Karl der Große, Theodrada und Biebesheim am Rhein

Karl der Große
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Karl der Große war in unserer Region um 800 kein Unbekannter. Wohnte er doch am 1. September 774 mit großem Gefolge auf dem Weg von Italien nach Fritzlar in Lorsch der Weihe der Nazariusbasilika bei. Dies unterstreicht den früh erreichten Rang des Klosters Lorsch. Er bedachte dieses 764 gegründete Kloster mit 8 Güterschenkungen und es soll auch über den Gelehrten und Karl-Biografen Einhard eine Verbindung gegeben haben.
Viel Museen bieten im Jubiläumsjahr Ausstellungen an in denen die Wirkungsgeschichte dieses „ersten Europäers“ dokumentiert werden wird.
Aber was bringt Biebesheim am Rhein damit in Verbindung? Theodrada (*vermutlich 785, + Januar 844/853). Sie wurde als ältere der beiden Töchter von Karls vierter Frau Fastrada und als zwölftes Kind des Frankenkönigs geboren.
Kurz nach dem Tode Karls des Großen erfolgte eine Schenkung allerdings nicht an das nahe Lorsch. Sondern auffallender Weise an das 150 km entfernte Kloster Hersfeld. Am 16. Juni 815 schenkten Hrandulf und Theodrara der Abtei Hersfeld ad sanctum Uuicbertum et ad sanctum Symonem unfangreiche Besitztümer in Mainz sowie Worms- und Oberrheingau. Nach dem Handzeichen Hrandulfi coniuge suae Theodrada folgen die Handzeichen des Grafen Guntram und von 33 weiteren Zeugen.
Die sehr sorgfältig von dem Priester Theodricus verfasset Urkunde ist im Original erhalten geblieben und außerdem im Kopialbuch des Klosters Hersfeld überliefert.
Die Schenkung, deren Nutznießung sich Hrandulf und Theodrada bis zu seinem Tode vorbehalten hatten, umfasste im Einzelnen drei in der Stadt Mainz liegende Höfe und fünf im Wormsgau und im Oberen Rheingau liegende Landgüter. Liest man die Aufzählung in der Schenkungsurkunde, so fallen drei Dinge auf:
1. Alle fünf Landgüter lagen mit einer Seite an der via publica oder der strata publica, sodass man sich fragen muss, ob hiermit die alten Römerstraße gemeint sind, da an allen fünf Orten eine Römerstraße verlief.
2. Weiterhin auffallend, dass der Hof in villa quaew vocatur Uuienheim (heute Weinheim bei Alzey) an den Grundbesitz des Kaisers grenzte (ex uno latere habet domnus imperator).
3. Eines dieser fünf Landgüter ist namentlich im Nibelungenlied in Strophe 1137,3 genannt, wo Hagen den Nibelungenschatz dâ ze Lôche allen in den Rîn versenkt habe.
In der Schenkung an Hersfeld ist zu lesen: Und wir schenken im Oberen Rheingau an einem Ort, der Lochheim genannt wird, ein Gut mit allen Gebäuden und einem anliegenden Weinberg derselben Flur, die an der einen Seite vom Besitz des Adalwar, an der anderen Seite von dem Adadolf, an der dritten Seite von dem des Willo und an der vierten Seite von der via publica begrenzt wird, und was immer wir an diesem Ort oder auf dieser Gemarkung an Eigentum besitzen. In der Schenkungsurkunde wird Lochheim sowohl als villa, als auch als marca bezeichnet.
Lochheim wird erstmals 770/771 im Codex laureshamensis (Lorscher Codex) bei einer Schenkung des Bernhar an Lorsch erwähnt und taucht letztmals 1209 bei einem Gütertausch bei Lochheim zwischen Bürgern von Biebesheim und dem Zisterzienserkloster Eberbach auf. Aufgrund der Tatsache dass alle Teilnehmer dieses Gütertausches aus Biebesheim stammten, scheint Lochheim bereits 1209 untergegangen zu sein. Vermutlich im Rahmen des „Bauernlegens“ der Zisterzienser. Der Name blieb allerdings als Flurname erhalten und zwar als „Flochheim“. Entstanden vermutlich durch das ackern auf diesem Gebiet, in dem man uf Lochum arbeitete. Durch die in der Mundart übliche Verflachung entstand dann der heute noch erhaltene Flurname.
Karl der Große befand sich selbst mehrfach in unmittelbarer Nähe Lochheims, zweimal in Mainz , viermal in Lorsch, 16 Mal in Worms und im Jahr 794 in Frankfurt am Main.
Vor der Flurbereinigung verlief rechtwinklig zu der Römerstraße ein Verbindungsweg nach Westen, der Mönchsweg, der genau auf den Kirchhügel von Lochheim zulief. Ein weiterer sehr alter Weg, die Wingertsgaß, führte durch die ehemaligen Weingärten und lässt sich auf die westliche Begrenzung des Gutes von Hrandulf und Theodrada mit dem (aus römischer oder merowingischer Zeit stammenden?) Weinberg zurückführen. Damit ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu vermuten, dass auf der Gemarkung Lochheim die erhaltene Flur einer römischen villa rustica samt einem Weinberg im Besitz der urkundlich festgehaltenen Schenker Hrandulf und Theodrada gewesen war.
Wer waren nun Hrandulf und Theodrada? Aufgrund der prachtvoll geschriebenen Urkunde, der großen Anzahl von 34 Zeugen, des auffallend großen Umfangs und der Überregionalität der Schenkung und einer reichhaltig bemessenen Versorgung Theodradas im Falle des Todes ihres Mannes, gehörten diese beiden Menschen mit Sicherheit der hochadligen Gesellschaftsschicht an.
Über die Herkunft und das Leben Hrandulfs ist leider nichts bekannt. Dagegen stellt sich die Frage ob Theodrada zur königlichen Familie gehörte. Sie besaß römische Fluren, also wohl fränkisches Fiskalgut, und war in Weinheim unmittelbare Nachbarin Kaiser Ludwig des Frommen. Für sich allein genommen wäre dies vielleicht nicht Beweis genug. Fragt man sich aber nach dem Motiv der Schenkung tritt etwas deutlich in den Vordergrund. Hersfeld war zum Zeitpunkt der Schenkung Königskloster, also Eigentum des damalig herrschenden Kaisers.
Aus weiteren Urkunden geht hervor, dass Theodrada Äbtissin von Argenteuil und Münsterschwarzach gewesen ist.

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