Die Riedbahn: Einst Idylle im Grünen - heute vom Konsum gebeutelt

Dr. Otto-Röhm-Straße mit Blick Richtung Bundesstraße
 
Gutenbergstraße am LOOP 5

Der Kommentar einer Anwohnerin

Bezugnehmend auf einen Artikel aus der letzten Printausgabe, in dem von "entspanntem Shopping" die Rede war und mit großer Freude der nächste verkaufsoffene Sonntag am 11.11.2012 angekündigt wurde. Freude für wen?

Luftbilder aus vergangenen Zeiten zeigen die Riedbahn als kleines überschaubares Wohngebiet, umgeben von Wald, Wiesen und Feldern. Das ist längst passé, wie ich vorgestern Abend gegen 19.30 Uhr wieder einmal deutlich zu spüren bekam. Durch lautes Geböller und zuckenden Lichtschein beim Essen gestört, ging ich im Internet auf die Suche nach der Ursache. Vergeblich! Also tätigte ich einen Anruf beim 3. Polizeirevier Darmstadt. Bereits nach der Nennung meines Wohnorts erhielt ich die Auskunft: “Da ist ein Feuerwerk beim Segmüller, ist vom Ordnungsamt genehmigt.“ Dauer der Veranstaltung nicht bekannt. Meine Geduld hatte nach 45 Minuten ein Ende, wieder griff ich zum Telefon, mit dem Ergebnis, dass mir eine nette Anrufbeantworterstimme mitteilte, dass ich außerhalb der Geschäftszeiten anrufe. Mein Ärger suchte ein Ventil, also schrieb ich eine Mail ans Möbelhaus. Wie sich nach lebhafter Diskussion in einem sozialen Netzwerk und eigener Recherche später herausstellte, war die Information der Polizei nicht korrekt. Deshalb: `tschuldigung, lieber Möbelgigant! Ich wetterte also über den Krach und kam schnell zum nächsten Stein des Anstoßes: Das Verkehrsaufkommen und seine Auswirkungen auf uns Riedbahner an „Tagen wie diesen“ – nämlich verkaufsoffenen Sonntagen, dem 1. November (hier kein Feiertag, aber in Nachbarbundesländern) und den kommenden Adventssamstagen. Erlebt haben wir das Chaos in den vergangenen Monaten mehrfach, immer als Begleiterscheinungen großer Events. Motorenlärm, Discomusik und Gestank als Nebenwirkungen von Autorennen auf Parkhausdächern. Verstopfte Einbahnstraßen rund ums LOOP 5, zur Bundesstraße kommt man nur mit viel Geduld, um dort im Stau zu stehen. Zu Hochzeiten wurden gar Autobahnabfahrten gesperrt, oder wie vor knapp zwei Jahren, Anwohnerstraßen vorzeitig von übereifrigen Ordnungsamtsmitarbeitern für den Durchgangsverkehr freigegeben.
Mein FAZIT für mich als Anwohnerin der Riedbahn: Ich bin gefangen in meiner ehemaligen Idylle, denn durch verstopfte Straßen möchte ich mich am Wochenende nicht quälen um mit meiner Familie einen Ausflug gen Süden zu machen. Also bleibt nur die Flucht nach hinten, am besten mit dem Fahrrad durch den Wald nach Darmstadt, zu dem wir ja telefontechnisch schon gehören und wo wir mit offenen Armen empfangen werden. Weiterstadt hingegen behandelt uns stiefmütterlich, beunruhigt uns mit Plänen zur Busstreckenumlegung oder Freigabe des Colabuckels als Busschnellstrecke, der letzten Möglichkeit für Radler, relativ ungefährdet die Kernstadt zu erreichen. Immerhin gibt es als Trostpflaster eine Blitzersäule. Wann denn, Herr Bürgermeister?

Noch eine Anmerkung zur Knallerei bei Lipps: Hat man bei der Genehmigung dieses Spektakels auch an die Tiere der nahe gelegenen Tierpension gedacht, oder an die Bewohner der Kellerranch? Wer ein Haustier hat, der kann beurteilen, was für ein immenser Stress Silvester für sie bedeutet. Und da wird selten so lange geböllert.

Übrigens konnte man Samstag Abend mal wieder mehr als 30 Minuten investieren, um mit dem Auto gegen 19.30 Uhr von der KÖLLE ZOO Ecke bis in die Wiesenstraße zu kommen ... da war die "Entspannung" längst vorbei!
Gleichzeitig durchfuhren die als Anwohnerstraße gekennzeichnete Wiesenstraße viele Autos mit auswärtigen oder städtischen Kennzeichen. Leider war von den auf der letzten Bürgerversammlung versprochenen Kontrollen nichts zu sehen .... schade eigentlich, denn ein paar Cent wäre bestimmt auch im städtischen Geldbeutel hängengeblieben.

Die Bilder wurden alle zwischen 16.30 Uhr und 17.15 Uhr aufgenommen.
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