im jährlichen Wechsel anbaut.

„Ohne Bienen geht es nicht!“ stellte der Imker Dieter Skoetsch klar. Honigbienen, Hummeln und etwa 500 Wildbienenarten tummeln sich auf den Blüten in der Natur, etwa 80 Prozent der einheimischen Blütenpflanzen sind auf eine Fremdbestäubung durch Insekten angewiesen. Eine Apfel- oder Kirschenernte bringt ohne Bienenbestäubung nur eine 30prozentige Ertragsmenge, bei den Birnen bilden sich nur 10Prozent der Früchte aus. Deutlich wurde es auch an einer Abbildung, bei Himbeeren, die vom Wind bestäubt wurden, bildete sich nur eine kleine knorzige Frucht aus, während eine bienenbestäubte Blüte eine pralle Himbeere hervorbrachte. „Für eine gute Bestäubung ist auch ein geringer Abstand des Bienenstocks zu den Äckern wichtig“, erläuterte der Referent. Bienen leben in einer Symbiose mit den Pflanzen, sie brauchen diese, um sich von deren Nektar und Pollen zu nähren und bestäuben nebenbei die Pflanze, welche Früchte hervorbringt.

In Hessen werden etwa 56 000 Bienenvölker von rund 10 000 Imkern gehalten. Bienen sind durch die Varroa-Milbe gefährdet, ein todbringender Parasit, der die Bienenbrut vernichtet und vermutlich aus Asien eingeschleppt wurde. Der Bienengesundheitsdienst berät die Imker und hilft bei der Aufklärung, wenn Bienenvölker absterben. Sind Imkerei und moderne Landwirtschaft ein Widerspruch? Landwirt wie Imker brauchen sich gegenseitig und um die Bedürfnisse jeder Seite zu verstehen, ist ein Gedankenaustausch vorteilhaft. Was wünschen sich Imker von den Landwirten? Blühstreifen um Mais- und Getreidefelder, blühende Zwischenfrüchte und mehrjährige Blühpflanzen auf Weiden und Wiesen. Gute Nektarquellen für Bienen sind Löwenzahnwiesen und Rapsäcker, Streuobstwiesen und Blühhecken. Damit auch zuhause sich viele Bienen tummeln und ganze Arbeit verrichten, konnten die Zuhörer Samenbriefchen mit Bienenweide zum Aussäen mitnehmen. Über diesen Blütenflor werden sich sicher nicht nur die Landfrauen freuen.
Weitere Informationen zu den Aktivitäten der LandFrauen unter: www.bezirkslandfrauen-reichelsheim.de
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