Ein Gedenktag, den Hessen nicht braucht!

Mit großem Erstaunen habe ich im Echo vom letzten Samstag gelesen, dass Volker Bouffier in 2014 in Hessen einen Gedenktag für die Vertriebenen neu einrichten wird, schließlich sei es „68 Jahre nach Kriegsende höchste Zeit dafür“.

Bouffier hat Recht, wenn er sagt, die Heimatvertriebenen haben zwischen 1944 und 1950 Unrecht und Leid erlitten. Das haben sie, genau wie der Großteil der Menschen im Nachkriegseuropa als Folge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Es gab 20 Millionen Kriegstote in Russland, 6 Millionen ermordete Juden, zerbombte Städte, Hunger, Flucht und Elend --- allüberall. Und es gab auch ca. 12 Millionen Heimatvertriebene und 600.000 auf der Flucht verstorbene Menschen.

Mein Vater wurde im Kindesalter vertrieben und oft hat er uns die Entbehrungen auf der Flucht und danach geschildert. Rückblickend auf sein gesamtes Leben ist aber festzustellen, dass sein Leben im Westen Deutschlands in Summe wohlhabender und freier, wohl auch besser und glücklicher verlaufen ist, als wäre er in seiner Heimat geblieben. Das Selbe ist vermutlich auch für eine große Zahl der Vertriebenen und deren Nachfahren anzunehmen. Selbst 20 Jahre nach der Wende gibt es noch ein deutliches Wohlstandsgefälle von Hessen zu den ehemaligen Heimatgebieten Vertriebener.

Zusätzlich hat die BRD den Vertriebenen Aufbauhilfe gewährt. Man konnte sich z.B. ein Eigenheim aufbauen und nach und nach zu einer gesicherten Existenz gelangen. Im Gegensatz dazu wurden die Zwangsarbeiter erbärmlich entschädigt, sofern sie es überhaupt noch erlebt haben. In diesem Kontext verärgert mich das Hofieren der Vertriebenenverbände von Seiten der Politiker in Bayern schon seit Langem.

Und es verärgert, dass man nun auch in Hessen einen eigenen Gedenktag für nötig befindet. Statt eines Gedenktages einer Teilgruppe sollte man den „Aktionstag nie wieder Krieg“ unterstützen. Dieser würdigt die Leiden aller Geschädigten der vergangenen Kriege und die Leiden der Menschen weltweit, die von Krieg, Vertreibung und Flucht auch heute noch betroffen sind. Gleichzeitig könnte Herr Bouffier seinen guten Willen zeigen und sein Konzept zur derzeitig gehandhabten Asylpolitik überarbeiten – auch wenn dies nur aktive humanitäre Hilfe bedeutet und keine Wählerstimmen bringt.
2 Kommentare
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Elgard Jabi aus Malchen | 16.08.2013 | 09:07  
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Claudia Sierakowski aus Seeheim | 19.08.2013 | 08:33  
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