Organspende - heißes Thema zur kalten Jahreszeit

Schaafheim: Wirtschaftsraum der Mehrzweckhalle | "' Organspende - heißes Thema zur kalten Jahreszeit
- nur Info und keine Werbung"

Waren es die Gefrierfachtemperaturen, das wieder mal im Faschingsfieber liegende Mosbach oder doch nur das innere Unbehangen mit dem sensiblen Thema "Organspende" (und damit dem eigenen Tod), das nur knapp 3 Hände voll Zuhörer bewog für ein interessantes und wichtiges Thema die eigenen vier Wänden zu verlassen?
Aber diesen Wenigen wurde viel geboten an Information, offen, umfangreich und hart bis aufs Blut. Was erstaunlicherweise keine Erwähnung durch die Referentin und Koordinatorin der DSO, Frau Eva Jakob, fand war eine Werbung pro Organspende. Die Abkürzung DSO steht dabei für "Deutsche Stiftung Organtransplantation".
Apropo Referentin: Für die stets locker und umgänglich wirkende gelernte Krankenschwester und studierte Dipl. Ingineurin war wohl auch die Kommunikationsausbildung in einer Clownschule eine wichtige Säule, um mit den in jedem Fall unglücklichsten Angehörigen der Welt eines soeben hirntoden, geliebten Menschen im denkbar ungünstigsten Zeitpunkt über das schwierigste Thema zu spechen: eine mögliche und baldige Organspende.
Eine Stunde würde der Vortrag wohl dauern meinte Frau Jakob am Anfang, bestimmt wissend, dass es doppelt so lange werden würde, bis die Verabschiedung gesprochen und sie von der Vorsitzenden Hana Strecker ein kleines symbolisches Geschenk überreicht bekam. Denn es kamen Fragen, viele Fragen, welche die unterschiedlichsten Einstellungen der Zuhörer widerspiegelten, nämlich von
- das hat unser Herrgott nicht gewollt bis
- wer eine eigene Organspende ausschiließt, sollte selbst auch keine Organe erhalten!
Dabei sind die genannten Daten so eindeutig: Es werden jährlich in Deutschland lediglich ca. 5000 Transplantationen durchgeführt bei einer Warteliste von ca. 13.000, die sich Tag täglich um mehrere Menschen verringert, für die die Zeit des Wartens zu lange war (etwa gleichviele kommen wieder hinzu). Und selbst die niedrig erscheinende Spendeanzahl resultiert überproportional von Angeboten aus dem benachbarten Ausland.
Offensichtlich völlig unpraktikabel oder fast kontraproduktiv erweist sich dabei die in diesem Jahr angestrebte Änderung der Gesetzeslage. Denn auch dann kann sich bei eindeutiger abgegebener Willenerklärung pro Organspende kein Mensch sicher sein, dass sein Wunsch vom sozialen Umfeld respektiert wird. Deshalb erfolgte die Bitte der Referentin an Spendenwillige: "Sprechen Sie rechtzeitig mit ihrem Angehörigen über Ihr Anliegen!"
Zum Umfang der Organspende ergänzte sie, dass sowohl der Ausschluß wie auch des gezielte Festlegen von einzelnen Organen oder Gewebe (z.B. Netzhaut oder Uterus) möglich ist.
Selbst das Spenden von Organen durch Lebensältere für ebenfalls Personen über 65 Jahre sei nichts außergewöhnliches. Damit wurde das vielgehörte Argument "ich bin schon zu alt dafür" widerlegt. Oder spiegelt sich darin meist nur die anfangs beschrieben Angst wieder?
Die Organisation DSO ist weder für die Festellung des Hirtodes, noch für die der Transplantation verantwortlich. Sie übernimmt die Koordination des Ablaufes und als Zwischenschritt die schwierigen und stets hoch emotionalen Gepräche mit dem Ziel der Einwilligung oder Feststellung der Ablehnung durch die Angehörigen.
Der gesamte Vorgang einer Transplantation, angefangen mit dem vor allem von Gegern fast dogmatisch behaftete Bereich "Feststellung des Hirntodes" bis zur eigentlichen Verplanzung, Nachsorge und Überlebenschance war für alle Anwesnde erstaunlich umfang-, detaill- und facettenreich.
Wen wundert es, dass auch nach Beendigung des Vortrages unter den Zuhörern noch diskutiert wurde. Trotz aller Information und Diskussion bleibt aber jeder letztlich mit einer der persönlichsten Entscheidung alleine!

Dieter Strecker
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