WEITERSTÄDTER GEMARKUNGSGANG 2018

 



Der diesjährige Gemarkungsgang der Stadt Weiterstadt führte rund zehn Kilometer entlang des vor einigen Jahren neu ausgezeichneten Weiterstädter Rundwanderweges. Start und auch Ziel lagen diesmal in Weiterstadts Ortskern am Marktplatz.

Bürgermeister Ralf Möller begrüßte rund 250 Bürgerinnen und Bürger, namentlich einige Kommunalpolitiker, bevor sich die Menge in Bewegung setzte. Von der Darmstädter Straße ging es über die B42, entlang des Steinbrücker Hofes führte die Strecke zum Gewerbegebiet West.

Nach etwa einem Drittel der Strecke gab es die erste informative Pause am Regenrückhaltebecken. Darin wurde, um den Platz sinnvoll zu nutzen, eine von acht Solaranlagen errichtet. Von dort aus wird auch mittels Pumpanlagen der Grundwasserspiegel reguliert, also aktives Grundwassermanagement betrieben. Überflüssiges Grundwasser wird in angrenzende Waldgebiete gepumpt um Keller trocken zu halten. Bei zu wenig Druck auf den Leitungen kann der Wasserdruck nach oben reguliert werden. Es ist kaum vorstellbar, aber unter dem unscheinbaren Becken befinden sich Anlagen von der Höhe eines Zweifamilienhauses!
Möller erläuterter bei dieser Pause auch, dass sich hier im Gewerbegebiet West das Letzte der noch freien Gewerbegrundstücke befände.
Von besonderem Interesse für die Weiterstädter waren auch seine Erklärungen zur geplanten ICE Neubaustrecke bzw. zu den möglichen Streckenführungen der Verbindungsrouten mit der Bestandsstrecke, die ziemlich genau an der Raststelle des Gemarkungsganges vorbeiführen würde.

Anschließend machte sich die Wandergruppe weiter auf den Weg in Richtung Darmbach, an dem entlang es dann in Richtung Gehaborner Hof ging. Hier sorgte die Freiwillige Feuerwehr Weiterstadt für einen kleinen Imbiss. Markus Mager, dessen Familie den Gehaborner Hof von der Stadt Darmstadt erworben hatte, in deren Besitz er ca. 120 Jahre war, gab einen kurzen Abriss über die Geschichte des Hofes, der namentlich erstmalig 1163 als Gut Gebenbrunnen erwähnt wurde. Johann Wolfgang Goethe und Johann Heinrich Merck, dessen Nachkommen den Weltkonzern Merck gründeten, waren wohl die berühmtesten Besucher der großen Hofreite, die im Besitz der Stadt Darmstadt zunehmend verfiel.

Frisch gestärkt setzte sich der Tross dann quer durch das Waldgebiet Triesch, entlang des gleichnamigen Rückhaltebeckens, Richtung Naturschutzgebiet Löser und Justizvollzugsanstalt (JVA) in Bewegung. Vor den Toren der JVA wurde abermals Halt gemacht. Die JVA erlangte 1993 Berühmtheit, als die 3. Generation der RAF den fast fertiggestellten Neubau durch einen Sprengstoffanschlag so stark beschädigte, dass das damals als Untersuchungshaftanstalt geplante Gefängnis erst vier Jahre später in Betrieb gehen konnte. Die JVA ist einer der größten Arbeitgeber in Weiterstadt. Hier finden 300 Menschen Beschäftigung. Inzwischen ist die JVA ein Gefängnis mit der höchsten Sicherheitsstufe, ein Hochsicherheitsgefängnis. Seit Januar diesen Jahres ist hier auch die gemeinsame Überwachungsstelle der Länder für Träger von sogenannten elektronischen Fußfesseln untergebracht. Deutschlandweit gibt es 95 solcher Straftäter, in Hessen sind es derzeit zwölf.
Möller machte hier noch einen kleinen Exkurs zu den in Weiterstadt geplanten drei Hundewiesen. Denn zwischen JVA und Kompostierungsanlage wird eine entstehen. Die anderen werden in Braunshardt am Feldweg in Verlängerung der Georgenstraße sowie in Gräfenhausen am Ortseingang in Richtung Wixhausen sein.

Weiter ging es erneut über die B42 Richtung Braunshardter Tännchen und den Sportanlagen des SV 1910 Weiterstadt. Wie versprochen ging der Bürgermeister noch einmal auf die mögliche Streckenführung der Verbindungsschleife von der Bestandsstrecke zur Neubaustrecke ein. Er beschrieb die Möglichkeit, dass bei einer der geplanten Streckenführungen das beliebte Naherholungsgebiet und der Sportplatz betroffen sein könnten. Die geforderte weichenfreie Streckenführung bedeute, dass die Gleise für beide Richtungen mittels riesiger Bauwerke in einer Höhe von ca. 15 Metern in die Landschaft eingepasst würden. Seit dem vergangenen Jahr gibt es in Weiterstadt die IG Neubaustrecke, die sich an entsprechender Stelle dafür stark macht, dass Weiterstadt von solchen Maßnahmen verschont bleibt Hier geht es zum Mitgliedsantrag.
Möller griff an dieser Stelle die Campusidee rund um die Albrecht-Dürer-Schule (ADS) auf. Hier könnten die ADS, die Sportanlagen, die Jugendförderung und eine auf dem Gelände der ADS vom Kreis geplante fünfte Grundschule für Weiterstadt ein weitläufiges Zentrum für Kinder und Jugendliche bilden. Geplant ist auch eine zentrale Küche für die Mittagsversorgung aller Weiterstädter Schulen. Der Klein-Gerauer-Weg soll dann zur Sicherheit der Schulkinder zur verkehrsberuhigten Fahrradstraße werden.

Die letzte Etappe brachte die Wanderer zurück ins Weiterstädter Bürgerzentrum. Hier wartete die Feuerwehr mit vielen fleißigen Helfern bereits mit Gulaschsuppe, Nudeln mit Tomatensauce und Getränken auf die Heimkehrer.
Während fleißig gelöffelt wurde, nahm der Bürgermeister die Gelegenheit wahr, um sich bei allen zu bedanken. Außerdem wies er darauf hin, dass in diesem Jahr die "Tour der Hoffnung" in Weiterstadt Halt machen würde. Seit mehr als 30 Jahren sammeln hier radelnde Freiwillige, darunter viel Prominenz, Geld für die Unterstützung krebskranker Kinder und deren Eltern.
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