Heike Hofmann über Rollentausch, Erfolgsgeschichten und Bauernfänger

Weiterstadt: Hessenwaldschule |

Weiterstadt (Lör) „Ich weiß nicht, ob Politikerin ein Traumberuf ist, aber es ist eine schöne und interessante Aufgabe.“ Sozialdemokratin Heike Hofmann ist eine eher zierliche Person, und als stellvertretende SPD-Fraktionschefin im Landtag doch ein landespolitisches Schwergewicht. Sie plaudert in der G 9b von Klassenlehrerin Margarete Grothues über das Leben einer Abgeordneten und bezieht differenziert Position zur EU, zum großen Sozialdemokraten Willy Brandt, zur NPD und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hofmann: „So ein Politikerjob kann einen sehr schnell auffressen.“

Die NPD-Europawahlplakate in Erzhausen machen die Gräfenhäuserin „aggressiv“. Sie findet sie „abartig“. „Das ist pure Bauernfängerei“, ärgert sich Heike Hofmann. Denn sie sieht die Europäische Union als Erfolgsgeschichte, die unserem Land eine lang andauernde Friedenszeit beschert habe und der Garant für die Freiheit der Menschen sei. Wer behaupte, die EU sei unbedeutend, vergesse, dass inzwischen 60 bis 80 Prozent der rechtlichen Bestimmungen von Brüssel vorgegeben seien. Wenn die Schüler in ein paar Jahren ihr Abi in der Tasche hätten und studierten, würden sie dies nach Vorgaben der EU tun. „Bachelor- und Masterstudiengänge haben ihren Ursprung in der Europäischen Union“, so die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag. 70 Prozent der deutschen Exporte gingen in europäische Staaten. Deshalb sei die EU immens wichtig „für uns“ und gehe die Deutschen auch die hohe Jugendarbeitslosigkeit beispielsweise in Spanien etwas an.
Neugierig waren die Schüler besonders auf den Werdegang und die Lebenswirklichkeit einer Politikerin wie Heike Hofmann. Sie sei vor 14 Jahren durch Zufall ins Parlament gekommen, verriet sie. Eigentlich wollte die Gräfenhäuserin Staatsanwältin werden, doch ihr Vorgänger ging plötzlich in die freie Wirtschaft. Damit rückte die heute 40-jährige Volljuristin noch vor dem Staatsexamen in den Landtag nach.
Seitdem führt sie ein Leben zwischen Familie und Beruf, zwischen Wiesbaden und Weiterstadt, wo sie in der Stadtverordnetenversammlung als SPD-Fraktionschefin fungiert.
„Ich treffe viele interessante Menschen, die ich in anderen Berufen vielleicht nie kennenlernen würde“, so Hofmann. Die rechtspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion erzählt den Schülern von ihrer Sieben-Tage-Woche, dem Besuch von Festen, Veranstaltungen, Vereinsfeiern, Sitzungen und von ihren Schwerpunkten: Umwelt- und Bildungspolitik, Kommunalpolitik, Kriminalitätsbekämpfung und -prävention.
„Ich habe das Glück, dass wir die Rollen getauscht haben“, klärt sie die Schüler über die Rahmenbedingungen ihres Privatlebens auf. Ihr Lebensgefährte betreue die beiden gemeinsamen Kinder und auch ihre Eltern lebten in Gräfenhausen. Aber auch sie fährt „den Kleinen“ beispielsweise zum Judo. „Unsere Tage müssen genau durchgetaktet werden“, verrät sie.
Heike Hofmann überreicht den Schülerinnen und Schülern eine 10-bändige Ausgabe mit Schriftstücken von und über Willy Brandt, die anlässlich seines 100. Geburtstages im Dezember 2013 herausgegeben wurde und nun in den Besitz der Schule übergeht. Frau Hofmann beschreibt Willy Brandt als „vielschichtige Persönlichkeit“ und „herausragenden Friedenspolitiker“ mit „Licht und Schatten“. Vielleicht ist Brandt auch ein gutes Beispiel dafür, was ein Leben in der Politik mit Menschen machen kann.
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