Guerilla Kunst in Eppertshausen - ein neuer Trend?

Ein sehr ungewöhnliches Kunstevent fand am Sonntag, 06.03.2016 in einem Privathaushalt in Eppertshausen statt. Die Künstler Christoph Ciolek (Zeichnung, Malerei und Objekte) und Harald Hiefner (Keramik) nutzten für einen Tag das sich in Renovierung befindliche Wohnzimmer von "Wänä" (Deckname), selbst Musiker und Maler. Über wenige Einladungen und Mundpropaganda erfuhren Kunstfreunde von dem eintägigen Kunstevent am geheimen Platz und kamen zahlreich nach Eppertshausen. Ankündigungen in der Presse erfolgten ganz bewusst nicht.
Der Charme dieser Art von kreativer Aktion liegt darin, dass Kunst durch die großzügige Zurverfügungstellung einer privaten Wohnung ganz unkompliziert Raum bekommt - ganz unabhängig von großen Sponsoren oder öffentlichen Geldern. Aktionen wie diese können überall stattfinden. Das Faszinosum für Besucher liegt darin, direkt mit den Künstlern in Kontakt zu kommen, mit Kunstfreunden wie "Wänä", die es mit der Kunstförderung ganz praktisch angehen und mit anderen Kunstfreunden, die ein Faible für verrückt anmutende Ideen haben.
"Mehr Ausstellungsbesucher und Exponate pro Quadratmeter hat man selten. Vielleicht dann, wenn im Städel der Dürer ist" - so eine Ausstellungsbesucherin.
Trotz der wenigen Quadratmeter und einigem Gedränge gab es enorm viel zu entdecken: Harald Hiefner begeistert sich in seinen Keramiken für organische Formen und besonders satten Glasurfarben. Christoph Ciolek zeigte eine ganze Werkschau unterschiedlicher Schaffensperioden. Ein Markenzeichen des genialen Zeichners ist die "Be-zeichnung von allem Möglichen": Toilettenpapierrollen, Schreibtischunterlagen, Paket-Rollen, Kronkorken - nichts ist vor ihm sicher, alles wird künstlerisch, spontan und sprühend kreativ verwertet, Wortspiele augenzwinkernd in Objekten umgesetzt.
Chapeau für diese Ausstellung und Danke an den Kurzzeit-Kurator!

Da bleibt abzuwarten, ob dieses spannende Ausstellungsformat in Eppertshausen und Umgebung Schule macht und sich weitere großzügige Eintagsgaleristen wie "Wänä" finden.
Als Kunstfreund sollte man es sich in nächster Zeit zur Aufgabe machen, den einen oder anderen möglichen Hinweis auf ein Guerillakunst-Event zu deuten. Oder sich am besten gleich selbst dazu entscheiden, für einen Tag Kunst im Wohnzimmer zu beherbergen.
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