Wann haben Sie einen Anspruch auf Kinderzuschlag bei HartzIV?

Wann haben Sie einen Anspruch auf Kinderzuschlag bei HartzIV? (Foto: © viki2win - iStock)
Viele Familien kommen aufgrund eines Minijobs nur schwer über die Runden. Sie gelten als Geringverdiener. Oft reicht das monatliche Gehalt nicht aus, um die ganze Familie zu versorgen. Den meisten kommt zunächst die HartzIV- Aufstockung in den Sinn, um so einen Zuschuss für den Lebensunterhalt zu erlangen. Dabei wissen viele Betroffene gar nicht, dass es auch weitere Möglichkeiten gibt, wie beispielsweise den Kinderzuschlag, um Unterstützung zu erhalten.

Der Kinderzuschlag wird, wie der Name schon sagt, Familien mit einem oder mehreren Kindern zusätzlich zum Kindergeld ausgezahlt. Hierbei handelt es sich um eine gezielte Förderung, die im Jahr 2005 nach § 6a Bundeskindergeldgesetz eingeführt wurde. Der monatliche Zuschlag kann pro Kind 170€ im Monat betragen. Er dient vor allem Eltern, welche aufgrund eines niedrigen Gehaltes nicht den Unterhalt der ganzen Familie finanzieren können. Daher ist der auszuzahlende Betrag von einer Mindest- bzw. Höchsteinkommensgrenze abhängig. Zudem wird der Kinderzuschlag so lange ausgezahlt, wie den bedürftigen Kindern Familiengeld zusteht. Diese Dauer ergibt sich in der Regel aus einem sogenannten Bewilligungsbescheid.

Da das Kindergeld bis zum 25. Lebensjahr eines unterhaltspflichtigen Kindes ausgezahlt wird, haben alle jene Anspruch, wenn:

• die Kinder im gemeinsamen Haushalt leben und unverheiratet bzw. nicht verpartnert sind,
• für die Kinder Kindergeld oder eine das Kindergeld ausschließende Leistung bezogen wird,
• die monatlichen Einnahmen der Eltern die Mindesteinkommensgrenze erreichen,
• das zu berücksichtigende Einkommen sowie Vermögen die Höchsteinkommensgrenze nicht übersteigt und
• der Bedarf der Familie durch die Zahlung von Kinderzuschlag sowie evtl. Wohngeld gedeckt ist und aus diesem Grund kein Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld besteht.

Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann mit einem Zuschlag von bis zu 170€ monatlich pro Kind rechnen. Wird jedoch die Höchsteinkommensgrenze überschritten, verringert sich der Betrag des Kinderzuschlags. Die Höchsteinkommensgrenze setzt sich aus dem elterlichen Bedarf, dem prozentualen Anteil an Wohnkosten sowie den Gesamtkinderzuschlag zusammen. Wird die Einkommensgrenze überschritten, haben die Eltern keinen Anspruch auf einen Zuschlag für ihre Kinder. Lediglich Alleinerziehende, Schwangere und Behinderte sowie Eltern, die aus medizinischen Gründen kostenaufwändige Nahrung benötigen, erhalten einen Mehrbedarf.

Um Kinderzuschlag zu erhalten, müssen die betroffenen Familien einen Antrag stellen. Dies kann bei der jeweiligen Familienkasse vorgenommen werden. Der Antrag muss schriftlich und in Form eines Formulars eingereicht werden, welches entweder bei der Familienkasse oder dem zuständigen Jobcenter zu erhalten ist. Zudem stellt die Arbeitsagentur online einen kostenlosen Antrag zum herunterladen bereit. Neben dem Antrag müssen auch weitere Unterlagen beigelegt werden. Dazu gehört die Verdienstbescheinigung des Arbeitgebers, die Erklärung zum Vermögen sowie die Erklärung über die jeweiligen Unterhaltskosten. Zudem können je nach Einzelfall weitere Dokumente verlangt werden. Diese können ebenfalls bei einem Jobcenter vor Ort erhalten oder auf der Internetseite heruntergeladen werden. Um genauere Informationen über die erforderlichen Nachweise zu erhalten, sollten sich Betroffene an die zuständigen Familienkassen wenden. Wichtig ist auch: Sollte sich die Umstände oder Verhältnisse der Familie ändern, muss dies umgehend einem Zuständigen bei der jeweiligen Familienkasse mitgeteilt werden. Diese Änderungen könnten Auswirkungen auf die Leistungen haben. Zu solchen Veränderungen gehören beispielsweise die Anzahl der Haushaltsmitglieder oder der Bedarf für Unterkunft, Heizung oder sonstige Nebenkosten. Sollten die Änderungen verheimlicht oder zu spät mitgeteilt werden, muss der Betrag des Kinderzuschlags, welcher zu viel gezahlt wurde, umgehend rückerstattet werden. Weiterhin können Geldbußen sowie strafrechtliche Verfolgungen auf die Betroffenen hinzukommen.

Weitere Informationen zum Thema „Kinderzuschlag“ finden Sie hier. Zudem bietet das kostenlose Ratgeberportal www.hartz4hilfthartz4.deviele weitere Informationen, Ratgeber und eBooks zu Themen, wie Jobcenter, Wohnung & Miete sowie HartzIV - Finanzen.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. wurde im Januar 2017 vom Rechtsjournalisten Marcel Weber in Berlin gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Transparenz im Bereich Sozialrecht zu schaffen, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die wichtigsten Themen zu bieten.

Ziel und Zweck der Interessengemeinschaft e.V. ist die Beobachtung sozialrechtlicher Entwicklungen, Analyse und Kommentierung aktueller Rechtsprechungen sowie der Bereitstellung von Informationen und Hilfestellungen für Leistungsempfänger und Interessierte. Dabei verfolgt der Verein keinerlei eigenwirtschaftliche Zwecke. Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden. In ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Vereins erhalten diese keine Zuwendungen oder Gewinnanteile aus Mitteln des Vereins.
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