Gedenkkonzert - Kirche trifft Synanoge

Irith Gabriely und Hans-Joachin Dumeier (Foto: Foto: Dumeier)
Breuberg: Ev. Kirche Neustadt |

Über einen langen Zeitraum, von mehreren Jahrhunderten, existierte eine kleine jüdische Kultusgemeinde in Breuberg-Neustadt.


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es um den Breuberg zahlreiche Feierlichkeiten, an denen die Trachtengruppe des Odenwald Klubs teilnahm. Zu diesem Klub gehörten auch Jüdinnen, die Mitglieder waren und am öffentlichen Leben teilnahmen, wovon alte Aufnahmen zeugen.

Jährliches Gedenken an Stolpersteinen

Am 18. März jährt sich ein Gedenktag, der seit 2009 an den verlegten Stolpersteinen sowie der Gedenktafel in Neustadt begangen wird:
Am Mittwoch, den 18. März 1942 wurden acht noch in Neustadt wohnende Bürger jüdischen Glaubens am Morgen auf einen Wagen geladen und zunächst nach Höchst gebracht. An diesem Morgen sah per Zufall ein kleiner Junge auf seinem Weg zur Schule diesen Abtransport, ohne zu wissen, worum es dabei ging. Er erinnert sich: "Damals war ich als achtjähriger Junge von unserem Haus in der Nähe der evangelischen Kirche auf dem Weg zu unserer Schule, die sich im ehemaligen Rentamt befand, unterwegs. Ich besuchte die zweite Volksschulklasse. Es muss um acht Uhr früh gewesen sein. Es was ein für März angenehmer milder Morgen. Am Konsum, einem kleinen Geschäft, stand ein Lastwagen mit offener Pritsche und großen Vollgummireifen. Auf dem Lastwagen saßen Leute und einige stiegen dazu. Dieses Ereignis blieb mir in Erinnerung, weil man eigentlich nur mit dem Postauto verreisen konnte."
Nach heutigen Recherchen ist bekannt, dass ihr Transport weiter nach Darmstadt ging, bevor die jüdischen Mitbürger am 20. März mit einem Transport gen Osten nach Piaski im Generalgouvernement transportiert wurden. Nach Auflösung des Ghettos Piaski wurden im Januar 1943 die Insassen entweder vor Ort ermordet oder in die Vernichtungslager nach Belzec und Sobibor gebracht.

Konzert in ev. Kirche Neustadt

In diesem Jahr fällt der lokale Gedenktag auf einen Sonntag, an dem nachmittags in der ev. Kirche zu Neustadt ein Konzert im Gedenken an dieses Ereignis stattfindet unter dem Titel Kirche trifft Synagoge.
Irith Gabriely, an der Klarinette und Hans-Joachim Dumeier an der Kirchenorgel bieten dazu eine interreligiöse Begegnung auf höchstem musikalischen Niveau. Sie geben einen Einblick in einen Musikstil, der alle Lebenslagen vertont. Von schwermütiger Melancholie und Trauer bis hin zu euphorischer Freude ist alles hörbar, was Menschen bewegt.
Irith Gabriely, auch „Queen of Klezmer“ genannt, entwickelte mit dem Organisten Hans-Joachim Dumeier Programme für Klarinette und Orgel, die einen Bogen von der Klassischen Musik, zu jüdischen Komponisten und Klezmermusik spannen und somit einen musikalischen-christlich-jüdischen Dialog führen.
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