"Große graben für kleine Buddler - ein Sandkasten entsteht" Schulhof der Carl-Ulrich-Schule verschönert

Gemeinsam sind wir stark! Kinder, Eltern und Lehrer verwirklichen das Projekt "Sandkasten" an der Carl-Ulrich-Schule
 
Die Carl-Ulrich-Straße war gesperrt, nur Anwohner und Lieferverkehr durften passieren
 
Etwa 50 Tonnen Sand wurden angeliefert
Vergangenes Wochenende verwandelte sich der Schulhof der Carl-Ulrich-Schule (CUS) in eine Großbaustelle. Tonnenschwere Lastwagen mit Baustoffen, Arbeitsgeräten wie Radlader und Bagger sowie zahlreiche Helfer aus der Elternschaft, bewaffnet mit Schaufeln, Schubkarren, Spitzhacken, Kettensägen und anderen lärmenden Höllenmaschinen ließen Freitag und Samstag die Erde zittern, um in einer verwaisten Ecke des Schulhofes einen ca. 100 m² großen Sandkasten im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden zu stampfen. Der Förderverein der CUS hatte zu der Aktion im laufenden Schuljahr aufgerufen, doch der Auslöser liegt ziemlich genau 13 Monate zurück …

Die Idee
… keimte in zartem Grün am Einschulungstag im August 2011 auf, als die kurz zuvor am Schulgebäude installierte Boulderwand in einer kleinen offiziellen Einweihungszeremonie ihren jungen Nutzern übergeben wurde. Unter der Kletterwand war jede Menge Sand als Fallschutz aufgeschüttet worden und -schwuppdiwupp – wimmelte es dort nur so von kleinen Wühlmäusen, die sichtlich Vergnügen daran hatten, den Fallschutz einem neuen Zweck zuzuführen. Schnell musste eine Regelung her, wann man klettern, bzw. buddeln durfte, um Unfälle zu vermeiden. Die neu ins Leben gerufene Schülerzeitung der CUS ließ daraufhin ihre jungen Reporter zwecks Schülerbefragung ausschwärmen. Das Ergebnis war eindeutig: 100% der Befragten wollten einen Sandkasten. Zeitgleich trug der Klassensprecherrat diesen Wunsch in seiner allmonatlichen Sitzung dem Rektor der CUS, Hagen Rothkirch, vor. Die Idee bekam starke Wurzeln, das Pflänzchen sammelte Kraft und als die kalte Jahreszeit vorbei war, trieb es eine verführerisch duftende Blüte aus: Da der Aktionismus der Erwachsenen anscheinend noch nicht aus dem Winterschlaf erwacht war, schrieben die ungeduldigen Schüler eine aufmunternde Petition. Es fand sich ein mutiger Vertreter, der damit an einem Sonntagmorgen bei Gerhard Jacobi, Vorsitzender des Fördervereins (FöV) der CUS, schellte, um alle wachzurütteln.

Die Planung
… begann mit der Erstellung eines Kostenvoranschlages, der unter dem Strich die stolze Summe von über 5000 Euro stehen hatte. Diese Summe musste erst mal zusammengesammelt werden und da sich das Schuljahr schon in großen Schritten seinem Ende näherte und sich keine freien Wochenende mehr fanden, legten Schulleitung und Förderverein fest, dass die Aktion im September starten sollte. Die Bauleitung übernahm Michael Schmitt (Vorstandsmitglied des FöV), der durch eine eigene Baufirma über die nötigen Kontakte zu Lieferanten verfügte. Für Planung und Organisation war Kathrin Keil (Kassenwart im FöV) zuständig. Viele angesprochene Firmen zeigten sich sehr hilfsbereit, für ca. 50t Sand und 100m² Verbundsteine sollte lediglich der Transport bezahlt werden, nicht die Rohstoffe. Das Forstamt Darmstadt stellte die benötigten Baumstämme zu einem Viertel des Verkaufswertes zur Verfügung und der Bauhof der Stadt Weiterstadt übernahm den Transport zu günstigsten Konditionen. Die Ideen-Pflanze trieb also kräftig aus und trug zahlreiche Früchte.

Die Durchführung
… und Action bitte, hieß es dann am Freitagmorgen ab 8.00 Uhr. Vorsorglich war bei der Ordnungsbehörde der Stadt Weiterstadt die Sperrung des Wendehammers der Carl-Ulrich-Straße beantragt worden, die Einfahrt war nur noch Anwohnern und Lieferanten gestattet. Die Polizei wurde informiert. Bereits um kurz nach acht rollte der erste tonnenschwere LKW ungehindert auf den Schulhof und schüttete die erste von drei Fuhren Spielsand an der Schulhofmauer ab. Zeitweise parkten bis zu drei LKWs in der schmalen Straße, denn zu Pausenzeiten war ein Befahren des Schulhofes aus Sicherheitsgründen unmöglich. Die Anwohner zeigten sich neugierig und verständnisvoll. Eine Nachbarin äußerte den Wunsch, man möge die Sperre doch aufrechterhalten, denn zu den Hol-und Bringzeiten für Kindergarten und Schule „geht es hier zu wie zur Rushhour in New York!“. Ab 14.00 Uhr trafen die ersten Helfer aus der Elternschaft ein und dann ging es im wahrsten Sinne des Wortes Schlag auf Schlag. Das am Vormittag vorbereitete Areal wurde mit Verbundsteinen ausgelegt, Sand zum größten Teil per Man/Womanpower herbeikarrt … über den Schulhof zogen Ameisenstraßen ähnliche Verbände von Eltern mit Schubkarren, beladen mit Steinen, Sand, Holzabfällen und was sonst noch so transportiert werden musste. Ohrenbetäubender Lärm von Kettensägen und Schleifmaschinen zum Herrichten der Baumstämme, Rüttelplatten und Hammerschlägen zum Vorbereiten der Sandfläche vermischte sich mit Kindergelächter der kleinen Helfer. Nur gelegentlich unterbrochen, wenn der verführerische Duft der Grillwürstchen, für deren Zubereitung Gerhard Jacobi verantwortlich zeichnete, die Arbeiterschar innehalten ließ, um sich am gespendeten Salatbuffet mit den nötigen Kalorien zu versorgen. Nach einer solchen Schufterei durfte auch ein kühles Blondes nicht fehlen. Samstags ging das rege Treiben weiter und langsam nahm der Sandkasten Gestalt an. Hagen Rothkirch ließ es sich nicht nehmen, an beiden Tagen vor Ort zu sein und fleißig mit zu schuften. Unterstützt wurde er von seinen Kolleginnen Vogel und Stanek, die mit einigen Eltern zeitgleich nötige Reparaturarbeiten in der Ruhezone vornahmen. Es blieb sogar noch Zeit, Teile des Schulhofs von Unkraut und Müll zu befreien. Schlag 18.00 Uhr am Samstagabend ließ Schmitt die letzte Schaufel Sand vom Radlader in den Sandkasten plumpsen. Das Werk war vollbracht! Jetzt galt es nur noch, die Spuren und Hinterlassenschaften der vielen Arbeit zu beseitigen, so dass der Sandkasten in dieser Woche an die Kinder der CUS übergeben werden kann.

Das Ende
… war Grund genug für alle Helfer, laut zu jubeln, denn viele Stunden harte Arbeit zeigten den gewünschten Erfolg. Rothkirch und Jacobi freuten sich über den Einsatz der Eltern. „ Manche kamen nur um zu schauen und blieben zum Arbeiten, Anderen hat es am Freitag so viel Spaß gemacht, dass sie samstags gleich wiederkamen.“ erklärte der Schulleiter. Keil war besonders stolz auf die vielen Sponsoren, die gewonnen werden konnten. Einige stellten Geldbeträge in dreistelliger Höhe zur Verfügung: Im letzten Schuljahr gewann die damalige Klasse 3d den Jugendbeteiligungspreis der Stadt Weiterstadt und spendete ein Drittel des Gewinns, eine pensionierte Kollegin verkaufte ihre Schulsachen und stellte den Erlös zur Verfügung, die Vereinigte Volksbank Griesheim-Weiterstadt und die Sparkasse Darmstadt beteiligten sich ebenfalls. Würden die Kosten für die etwa 1200 Arbeitsstunden - geleistet von ungefähr 40 Helfern -berechnet, so käme ein Betrag von mehr als 25.000 Euro dabei heraus. Deshalb sprach Jacobi noch einmal seinen ausdrücklichen Dank all denjenigen aus, die durch ihre Motivation und ihr Engagement dafür gesorgt haben, dass aus der Idee ein fertiges Projekt wurde. "Eine Gemeinschaft kann nur durch die Beteiligung aller leben.", so Jacobi
Während der harte Helferkern um FöV und Schulleitung abschließend eine letzte Runde über den Schulhof drehte, begann die Planung für das nächste Großprojekt: eine breite Metallrutsche, eingebettet in eine Hügellandschaft.
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