Gemeinde und Stiftung erinnern an Christian Stock

Bürgermeister Olaf Kühn legt am Grab vom ehemaligen Minis-terpräsidenten Christian Stock für die Gemeinde und die Chris-tian und Anni Stock-Stiftung ein Gesteck nieder. (pae-foto)
Seeheim-Jugenheim: Alter Friedhof | SEEHEIM-JUGENHEIM. Auf dem Alten Friedhof an der Laurentiuskirche liegt das Grab des ersten freigewählten Ministerpräsidenten Hessens: Christian Stock. Seit 1932 wohnte der Sozialdemokrat mit seiner späteren Frau Anni in Seeheim, wo er am 13. April 1967 starb. Die Gemeinde ernannte ihn 1952 zum Ehrenbürger. Geboren wurde er am 28.August 1884 in Darmstadt. An das Lebenswerk Stocks erinnern Bürgermeister Olaf Kühn und der Vorsitzende der Christian und Anni Stock-Stiftung und Erster Kreisbeigeordneter Christel Fleischmann anlässlich des fünfzigsten Todestages.
Am 1.September1948 eröffnete Stock als Vorsitzender der
Ministerpräsidentenkonferenz die erste Sitzung des Parlamentarischen Rates in Bonn. Der erste Hessische Landtag hatte ihn am 1. Dezember 1946 zum Ministerpräsidenten gewählt. In dieser Sitzung wurde zugleich die Hessische Landesverfassung beschlossen. An deren Ausarbeitung war er als „Persönlichkeit der ersten Stunde“ und als Mitglied der Verfassungsberatenden Hessischen Versammlung maßgeblich beteiligt. Diese Landesverfassung wurde vor allen anderen Landesverfassungen am 1. Dezember 1946 in einer Volksabstimmung angenommen.

In seiner Amtszeit von 1947 bis 1951 gab Stock mit seiner Großen Koalition von SPD und CDU den Impuls für den Aufschwung in Hessen. An der Gestaltung der demokratischen Neuordnung Deutschland wirkte er an vorderster Stelle mit. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der nationalsozialistischen Diktatur, die Bewältigung der Kriegsfolgen und die Aufnahme hunderttausender Flüchtlinge in Hessen lagen in seiner Verantwortung.
Der politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Aufbau war sein Hauptziel. Er und sein Vorgänger Karl Geiler legten den Grundstein für ein stabiles und soziales Hessen, auf dem beim Regierungswechsel 1950 Georg August Zinn und die folgenden Ministerpräsidenten aufbauen konnten.
Aber nicht nur Hessen sondern ganz Westdeutschland musste verfassungs-rechtlich und staatsorganisatorisch neu aufgebaut werden. Als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz - von Mai 1948 bis September 1949 – spielte Christian Stock eine Schlüsselrolle im Gründungsprozess der Bundesrepublik Deutschland. Sein besonderes Interesse lag dabei auf der Neuregelung der Kompetenzen und Verantwortlichkeiten im Verhältnis der Länder zum Bund.
Für Stock bedeutet die Umsetzung des Föderalismus einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu Wohlstand und Überwindung der Kriegsfolgen. Dies machte er in seiner Rede zur Eröffnung des Parlamentarischen Rates deutlich: „Die Aufgabe der Versammlung besteht darin, in der Form eines Grundgesetzes eine vorläu-fige verfassungsmäßige Neuordnung zu schaffen, aus der für die beteiligten Länder eine Regierungsform des föderalen Typs hervorgehen soll, die die Rech-te der beteiligten Länder schützt, eine angemessene Zentralinstanz schafft und Garantien der individuellen Rechte und Freiheiten enthält“.
Nach mehrmonatigen Verhandlungen verankerten die Ratsabgeordneten ganz im Sinne Stocks den föderativen Aufbau Westdeutschlands im Grundgesetz, das am 8.Mai 1949 verabschiedet wurde.


psj

Pressestelle der Gemeinde Seeheim-Jugenheim
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