Technische Entwicklung in Büro und Amt

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Neue Sonderausstellung
Technische Entwicklung in Büro und Amt
Geschichtliche Entwicklung
Schreib-/Rechen-/ Buchungsmaschinen

25. November 2011 – 06. Mai 2012
im Heimatmuseum Biebesheim

Seit jeher ist das Büro der Ort, an dem Menschen Informationen sammeln, verarbeiten, archivieren, von anderen erhalten und weitergeben. Bis heute sind die Kulturtechniken Rechnen und Schreiben dazu notwendig. Erst in jüngster Zeit sind auch PC-Kenntnisse für den Sachbearbeiter unerlässlich geworden.

In der Ausstellung zeigen wir von der Renaissance bis heute den Mikrokosmos des Arbeitsalltags, in dem sich gleichermaßen technische, soziale, wirtschaftliche und ästhetische Entwicklungen spiegeln. So zeugten die "Preußischen Amtstuben" von einer Akkuratesse und Sparsamkeit in der Verwaltung, die als vorbildlich galt. Mit dem Einzug der Schreibmaschine ins sogenannte "American Office" um 1900 stand nicht nur ein neues effektives Arbeitsgerät zur Verfügung, sondern es entstand auch ein neues Berufsbild. Frauen ersetzten im "Schreibsaal der 20er Jahre" zunehmend die Schreiber und Kopisten von ehedem.

Der Alltag der Büroarbeit war und ist durch den Umgang mit Papier bestimmt. Schreibmaschinen, Formulare, Ordner, Kopiergeräte aller Art sind die Hilfsmittel der Informationsverarbeitung auf papierener Grundlage. Ginge es nach den Visionären der EDV-Branche, wäre heute - im Zeitalter des PCs - das Papier als Betriebsmittel des Büros schon lange verschwunden. Trotz zahlreicher Computer am Arbeitsplatz und Einführung der "electronic mail" schnellte der Papierverbrauch auch weiterhin in die Höhe. Die Verwirklichung der Utopie vom papierlosen Büro liegt noch immer vor uns

Die Entwicklung des modernen Büros nahm ihren Ausgang in der Renaissancezeit. Seit dem Ende des Mittelalters hatte sich ein stetig wachsender Fernhandel entwickelt, und von Italien ausgehend kamen neue Formen der Buchhaltung und Finanzierung auf. Zwar muten die Geschäfte eines Renaissancekaufmanns in vielem erstaunlich modern an. Spezifische Hilfsmittel gab es aber kaum: Gänsekiel, Tintenfass, Schreibpult und Münzwaage waren die wichtigsten Utensilien.

Das 19. Jahrhundert war nicht nur eine Epoche der Industrialisierung und Massenfabrikation, sondern auch eine Ära stetig anwachsender Verwaltungsarbeit. Steigendes Steueraufkommen, umfangreiche Planungs- und Überwachungsaufgaben und das Sozialversicherungswesen ließen besonders in Preußen einen bürokratischen Apparat entstehen, der zum Vorbild für andere Staaten, aber auch für Großunternehmen der freien Wirtschaft wurde.

Leitbild für die bürokratische Arbeit war das Militär mit seiner straffen Hierarchie und seiner Treue gegenüber Herrscher und Staat. Korrektheit, Disziplin und bürokratische Zweckmäßigkeit prägten den Arbeitsalltag: Sauberes Schreiben mit Stahlfeder, Federhalter und Tintenfass war unerlässliche Voraussetzung für Amtstätigkeiten. Geschrieben wurde an Stehpulten; Schreibtisch und Lehnstuhl waren meist höheren Vorgesetzten vorbehalten. Stempel, Vordrucke und das Vervielfältigen von Schriftstücken mit der Kopierpresse erleichterten die zunehmende Gleichartigkeit und Wiederholbarkeit der Verwaltungsvorgänge.

Bis spät in das 19. Jahrhundert beherrschten Schreiber und Kopisten das Büro, die ihre Arbeit mit Feder und Tinte am Stehpult verrichteten.

1874 kam in den USA mit der Sholes & Glidden die erste serienmäßig hergestellte Schreibmaschine auf den Markt. Zu ihren ersten Käufern zählten Telegrafisten, Stenographen und einige Schriftsteller, unter ihnen Mark Twain. Zu einem nennenswerten Einsatz im Büro gelangte die Schreibmaschine erst in den 1880er Jahren, einer Zeit, die durch ein starkes Wachstum der als Kapitalgesellschaften geführten Unternehmen gekennzeichnet war.

Der deutsch-amerikanische Ingenieur Hermann Hollerith erhielt 1889 das erste Patent für das von ihm entwickelte Lochkarten-Datenverarbeitungsgerät, die sogenannte Hollerith-Maschine.

Mechanisierung und Rationalisierung sind in den 1920er Jahren nicht nur Begriffe aus der industriellen Produktion, sie kennzeichnen auch die Veränderung der Büroarbeit.

Zwischen 1907 und 1925 hatte sich im Deutschen Reich die Zahl der Angestellten knapp verdoppelt, der Anteil der Frauen unter ihnen sogar verfünffacht.

Bürokratie ermöglicht nicht nur den reibungslosen Ablauf der wirtschaftlichen Produktion und des öffentlichen Lebens. Auch ein totaler Vernichtungskrieg, wie ihn der Zweite Weltkrieg darstellt, benötigt ein hohes Maß an bürokratischer Organisation und Verwaltungsarbeit.

In den 1950er Jahren war die Kultur und Ausstattung von Büros vielfach noch von der Vorkriegszeit bestimmt. Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde in kleineren Betrieben lange mit alten Geräten und Maschinen gearbeitet. Doch bald wurden auch in kleineren Büros verstärkt moderne Büromaschinen eingesetzt. Buchungsmaschinen, Diktiergeräte oder Vervielfältiger ergänzten die schon recht verbreiteten Schreib- und Rechenmaschinen. Neben den typischen Büromaschinen erfuhren auch die kleinen Hilfsmittel der täglichen Büroarbeit immer größere Verbreitung. Hefter, Locher, Anspitzer und dergleichen wurden zu Massenartikeln.

Der zunehmende Einsatz von Büromaschinen veränderte die Arbeitsabläufe und -strukturen in vielfacher Weise. Das Schlagwort der damaligen Zeit - nicht nur im Bürobereich - war "Rationalisierung".

In Kleinbetrieben allerdings schritt die Umstellung nur bedingt voran. Im Handwerk zum Beispiel wurde die Buchhaltung häufig von der Ehefrau des Geschäftsinhabers ohne Buchungsmaschinen betrieben. Die handschriftliche Buchhaltung war hier noch lange (z. T. bis heute) verbreitet.

Vor 70 Jahren, am 12. Mai 1941, stellte Konrad Zuse (1910-1995) in Berlin-Kreuzberg mit der Z3 den ersten frei programmierbaren Digitalrechner mit dualen Gleitkommazahlen vor. Äußerlich hatte die Z3 mit einem Gewicht von einer Tonne und Relaistechnik, die im Fernmeldewesen zum Einsatz kam, kaum etwas mit heutigen Computern gemein. Im Innern aber folgte der weltweit erste Digitalrechner bereits den Prinzipien moderner Geräte: Er war frei programmierbar und rechnete auf Basis des Binärsystems.

Die Anlage bestand aus zwei Speicherschränken mit je 768 Bits Kapazität, einem Schrank für das Gleitkommarechenwerk und der Konsole. 2.500 Relais sorgen für die Funktionalität und versetzen die Z3 in die Lage, zu addieren, zu subtrahieren, zu multiplizieren, zu dividieren und Quadratwurzeln zu ziehen.

Der Rechner konnte 64 Worte zu je 22 Bit speichern, seine Taktfrequenz betrug fünf Hertz, eine Multiplikation dauerte drei Sekunden. Über diese, zum damaligen Zeitpunkt bahnbrechende Rechenleistung freute sich allen voran der Erfinder der Z3: Nach eigenen Angaben hatte Konrad Zuse einen Weg gesucht, ermüdende Berechnungen zu umgehen, die er in seinem Beruf als Bauingenieur durchführen musste.

2011 wird der erste Computer 30 Jahre alt. Der erste wurde von IGM hergestellt und hatte noch keine Festplatte. Speicherungen erfolgten ausschließlich auf Disketten.

Wer vor den 90er Jahren in die Schule ging, kann sich noch an den Geruch erinnern. Als Fotokopierer noch zu teuer waren, wurden Arbeitsblätter und Fragebogen auf Hektographen vervielfältigt. Man musste die auf Spezialpapier mit Schreibmaschine erstellte Vorlage einspannen und dann die Kurbel drehen, damit das Gerät Blatt für Blatt Kopien mit blässlich blauer Schrift ausspuckte. Da die notwendige Spezialtinte Alkohol enthielt, rochen die Blätter nach Brennspiritus.
In den 79er Jahren standen die rebellischen Schüler und Studenten abends am Hektographen, um revolutionäre Flugblätter zu drucken, die sie am anderen Morgen vor den Toren ihrer Bildungseinrichtungen verteilten.
Im Dritten Reich, der DDR und anderen Diktaturen war der Hektograph die wichtigste Waffe des Widerstands.

Das wohlige Klappern der „Erika“, „Triumph“ und „Olivetti“ hat die Leistung aller Kreativen erhöht und im Großraumbüro mit ihrer akustischen Vorherrschaft das unnütze Schwatzen verhindert. Mit ihr konnte man allenfalls zwei Durchschläge schaffen, was Millionen von Bäumen das Leben gerettet hat. Denn die Kombination von Computer und Drucker hat den Papierverbrauch exponentiell erhöht.
Nostalgiker und Vorsichtige lagern ihre Schreibmaschine oft noch auf dem Dachboden. Die Nostalgiker, weil sie etwas vollkommen Funktionstüchtiges nicht wegwerfen wollen, die Vorsichtigen, weil ja irgendwann mal ein großer Blackout drohen könnte. Ohne Strom, Computer und Internet hätte die gute alte Schreibmaschine noch einmal einen großen Auftritt. Als besonders schick galten die kleinen und leichten „Reiseschreibmaschinen“, die wie ein Laptop in einem kleinen Koffer mitgenommen werden konnten. Diese treuen Begleiterinnen – ein beliebtes Modell aus der DDR hieß bezeichnenderweise „Erika“ – würden auch heute noch klaglos klappernd ihren Dienst tun.

Lediglich die modernen User dürften am Anfang ein wenig Schwierigkeiten haben. Das liegt daran, dass die Reihenfolge des Schreibprozesses eine andere ist. Sie lautete wegen der eingeschränkten Korrekturmöglichkeiten: erst denken, dann schreiben. Beim Computer darf es hingegen auch ungekehrt sein. Es wird erst einmal losgetippt; korrigieren, gliedern und strukturieren kann man ja immer noch später. Die versuchsweise Benutzung einer alten Schreibmaschine ist somit eine Denksportaufgabe, neudeutsch Gehirnjogging. Sie sollte von der Krankenkasse gefördert werden.

In der Ausstellung werden vorrangig Schreib- und Rechenmaschinen von den Anfängen bis zur Jetztzeit gezeigt. Dabei sind auch Buchungsmaschinen und Kassenmaschinen aus den 50ern zu sehen. Buchungsmaschinen, bei denen noch auf 8-Zoll Disketten gespeichert wurde. Dazu natürlich Informationen über die technische Entwicklung in Büro und Amt von ca. 1500 bis heute.

Die Ausstellung wird am Freitag, dem 25. November 2011 um 19.00 Uhr eröffnet und kann während der Öffnungszeiten des Museums, sonntags 10.00-12.00 Uhr, besucht werden. Sonderöffnungen für Gruppen können unter der Telefonnummer des Museums 06258-81599 vereinbart werden.

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