Ortsteile-Kulturerbe Seeheim-Jugenheim: Vier Englische Landschaftsparks

Schlosspark Seeheim: Lindenallee und Teehäuschen im Lustgarten
 
Schlosspark Heiligenberg Jugenheim: kunstvolle Anlage des Terrassengartens
 
Goldschmidtpark Seeheim: Buchsgarten mit Vogeltränke
Das Bergsträßer Museum Seeheim-Jugenheim ist das kommunale Museum (früher: Heimatmuseum) in der örtlichen Museumslandschaft. Der gemeinnützige Museumsverein Seeheim-Jugenheim betreibt und entwickelt es für die Gemeinde durch ehrenamtlich tätige Mitglieder. Es umfasst neben dem Museum Burg Tannenberg und dem Schulmuseum Seeheim-Jugenheim den Bereich „Ortsteile-Kulturerbe Seeheim-Jugenheim“, weil das Museum die Idee umfasst, die kulturelle Geschichte aller Ortsteile als gemeinsames Erbe zu betrachten und darzustellen. Die entsprechenden Angebote findet man in den Museen und im Jahresprogramm.

Das Territorium der Gemeinde existiert in ähnlicher Form seit rund 800 Jahren („Amt Seeheim“). In dieser Zeit entstanden in den Dörfern z. B. Burgen, Kirchen, Kloster, Mühlen, Rathäuser, Bildungseinrichtungen, Schlösser, Parks und Villenviertel, deren Geschichte und Bedeutung es verdienen, museumsmäßig bearbeitet, dargestellt und präsentiert zu werden. Dazu gehören interessante Forschungsarbeiten und eifriges Sammeln mit dem Ziel, das Kulturerbe in Form von Ausstellungen, Vorträgen, Exkursionen, Bilder-CDs, Büchern und Broschüren zu veröffentlichen und so an die Bevölkerung weiterzugeben.
Ein besonderes Kapitel in der Reihe dieser Themen sind die vier öffentlich zugänglichen Englischen Landschaftsparks aus dem 19. Jahrhundert, die der Gemeinde Seeheim-Jugenheim mit der Vielfalt der Parkelemente und Konstruktionen ein Alleinstellungsmerkmal nicht nur im UNESCO-Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald sichern. Dieses einmalige Parkensemble kann als weiterer hervorragender Geo-Punkt im Geo-Park betrachtet werden.
Wie wertvolle Perlen reihen sich diese vier Landschaftsparks am Hang zwischen Odenwald und Bergstraße in Seeheim und Jugenheim dicht aneinander – wahre Höhepunkte in Hessens Gartenkultur: Schlosspark Seeheim (nach 1830 durch Umbau eines Rokoko-Gartens), Park am Kreuzberg Seeheim, Goldschmidtpark Seeheim (nach 1870) und Schlosspark Heiligenberg Jugenheim (in Etappen im 19. Jh.). Sie sind um großherzogliche Sommersitze bzw. private Wohnsitze durch das Wirken bedeutender Landschafts- und Gartenarchitekten und unter dem Einfluss der jeweiligen englischen Park-Moden auf ehemaligen Weinbergen angelegt worden. Reizvolle und prägende Elemente – zugleich Herausforderungen für die Garten-Architekten – sind bei allen Parks die Hanglage am östlichen Rand des oberrheinischen Grabenbruchs – mit kleinen Ausläufern in das Rheintal zur Bergstraße hin – sowie die Platzierung der Schlösser, der Privatvilla bzw. der Schutzhütte (Park am Kreuzberg) auf festem Odenwaldfelsen. Bei Spaziergängen in den Parks stößt man auf zahlreiche typische Elemente einer idealen Englischen Parklandschaft. – Manchmal ist dazu im Augenblick etwas Vorstellungskraft erforderlich. Die Parkanlagen waren im 20. Jahrhundert (Krieg, Eigentümerwechsel) stark vernachlässigt und verwildert. Die laut Parkplänen und Baumkataster zu pflegenden Solitärbäume, Alleen und Baumgruppen blieben unbearbeitet, die Rasenflächen sind von Jungbäumen überwuchert. Der Park am Kreuzberg wurde vorübergehend als Campingplatz genutzt. Nunmehr existieren aber für die drei anderen Parks fachmännisch und denkmalgemäß erarbeitete so genannte Parkpflegewerke zur Rekonstruktion in ursprünglicher Form.

Die größte Vielfalt bietet dann wohl der Schlosspark Seeheim („nördliche Perle“). Im flachen Westteil bilden Wiese, Buschgruppen, Teich und exotische Baumgruppen eine Naturlandschaft perfekt nach. Im steilen Ostteil bzw. auf Odenwaldfelsen ist die einmalige Konstruktion eines vierstufigen Lustgartens (pleasureground) angelegt mit Rasenflächen, Buschgruppen und Solitärbäumen, durchzogen von verschlungenen Wandelwegen mit Brunnen, Ruheplätzen, Grotte und Eiskeller sowie besonders geschmückt mit langer Lindenallee, Teehäuschen mit Sichtachsen in die Rheinebene und zum Schloss sowie den terrassenförmig angelegten typischen Gartenstrukturen für Obst und Wein.
Genussvolle Spaziergänge in diesem Kulturerbe sind wegen der einmaligen Gesamtanlage und perfekten Gartenkunst sehr empfehlenswert, aber derzeit mit kleinen Hindernissen verbunden. Besonders im verwilderten östlichen Lustgarten ist trotz noch vorhandener Wegeführung ein gewisses Maß an Vorstellungskraft erforderlich. Die Realisierung der Vorgaben des aktuellen Parkpflegewerks hängt noch ab von einer vertraglichen Einigung zwischen Gemeindevertretung und Investor. Die Rekonstruktion des Lustgartens als besonderem Kleinod und Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde Seeheim-Jugenheim wäre dabei (entsprechend den kurz-, mittel- und langfristigen Vorgaben des Pflegewerks und in Abstimmung mit dem Denkmalschutz) besonders wichtig. Viele Arbeiten – z. B. Totholzbeseitigung und Rodung des Wildwuchses auf den Rasenflächen – könnten evtl. mit Unterstützung durch Ehrenamtliche gestaltet werden.
Der Museumsverein führt in seinem Jahresprogramm jährlich mehrere Park-Exkursionen durch und bietet ein Schlossbuch (Prof. Karl Listner), ein Ausstellung, Bilderschau-Vorträge und CDs an.

Ebenso reizvoll – jedoch völlig anders gestaltet – ist der Schlosspark Heiligenberg Jugenheim („südliche Perle“). Ausläufer in die Ebene und die untere Hanglage sind wenig ausgeprägt. Die bedeutenden Parkelemente findet man in der oberen Hanglage und auf dem Felsplateau: Terrassengarten mit Springbrunnen, „Schwimmbad“, Linden-Terrasse mit Balustrade und Sichtachsen in die Rheinebene und zum Schloss, Wanderwege, durch Buchen gedeckten Laubengang sowie die sehr dichte Nachbildung einer Naturlandschaft mit Teich, Solitärbäumen, Zentlinde, Lindenallee, künstlicher Ruine (auf dem Boden des ehemaligen Frauenklosters), Mausoleum, Goldenem Kreuz, Gedenkstätte, Weg zur (Kloster-)Quelle Nonnenbrunnen und die typischen Gartenstrukturen mit Weinberg (heute Kreuzwiese) und künftig wieder Kirschenhang und Rosenhang.
Genussvolle Spaziergänge sind nach der fortschreitenden Teil-Realisierung der Vorgaben des Parkpflegewerks und der Eröffnung eines Cafés sehr empfehlenswert. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Jugenheim bzw. die Stiftung Heiligenberg Jugenheim führen jährlich mehrere Park-Exkursionen durch und bieten Schlossbücher, Vorträge und den Besuch eines Doku-Zentrums im „Russenhaus“ an.

Ein besonderes Kleinod ist der Goldschmidtpark Seeheim („südliche Mittelperle“): Mehrstufiger Lustgarten in Hanglage mit Rasenflächen, Buschgruppen, Solitärbäumen und hervorragenden Sichtachsen in die Rheinebene und nach Seeheim, durchzogen von Wandelwegen mit schönen Brunnenanlagen sowie besonders geschmückt mit markanter langer Säuleneichen-Eingangsallee (Treppe) – mit dem auf halber Strecke befindlichen, mit (ehemals) puttengeschmücktem Ausruh- und Aussichtsplätzchen –, Spielplatz, Gartenpavillon, „französischem“ Buchsgarten und perfektem Übergang in die natürliche Waldlandschaft. Die typischen Gartenstrukturen für Gemüse (Privatbebauung) und Obst (Parkplatz) sind leider verloren gegangen.
Genussvolle Spaziergänge sind nach der Teil-Realisierung der Vorgaben des Parkpflegewerks wegen der Aussicht in die Ebene und wegen des vorhandenen Restaurants sehr empfehlenswert. Der Förderverein Goldschmidtpark bzw. der Museumsverein planen jährlich mehrere Park-Exkursionen und bieten ein Goldschmidtparkheft (Prof. Karl Listner), Bilderschau-Vorträge und CDs an.

Besonders im blütenreichen Frühjahr ist der steile Park am Kreuzberg Seeheim („nördliche Mittelperle“) mit seiner mehrstufigen interessanten, teils romantischen Wegeführung durch Wiesen und alleeartige Abschnitte sowie mit Ruheplätzen, einem „Aussichtstempel“ und den typischen Gartenstrukturen mit Obstbäumen ein interessantes Ziel für Spaziergänger. Beeindruckend ist der Panoramablick auf Seeheim und in die Rheinebene bis zu den Pfälzer und den Taunus-Bergen und auf den Goldschmidtpark. Nach der Auflösung des Campingplatzes folgen die Pflegemaßnahmen bisher keinem aktuellen Parkpflegewerk.
Genussvolle Spaziergänge sind z. B. besonders gegen Abend empfehlenswert. Der Museumsverein plant eine Bilder-CD.

Die Angebote im Jahresprogramm des Museumsvereins zu den Seeheim-Jugenheimer Parkanlagern findet man im Veranstaltungskalender der Homepage der Gemeinde (www.seeheim-jugenheim.de), der Homepage des Museumsvereins (www.museum-bergstrasse.de) und im Seniorenprogramms Seeheim-Jugenheim.
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