Domra, Bajan und großes Akkordeonorchester in Schwanheim

Virtuosen aus Russland gastierten in Bensheim - Tatyana Gracheva/Mandoline, Domra und Vladimir Grachev/Bajan
 
Was spielen wir als Zugabe? Von links: Tatyana Gracheva, Vladimir Grachev, Eduard Ungefucht
Bensheim: Dorfgemeinschaftshaus Schwanheim |

Authentisch, brillant, faszinierend - das diesjährige Solistenkonzert des Akkordeonclubs Blau-Weiß Bensheim (ACB)

Das fast schon zur Tradition gewordene Event, das vierte in Folge unter der Musikalischen Leitung von Eduard Ungefucht, fand in Juni im Bürgerhaus Bensheim-Schwanheim statt. Dank Ungefuchts Vermittlung war es den Bensheimer Akkordeonisten gelungen, den russischen Bajanisten Vladimir Grachev, der erstmals 2015 hier zum Gastkonzert weilte, noch einmal an die Bergstraße zu holen, diesmal begleitet von der begnadeten Mandolinistin und Domra-VirtuosinTatyana Gracheva. Grund genug für Musikkenner, Liebhaber des Akkordeons und Freunde des Vereins, sich trotz Hitzewelle und zahlreicher anderer Veranstaltungen rundum in den Bensheimer Stadtteil zu begeben. Sie kamen in großer Zahl und sollten nicht enttäuscht werden.

Begrüßung durch Konzertmeisterin

Für den Akkordeonclub war es, wie Konzertmeisterin Stephanie Jacobi in ihrer Begrüßung betonte, eine große Freude und Auszeichnung, mit den Künstlern gemeinsam aufzutreten. Im Namen des ganzen Orchesters dankte sie ihnen und dem Dirigenten für das Zustandekommen des gemeinsamen Konzerts.
Uraufführungen russischer Meister
Die beiden Musiker aus Saratov/RU zählen zu den renommiertesten russischen Virtuosen und lehren dort am staatlichen Konservatorium. Als Botschafter russischer Musik und aktive Komponisten ließen sie es sich nicht nehmen, ihre Gastgeber und Konzertbesucher mit eigenen Arrangements bekannter Werke und brandneuen Kompositionen zur Uraufführung beim Sommerkonzert von Blau-Weiß zu überraschen, geradezu maßgeschneidert für das Event, so dass eine herrliche musikalische Vielfalt von Barock bis Moderne, von Klassik bis Weltmusik zustande kam, spannend, neu und immer wieder traumhaft überlagert von russischen Akzenten, die dem ganzen Konzert einen speziellen Glanz verliehen.

Klassisches zu Beginn

Zur Eröffnung erklang strahlend kraftvoll die „Arlésienne-Suite Nr. 2“ von Georges Bizet, fein akzentuiert dargeboten vom 1. Orchester Blau-Weiß unter der Leitung von Eduard Ungefucht mit Mihai Farkas am Schlagzeug. Das Publikum reagierte mit tosendem Beifall. Es folgte die Erstaufführung des „Mandolinenkonzerts D-Dur RV 93“ von Antonio Vivaldi (1678-1741) im Arrangement von Tatyana Gracheva, die ihr Solo brillant zelebrierte, fein begleitet vom Akkordeonorchester. Ungewohnt, aber überzeugend von der Domra „gesungen“ schlich sich anschließend die „Milonga del Angel“ von Astor Piazzolla (1921-1992) schwermütig und süß in die Herzen der Zuhörer. Dem Dirigenten gelang es perfekt, Grachevas eigens für Blau-Weiß komponiertes Arrangement aus sensiblem Orchesterklangteppich und zart schmelzendem Solo des Zupfinstruments einfühlsam mit seinen Musikern zu realisieren.

Russische Seele - nicht ohne Humor

Nach der Pause gehörte die Bühne dem russischen Duo. Das fröhliche Entrée mit Luigi Boccherinis (1743-1805) zierlichem „Menuett“, in der Besetzung mit Mandoline und Bajan ein wahres Kabinettstückchen, leicht hingeworfen mit unglaublicher Fertigkeit, bildete den Auftakt zu einer bunten Abfolge unterschiedlichster Stücke, die, obgleich verschiedener Provenienz, immer wieder die russische Seele durchschimmern ließ. So erklang mit Mandoline und Bajan die eigentlich bekannte „Melodie aus Orpheus“ von C.W. Gluck (1714-1787) faszinierend neu. Piazzollas „Ave Maria“ erschien in unwahrscheinlich schöner, osteuropäischer Gewandung. Mitten in die anschließende Reihe der expressiven, hoch virtuosen russischen Werke „Verzeih mir mein Kapriz“ von T. Gracheva, „Polka“ von Alfred Schnittke (1934-1998), „Svetit Mesyats“ von Vasily Andreev (1861-1918) und „Mardjanda“ von Alexander Zigankov (*1948) hatten die Grachevs verschmitzt einen Überraschungseffekt in ihr Programm eingebaut: Deutsche Volkstänze in Bearbeitung von Iwan Subbotin (*1980). Die Suite war extra als Honneur fürs deutsche Publikum komponiert worden und erzeugte mächtig Stimmung. Beim Bayrischen Watschentanz klatschte sich gar mancher Besucher heimlich auf die Schenkel.

Feuriges Finale


Dem Ausflug in die deutsche Folklore folgte schließlich als feuriger Abschluss des Konzerts die „Slowakische Polka“ für Mandoline, Bajan und Akkordeonorchester von Alexander Rogdestwin (*1953), zur Uraufführung in Bensheim arrangiert von T. Gracheva und V. Grachev. Die äußerst temperamentvolle Darbietung wurde mit Riesenapplaus bedacht. In Anbetracht der tropischen Temperaturen im Saal gab es nur eine Zugabe.

Info: www.akkordeon-bensheim.de; Tel.: 06251/52300 oder +49 172 950 22 73
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