Biebesheim am Rhein und der Wein - Geschichte des Weinanbaus in Biebesheim am Rhein

Weinflaschen und Transportstrohhülse aus dem Fundus des Heimatmuseums
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  • hochgeladen von Norbert Hefermehl

Die Geschichte des Weinbaues lässt sich vermutlich über fast 8000 Jahre zurückverfolgen. Der Wein spielte seit dem Altertum als agrikulturelles Erzeugnis eine bedeutende Rolle, sowohl in der Wirtschaft als auch im sozialen und rituellen Leben.

In der Gemarkung von Biebesheim am Rhein ist der Weinanbau bisher erstmals 815 in einer Schenkungsurkunde zu Lochheim dokumentiert. Lochheim ist die heutige Gemarkungsbezeichnung Flochheim in der Biebesheimer Gemarkung.

Hrandulf und Theodrada, eine Tochter Karls des Großen, schenken der Abtei Hersfeld ad santum Uuicbertum et ad sanctum Symonem unfangreiche Besitztümer in Mainz sowie im Worms- und Oberrheingau, darunter auch der Ort, der Lochheim genannt wird. Ein Gut mit allen Gebäuden und einem anliegenden Weinberg derselben Flur, die an der einen Seite vom Besitz des Adalwar, an der anderen Seite von dem des Adadolf, an der dritten Seite von dem des Willo und an der vierten Seite von der via Publica begrenzt wird, und was auch immer an diesem Ort oder auf dieser Gemarkung in ihrem Eigentum war. In der Schenkungsurkunde wird Lochheim sowohl als villa, als auch als marca bezeichnet.

Vor der Flurbereinigung verlief rechtwinklig zu der Römerstraße ein Verbindungsweg nach Westen, der Mönchsweg, der genau auf den Kirchhügel von Lochheim zulief. Ein weiterer sehr alter Weg, die Wingertsgaß, führte durch die ehemaligen Weingärten und lässt sich auf die westliche Begrenzung des Gutes von Hrandulf und Theodrada mit dem (aus römischer oder merowingischer Zeit stammend?) Weinberg zurückführen. Damit ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu vermuten, dass auf der Gemarkung Lochheim die erhaltene Flur einer römischen villa rustica samt einem Weinberg im Besitz der urkundlich festgehaltenen Schenker Hrandulf und Theodrada gewesen war. Die Landgüter lagen meist nicht unmittelbar an der Römerstraße, sondern waren durch rechtwinklig abzweigende Stichstraßen mit ihr verbunden.

Es kann daher davon ausgegangen werden, dass der Weinanbau bereits in römischer Zeit in Biebesheim am Rhein erfolgte.

Dies kann man auch daraus schließen, dass der Biebesheimer Landwirt Theo Nau 1992 in der Gemarkung „In den Weingärten“ einen großen konisch gehauenen Stein aus seinem Acker ausgrub, der beim Pflügen, nachdem man in der Landwirtschaft größere Traktoren einsetzte und damit tiefer pflügen konnte, ein alljährliches Hindernis darstellte. Bei diesem Stein, der leider verloren ging, handelte es sich mit ziemlicher Sicherheit um den Pressstein einer römischen Weinpresse.

In dem Güterverzeichnis der Grafen von Katzenelnbogen (1375-1480) werden für Biebesheim „Im Feld zu Lochheim“ 4 ½ Morgen Wingerte nachgewiesen.

Man ging bisher davon aus, dass der Weinanbau durch den Dreißigjährigen Krieg weitestgehend vernichtet wurde. Neuere Erkenntnisse widerlegen dies.

Anhand einer Karte von Peter Fehr aus dem Jahr 1738 kann man sehen, dass der westliche Gemarkungsteil überwiegend noch Wiesen und Weideland ist, das der Viehzucht dient. Auf diesem „Plan der strittigen Rheinauen“ ist aber auch die römische Flur und ein Weinberg noch verzeichnet.

Auf dem Plan de l´attaque à Stockstatt von 1744 ist der Weinberg in der Biebesheimer Gemarkung ebenfalls noch eingezeichnet.

Somit wurde in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts im hessischen Ried der Weinbau aufgegeben. Der bis dahin auch in Biebesheim eine wirtschaftliche Rolle spielte.

Aber es gab auch in unserer Zeit noch ein kleines Weinanbaugebiet mit 250 Weisburgunder Rebstöcken, die der Biebesheimer Fabrikant Karl Böttiger angelegt hatte und aus deren Ertrag, bis 1997, jährlich 150 bis 200 Liter „Biebesheimer Großes Ramsloch“, durch Georg Friedrich (Fritz) Groebe und seinen Sohn Karl Friedrich (Fritz) Groebe, als Fachleute, hergestellt wurden.

In der Ausstellung werden diese geschichtlichen Daten dokumentiert und mit Exponaten aus den Beständen des Museums und Leihgaben des Weingutes K.F. Groebe, das um 1625 gegründet wurde, das seinen Sitz in Biebesheim am Rhein hat, dessen Anbaugebiet aber ca. 20 km entfernt im linksrheinischen Westhofen liegt, die Weinherstellung gezeigt. Das Weingut K.F. Groebe wird im Jahr 2013, im 250. Jahr des Bestehens, wieder komplett nach Westhofen zurück kehren.

Die nächsten Weinbaugebiete sind heute im Umkreis von 15 bis 40 km zu finden. Rechtsrheinisch die Hessische Bergstraße mit Bensheim, Heppenheim, Groß-Umstadt. Linksrheinisch Rheinhessen mit vielen kleinen Weinorten wie Oppenheim, Guntersblum oder Osthofen und Westhofen.

Weinbau in Hessen wird heute fast ausschließlich an Standorten betrieben, die durch keine andere landwirtschaftliche Kultur genutzt werden können. Hang-, Steil- und Terrassenlagen prägen die Landschaft seit Jahrhunderten und stellen besondere Anforderungen an die Bewirtschaftung.
Wein (entlehnt über provinzlateinisch vino aus lat. vinum) ist ein alkoholisches Getränk, das aus dem vergorenen Saft von Weinbeeren hergestellt wird. So die kurze Charakterisierung des Weins.

Die Ausstellung wird am Internationalen Museumstag, dem 20.05.2012 um 11.00 Uhr eröffnet und ist bis einschließlich 04. 11.2012, während der Öffnungszeiten des Heimatmuseums Biebesheim, Rheinstraße 44, 64584 Biebesheim am Rhein, sonntags von 10.00 bis 12.00 Uhr zu sehen. Sonderöffnungen für Gruppenbesuche können unter der Telefonnummer 06258-81599 vereinbart werden.

Weinflaschen und Transportstrohhülse aus dem Fundus des Heimatmuseums
Weinprobe beim Stammtisch der Gaststätte Reibold. Der Oppenheimer Jahrgang 1911
Autor:

Norbert Hefermehl aus Biebesheim

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