Licht und Schatten der Globalisierung - Spargelanbau in Peru

Peruanischer Spargel wird zu fast 100 Prozent Amerika und Europa exportiert.
  • Peruanischer Spargel wird zu fast 100 Prozent Amerika und Europa exportiert.
  • Foto: Jürgen Wald/piqs.de
  • hochgeladen von Markus Schenk

In Deutschland geht in diesen Tagen die Spargelsaison zu Ende. Aber was macht man, wenn man auch in den nächsten Monaten nicht auf das „königliche“ Gemüse verzichten möchte? Viele greifen dann auf importierten Spargel zurück, dieser kommt oft aus Peru. Der Spargelanbau im drittgrößten Land Südamerikas ist eine Erfolgsgeschichte, die aber auch ihre Schattenseite hat.
Wenn man von der Hauptstadt Lima nach Süden fährt, dann kommt man nach ca. fünf Stunden nach Ica. Die Gegend ist, obwohl an der Pazifikküste gelegen, eine der trockensten Regionen des Landes. Der Humboldtstrom, eine kalte Meeresströmung, die von der Antarktis nach Norden zieht, sorgt dafür, dass sich die Luft stark abkühlt und es dadurch dort so gut wie nie regnet. Dennoch wird im Ica Tal Landwirtschaft betrieben, dort wird z.B. Wein angebaut und auch das peruanische Nationalgetränk Pisco, ein Traubenschnaps, kommt aus dieser Gegend. Es wird dort aber auch ein Gemüse angebaut, welches in der peruanischen Küche kaum Beachtung findet und so gut wie nie verwendet wird: Spargel. Fast zu 100% geht der in Ica angebaute Spargel in den Export nach Amerika, besonders aber nach Europa. Dies sorgt für Vollbeschäftigung in der Region. Auch nördlich von Lima in Trujillo gibt es große Spargelfelder, die Zehntausenden von Peruanern ein gesichertes Einkommen garantieren. Peru ist das Land mit der schnellsten Anbausteigerung bei Spargel - im letzten Jahrzehnt hat sich die Fläche dort fast verdreifacht. Große Konzerne beherrschen den Markt. Durch den sandige Boden sowie das herrschende Klima sind auf vielen Anbauflächen zwei bis drei Ernten im Jahr möglich, wenn genügend gewässert wird. Die Produktivität liegt bei zwölf Tonnen pro Hektar - rund dreimal so viel wie in Deutschland.
Das katholische Hilfswerk ADVENIAT berichtete bereits im Jahr 2010 über die Studie „Drop by drop“ der britischen Entwicklungsorganisation „Progressio“. Darin wird die Problematik des Spargelanbaus in der peruanischen Wüste deutlich. Aus ökologischer Sicht fügt er der Natur schweren Schaden zu, denn er verbraucht ein Vielfaches an Wasser als der Anbau von Trauben, Tomaten oder Baumwolle. Nach und nach versiegen die natürlichen Quellen in diesem Gebiet. Von Januar bis Mai führt der Ica – Fluss zwar Regen- und Schmelzwasser aus den Anden an die Küste, dieses aber reicht nicht aus. Daher haben viele „Spargelproduzenten“ inzwischen illegale Brunnen errichtet, von denen bereits einige über 150m tief sind. „Wir exportieren nicht nur Spargel sondern auch virtuelles Wasser“, sagt Julio Aguije von der Vereinigung der Wassernutzer des Achirana-Kanals. Auch das der Spargel nach der Ernte um die halbe Welt geflogen wird, verbessert die Öko-Bilanz nicht.
Es ist das immer gleiche Problem. Arbeitsplätze und verbesserte Lebensbedingungen auf der einen Seite – nicht wieder gut zu machende Schäden und Raubbau an der Natur auf der anderen Seite. Nur im peruanischen Bergbau wird noch rücksichtsloser mit der Natur umgegangen. Dies ist aber eine eigene, andere Geschichte. Umgerechnet ca. 150 Euro verdienen die Erntehelfer im Monat – viel Geld in einem Land, in dem ca. 40% bis 50% der Menschen als arm gelten.
Vielleicht sollten wir Verbraucher wieder mehr „saisonal“ denken und uns lieber auf den Spargel aus heimischem Anbau freuen und diesen genießen wenn er wieder zu haben ist, auch wenn es bis dahin wieder ein paar Monate dauert. Oder, wenn es denn peruanischer Spargel sein muss, dann wäre es eventuell sinnvoll eine Zertifizierung zu fordern: nicht nur für gerechte Arbeitsbedingungen und fairen Lohn sondern auch für eine nachhaltige Wasserbilanz. Oder man greift auf die alten traditionellen peruanischen Produkte zurück, wie z.B. Trauben oder hunderte von Kartoffelsorten und unterstützt damit die peruanischen Produzenten.

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