Lieder sind Rache gegen Nazis

Esther Bejarano
Seeheim-Jugenheim: Sport-und Kulturhalle | SEEHEIM-JUGENHEIM. „Meine Lieder sind meine Rache an den Nazis“, mit diesen Worten endet das Konzert der Auschwitzüberlebenden Esther Bejarano am Samstag in der Sport- und Kulturhalle. Rund 150 Zuhörer erwarteten voller Spannung den Abend mit der fast 91-jährigen Dame.
Ein kleines rot eingebundenes Schulheft liegt vor ihr auf dem Tisch. Darin hat sie eine Beschreibung ihrer Leidenstour durch Arbeitslager und die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück aufgeschrieben. Ohne diese Hilfe hat sie nicht die innerliche Kraft, die Gräueltaten der Nationalsozialisten zu
erzählen.
Die Musik hat sie vor dem Tod bewahrt. Sie wurde für das Mädchenorchester ausgewählt, da sie Klavier spielen konnte. Gemeldet hat sie sich für das Akkordeon, obwohl sie dies nicht spielen konnte. Eine Mitgefangene half ihr beim Üben. Das Orchester spielte jedes Mal, wenn die Arbeitskolonnen aus dem Lagertor marschierten oder die Häftlingstransporte ins KZ Auschwitz-Birkenau zur Rampe einfuhren. „Die Menschen dachten bestimmt, wo Musik gemacht wird, da kann es nicht so schlimm sein. Dieser Gedanke hat mich schwer belastet“.
Als „Vierteljüdin“ wurde sie ins das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück verlegt. Am Ende des Krieges konnte sie auf dem Todesmarsch mit einigen Freundinnen fliehen und den Nazi-Schergen entkommen.
Dann kommen ihr Sohn Joram Bejarano und der türkische Musiker Kutlu Yurtseven auf die Bühne. Damit beginnt das einstündige Musikprogramm. Die Gruppe, die sich „Microphone Mafia“ nennt, spielt Rap und Hip-Hop-Musik. Zwischen den Liedern erzählen Esther Bejarano und Yurtseven, zitieren Texte
und nehmen Stellung zum Rechtsextremismus und zum Zeitgeschehen wie den Terrorattentaten vom Vorabend in Paris.
Sie singen antifaschistische Stücke, ebenso wie jiddische Stü-cke und Lieder aus ihren Heimatländern.
Der Abend endet mit der Zugabe des italienischen Partisanenliedes „Bella Ciao“, das die Zuhörer mitsingen. Begeistert vom Auftritt der Sängerin und Musiker endet der Abend mit Standing Ovations. Die Erste Beigeordnete Karin Neipp, die den Abend mit einer ergreifenden Ansprache, in der sie an die Pogromnacht der Nazis vor 75 Jahren erinnerte, eröffnete und der Gemeindepressesprecher Karsten Paetzold, der das Kon

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zert organisiert hatte, betonten, dass die Gemeinde mit diesem Konzert einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen geleistet habe.






psj


Pressestelle der Gemeinde Seeheim-Jugenheim
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