Das Tau im Blick: Auf dem Cammino di Francesco

Bruder Michele schaut vom Kloster La Verna in die toskanische Landschaft
La Verna an einem Julimorgen. Ich stehe in der Dämmerung neben einem Franziskusbruder und schaue still in den roten Himmel und über die Hügel der Toskana. Irgendwo im Süden werde ich nach ein paar Wochen Fußweg ein neues Stück Pilgerweg beenden. Frankreich, Spanien und der Hl. Jakobus gehören der Vergangenheit an, mit viel Neugier und wenig Ballast im Gepäck suche ich das Abenteuer neuer Wege. Ein Einstieg nach Maß, spiritueller kann das Gefühl nicht sein, wenn man die alten Klostermauern durch den stillen Buchenwald verlässt. Erinnerungen an erste Erlebnisse auf dem Jakobsweg, mühsame Aufstiege in die Pyrenäen zum Kloster Roncesvalles, Herzklopfen und stille Freude über das Unterwegssein bestimmen die ersten Glücksmomente. Geh mit Gott und gute Reise! Dies und ein schmales Büchlein sind die Dinge, an die ich mich vorerst halte. Ich pfeife mit den Waldvögeln um die Wette und versuche, mich nicht gleich im Schilderwald zu verlaufen. Die ersten 15 von 350 Kilometern Weg liegen in das unterhalb gelegene Pieve Santo Stefano vor mir. Es wird mir in dieser Zeit kein Pilger begegnen oder mich begleiten, ich werde mit meinen Eindrücken, Aussichten und Einblicken in meine Gemütswelt alleine sein. Blätterrauschen und das Knarzen alter Bäume in den Höhen lehren mich, mich als winzigen Teil dieser großartigen und weitläufigen Landschaften zu sehen, die Ferne und das Alleinsein auszuhalten und zu verstehen. Es fällt mir leicht, in die Wege des Hl. Franziskus einzutauchen.
Ein Baumstumpf ersetzt die Bank zur Rast. Ich frage mich, ob ich La Verna nicht zu voreilig verlassen habe. Ich versuche, die Bedeutung des dort Erlebten zu ermessen, mir vorzustellen, wie Franziskus seine letzten Lebensjahre dort verbracht hat. Mir fallen seine Gebetsplätze ein und die Bilder, die ich davon gemacht habe. Es sind die zeitgemäßen und zweifelhaften Versuche, etwas zu verstehen, was vor 800 Jahren hier passierte. Kreuzungen und Abzweige bringen mich schnell wieder zurück auf den Weg, viel Zeit und Strecke liegen noch vor mir, kein Problem, wenn der Geist hinterher hinkt.
Ein weitläufiges Tal bündelt den Verkehr von Nord nach Süd, der Pilgerweg wechselt hinter Pieve Santo Stefano in die einsame Bergwelt der Alpe de la Luna. Starke Regenfälle im Frühjahr haben die Wege teilweise entstellt, neue Trampelpfade finden sich, wenn es ewig bergan und in die Höhen geht. Ein kleiner Friedhof und das verlassene Kloster von Cerbaiolo sind gute Rastplätze, und ich bedaure, dass die letzte Betreiberin der Einsiedelei im April 2010 hier verstarb. Menschen wie sie sind unersetzlich und bilden das Netzwerk der legendären Persönlichkeiten, sie sind die Meilensteine des Pilgerweges...

Die Fortsetzung des Artikels ist auf www.delegato-ev.de zu lesen. Der Autor Helmut Henningsen führt für den Spezialanbieter Calma-Reisen seit 20 Jahren Wanderer und Pilger auf den europäischen Wallfahrtswegen. In Kooperation mit Delegato e.V. – Verein zur Förderung der Pilgerbewegung veranstaltet Calma-Reisen eine kombinierte Rad- und Wandertour vom 13.-30.09.2014 über den Cammino di Francesco von La Verna nach Poggio Bustone. Kontakt/Informationen: www.calma-reisen.de, www.delegato-ev.de. Tel. 0625785082. E-Mail: post@delegato-ev.de.
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