Lesung im Anderswo

Erik Schreiber während der Lesung (Foto: Roger Murmann)
 
Lesecafe Anderswo (Foto: Roger Murmann)
Wiesbaden: Anderswo | Wiesbaden. Steampunklesung in der Coffeebar Anderswo.
Autoren aller Verlage, besonders der Kleinverlage tragen zum Verkaufserfolg ihrer Bücher bei, wenn sie sich in die Öffentlichkeit begeben. Eine solche Öffentlichkeit bietet die Coffeebar Anderswo in Wiesbadens Blücherstrasse. Juliane Seidel veranstaltet in den Galerieräumen des Anderswo regelmäßig Lesungen. Öffentliche Auftritte der Autoren werden von den großen Verlagen gern als gezieltes Marketinginstrument eingesetzt. Kleinverlage können diese Marketinginstrumente meist nur nutzen, wenn die Autoren selbst sich um Lesungen bemühen. Diese Notwendigkeit gilt also zunehmend für Autoren, die erst noch bekannt werden wollen.
Juliane Seidel veranstaltet die Lesungen, deren Eintritt frei ist, nach dem Motto, vorgelesen bekommen gehört für viele zum Schönsten, was es gibt. Daher gibt sie unbekannteren Autoren die Möglichkeit, ihre Werke direkt vorzutragen. Diese Möglichkeiten nutzen die beiden Autoren des "Saphir im Stahl" Verlages. Die Autoren Volkmar Kuhnle und Erik Schreiber lasen frisch, direkt und lebendig aus ihren Manuskripten. Den beiden Autoren war klar, dass vorlesen das Vergnügen des Selberlesens noch übertrifft, erinnert es doch den Zuhörer an die Jugend, als sie von den Eltern oder Großeltern vorgelesen bekamen. Das Ohr als Pforte zu Gemüt und Phantasie diente während der Lesung dazu, den Zuhörern viel Freude zu bereiten. Damit wurde die Lesereihe von Juliane Seidel in der alten Tradition der mündlichen Überlieferung von Märchen fortgesetzt. Der Charme literarischer Lesungen wurde von den beiden Autoren Volkmar Kuhnle und Erik Schreiber genutzt.
Volkmar Kuhnle begann mit seinen beiden Kurzgeschichten "Der rauchende Adler" und "Das Wunder". In der ersten Geschichte, die noch nicht erschien, geht es um einen Dichter, der für seine neunzig Gedichte nur dann einen Buchvertrag erhält, wenn er weitere zehn Gedichte abliefern kann. In der zweiten Geschichte ging es um eine Ausschreibung des "Saphir im Stahl" Verlages. Die Ausschreibung verlangte nach Piratengeschichten. Die Piratengeschichte handelte von einem Priester auf den Weg nach Cuba, um dort eine Pfarrstelle zu übernehmen. Und weil er in den Händen der Piraten landete, aber dort nicht sterben wollte, bat er um ein Wunder. Er bekam es auch, aber anders, als gewünscht. Dem Vorleser gelang es, die Geschichte nicht nur gekonnt umzusetzen, sondern sie auch so vorzutragen, dass die über zwanzig Zuhörer, die sich in dem kleinen Raum drängten, voll auf ihre Kosten kamen. Für beide Geschichten erhielt er einen lang anhaltenden Applaus.
Der zweite Autor war Erik Schreiber, der aus dem Band "Geheimnisvolle Geschichten - Steampunk" vorlas. Diese Kurzgeschichtensammlung erhielt gerade vierzehn Tage vorher während der Buchmesse Frankfurt auf einer Alternativveranstaltung den Deutschen Phantastik Preis. Die Kurzgeschichtensammlung ist die beste Kurzgeschichtensammlung des vergangenen Jahres, laut der Leserabstimmung. Erik Schreibers Geschichte spielte in Prag und war eher ein Thriller mit überraschendem Ausgang, denn eine typische Steampunk-Geschichte. Die Geschichte hatte ihre humorigen Einlagen, die die Zuhörer mit wohlwollendem Gelächter quittierten. Zum Abschluss erhielt auch er verdienten Applaus.
Was immer die Zuhörer an diesem Oktoberabend ins Anderswo geführt haben mag, sie kamen, was Gemütlichkeit und Unterhaltung betrifft, ganz gewiss auf ihre Kosten. Die Lesung der sorgfältig ausgewählten und in sich geschlossenen Kurzgeschichten stieß auf aufmerksame und wohlwollende Ohren.
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