Eine besondere Chance, nicht nur für das Kaufhaus

  Roßdorf: Recycling-Kaufhaus Roßdorf | Eine komplette Wohnungseinrichtung für kleines Geld? Das Recyclingkaufhaus in Roßdorf bei Darmstadt bietet dafür eine kostengünstige und faire Möglichkeit. Egal ob Student, geflüchtete Menschen oder bedürftige Familien: Jeder ist im Recyclingkaufhaus in Roßdorf willkommen.
Seit dem zweiten Juni 2017 ist das Kaufhaus an der Fuchsenhütte 62 geöffnet. Es stellt zusätzlich, zum fairen Angebot, mehrere Arbeitsplätze für Menschen mit einer neurologischen Beeinträchtigung zur Verfügung. In einem ehemaligen HL-Einkaufsmarkt, der bereits seit circa 30-40 Jahren komplett leer steht, wurde diese Idee realisiert. Eine besondere Chance für das leerstehende Gebäude in Roßdorf und die jetzigen Angestellten im Kaufhaus. Das Kaufhaus ist außerdem eine Bereicherung für das Gebiet in der naheliegenden Umgebung wie eine Kundin auf Nachfrage erzählt. „Einkaufen ohne ein schlechtes Gewissen“ fügt sie an. Sogar die ehemalige Inhaberin des HL-Markts war bei der Neueröffnung dabei.

Der Projektleiter des Recyclingkaufhauses BHZ-Roßdorf, Herr Stephan Weber, zeigt sich mit dem bisherigen Verlauf des Recylingkaufhaus sehr zufrieden: „Wir haben mit diesem Ansturm nicht gerechnet“. Man hat sich das Ziel gesetzt, etwas gegen die Wegwerfgesellschaft zu unternehmen. Der sozial-ökologische Aspekt ist Herrn Weber sehr wichtig wie er immer wieder betont. Herr Jochim, ebenfalls Mitarbeiter und Heilpädagoge im Kaufhaus bestätigt das Bild von Herrn Weber: „Es kommen unerwartet viele Menschen in unser Kaufhaus“. Die interessierten Kunden „zeigen an der Kasse ein großes Verständnis“ im Umgang mit einer Behinderung. „Der Großteil der Menschen ist wirklich entgegenkommend“ sagt Herr Weber. Darauf kümmert er sich um eine Mitarbeiterin im Rollstuhl, erklärt ihr etwas in ruhigem Ton und schreitet im Kaufhaus zur nächsten Aufgabe. Die Angestellten können sich auch in der Tagesstätte neben dem Kaufhaus etwas ausruhen oder ein Mittagessen zu sich nehmen.

Laut Herrn Weber und Frau Jobski, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, klappt die Werbung über Social-Media wie Facebook sehr gut. Natürlich spricht sich diese Idee von solch einem Kaufhaus auch per Mundpropaganda herum und trägt so zur weiteren Bekanntheit bei.

Finanziert wird das Recylingkaufhaus durch den Sozialhilfeträger in Hessen (u.a. der Landeswohlfahrtsverband), unter welchem der Verein zur Förderung von Menschen mit Behinderungen Darmstadt agiert. Bezuschusst wurde das Projekt auch von der Förderorganisation „Aktion-Mensch“. Ein wichtiger Punkt sind natürlich auch die Spenden und die Verkäufe der Ware aus dem Kaufhaus wie Herr Weber erklärt.

Egal ob eine alte Orgel, eine Einrichtung für Studentenküchen oder schöne Wandbilder für das Wohnzimmer. Das Recylingkaufhaus bietet für jeden etwas kostengünstig an. Herr Weber berichtet sogar von Händlern, die hier nach unentdeckten Schnäppchen Ausschau halten, geflüchteten Menschen die sich hier in Deutschland ihre Wohnung einrichten, oder sozialbenachteiligte
Familien: Fast niemand geht mit leeren Händen nachhause. Es kommen aber nicht nur Menschen mit wenig Geld, sondern auch Personen die sonst ihren Weg zu den großen Einrichtungshäusern finden. Die gespendete Ware kommt in der Regel aus der Öffentlichkeit und wird dann im Anschluss nach Qualität sortiert.
Das Kaufhaus ist konzeptionell so aufgebaut wie man es von der „großen Konkurrenz“ kennt. Kurze und klare Wege von Möbelstück zu Möbelstück. Auch wurde auf die Barrierefreiheit der Gänge geachtet um ohne Probleme mit einem Rollstuhl durch das Kaufhaus fahren zu können.
Die angelieferten Möbelstücke werden dann je nach Zustand in der eigenen Werkstatt gereinigt und aufbereitet. Es werden Schrauben nachgezogen oder kleine Lackfehler ausgebessert. Kaffeemaschinen und Tischlampen werden auf Funktionalität getestet und dann mit einem fairen Preis versehen. Tassen, Teller oder Bücher werden auf Fehler kontrolliert und begutachtet.
Das Kaufhaus stellt sogar eigene Taschen und Mützen her, die von einer geschulten Mitarbeiterin an einer Nähmaschine in der Nähwerkstat kreiert werden. Diese werden dann im Kaufhaus in einem Schaufenster zum Verkauf ausgestellt.

Jeden Freitag fahren die Angestellten des BHZ-Roßdorf mit einem Transporter umher und holen große reservierte Artikel wie Schränke oder Couchgarnituren ab. Derzeit ist es sogar so viel, dass die Überlegung besteht, eine externe Spedition zu kontaktieren, welche die Möbelstücke abholt.
Laut Herrn Weber werden immer gerne ehrenamtliche Mitarbeiter und fleißige Helfer gesucht.
Aktuell arbeiten im Recylingkaufhaus circa zwölf Menschen mit einer neurologischen Behinderung und drei Pädagogen die assistieren und mit ihnen zusammenarbeiten.
Den Menschen mit Behinderung im Recylingkaufhaus ist es wichtig, wieder ein Teil der Gesellschaft zu sein. Diese Chance nutzen sie von Montag bis Samstag, von 10:00 bis 14:00 im Recylingkaufhaus in Roßdorf.

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