Lebendiger Adventskalender auch in der Riedbahn

 

11. Türchen öffnet sich multikulturell am Bürgertreff

Erstmalig in diesem Jahr veranstaltet die evangelische Kirchengemeinde in Weiterstadt einen lebendigen Adventskalender. 24 Türchen wurden über das Stadtgebiet verteilt. Privathaushalte, Institutionen, öffentliche Einrichtungen und natürlich die Kirche waren und sind noch bis zum 24. Dezember Standort für adventliches Beisammensein. Angeregt wurde die Idee von Ursula Orth aus dem Kirchenvorstand der Gemeinde und hauptsächlich umgesetzt und organisiert durch Nina Staude von der Gemeindejugendvertretung. Fenster werden festlich geschmückt, man singt und plaudert, Weihnachtsstimmung macht sich breit.
Am 11.12. machte der lebendige Adventskalender in der Riedbahn halt. Horst und Regina Bierach vom Bündnis Familie AG Riedbahn übernahmen federführend vor Ort die Organisation. Bereits am späten Nachmittag begann eine kleine Schar Anwohner damit, einen Weihnachtsbaum aufzustellen und zu schmücken, eine festlich beleuchtete „11“ zu installieren, Bänke zu rücken, Glühwein, Kinderpunsch und Leckereien für die erwarteten Gäste zu richten. Ursprünglich wollte man sich im Bürgertreff aufhalten, doch da dieser zurzeit von Asylbewerben bewohnt wird, verlagerten die Organisatoren das Ganze kurzerhand ins Freie. Mehr als 35 Menschen kamen, darunter eine erfreuliche Anzahl Kinder, denen der selbstgemachte Kinderpunsch von Regina Bierach und die Spekulatius und Mandarinen aus Spenden besonders gut schmeckten. Auch die vorrübergehend dort untergebrachten Gäste aus Somalia und Eritrea waren herzlich willkommen. Suleiman - 20 Jahre alt und unter lebensgefährlichen Bedingungen über Land aus Somalia geflohen und dann mit einem Flüchtlingsboot nach Italien übergesetzt – erzählte von Daheim. Ab und zu, wenn die Telefonverbindung es zuließe, könne er mit seiner Mutter telefonieren, berichtete er. Er floh, weil er nicht als Soldat im Bürgerkrieg kämpfen wollte und so gezwungen gewesen wäre, auf seine eigenen Landsleute zu schießen. Die Angst vor Repressalien gegen seine Familie bedrückt ihn. Ablenkung fanden die überwiegend jüngeren Männer in ihrer ersten Woche in Weiterstadt bei einem Besuch des unten im Bürgertreff untergebrachten JuZes. Bei Tischfußball, Billard und einem kleinen Imbiss kamen angeregte Gespräche auf. Jan Reimers, zuständiger Jugendbetreuer schilderte einige lustige Anekdoten. "Die Kiddys haben gleich mal eine Lektion in Englisch und Erdkunde bekommen" erzählte er schmunzelnd, denn die Gäste sprächen nur Englisch und wo Somalia und Eritrea lägen, hätte erst herausgefunden werden müssen.
Im Vorfeld hatten einige Anwohner die Unterbringung der Asylbewerber – zehn Männer, sechs aus Somalia und vier aus Eritrea – im Bürgertreff kritisch beurteilt, zumal auf der kurz vorher abgehaltenen Bürgerversammlung der Riedbahn davon nicht die Rede war. Nachgefragt beim zukünftigen Bürgermeister Ralf Möller, der die Bürgerversammlung im November leitete, stellte sich heraus, dass die Stadt erst einen Tag nach der Versammlung über die sehr zeitnahe Zuteilung der Asylbewerber informiert worden war. „Wir hatten dann auf die Schnelle nur die Wahl zwischen dem Bürgerhaus in Braunshardt, in dem es keine den Anforderungen entsprechende Küche gibt, oder dem Bürgertreff in der Riedbahn, wo lediglich eine Dusche fehlte“ so Möller. Eine mobile Dusche hätte man innerhalb von zwei Tagen errichten könne, eine Küche nicht, ergänzte er. Nun arbeite man an einer besseren Lösung. „Nach wie vor suchen Stadt und Kreis händeringend Quartiere für Asylbewerber. „Im nächsten Jahr könnten wir eine dreistellige Zahl zugeteilt bekommen“ erläuterte der designierte Bürgermeister und wies darauf hin, dass der Kreis eine Aufwandsentschädigung für die Aufnahme eines Asylbewerbers zahle.
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