Büttelborner unterwegs in Argentinien - Diakon Hermann Schweikart feiert seinen 70.Geburtstag

Von links nach rechts: Karl Elsesser (Büttelborn), Bischof Juan Carlos (Peru), Markus Schenk (Büttelborn), Doris und Hermann Schweikart (Argentinien)
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  • Von links nach rechts: Karl Elsesser (Büttelborn), Bischof Juan Carlos (Peru), Markus Schenk (Büttelborn), Doris und Hermann Schweikart (Argentinien)
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Am 11. Juli 2011 feierte Diakon Hermann Schweikart seinen 70.Geburtstag. Der katholische ständige Diakon lebt mit seiner Frau Doris in Oberá, der zweitgrößten Stadt in der subtropischen Provinz Misiones, im Nordosten von Argentinien. Bereits Anfang des Jahres hatte der Diakon die Verantwortlichen der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus von der Flüe zu seinem Geburtstag eingeladen. Schließlich unterstützt die Pfarrei die Hilfsprojekte von Hermann Schweikart schon seit über 20 Jahren. So machten sich Anfang Juli Karl Elsesser (Freundeskreis für Lateinamerika) und der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Markus Schenk auf den Weg nach Argentinien um an der Feier ihres Freundes Hermann Schweikart teilzunehmen.

Diakon Hermann Schweikart wurde am 11. Juli 1941 geboren. Er arbeitete viele Jahre in der Frankfurter Flughafenklinik und war dadurch oft weltweit im Einsatz. Im Jahre 1976 wurde er durch den damaligen Mainzer Bischof Kardinal Hermann Volk zu ständigen Diakon geweiht. Seine erste Station nach der Weihe war im südhessischen Bürstadt. Danach arbeitete er in Zaire (heute Demokratische Republik Kongo). Hauptaufgabe war der Wiederaufbau eines Krankenhauses. Nach seiner Rückkehr aus Afrika war er in Mörlenbach/Weiher im Odenwald tätig. In den 80er Jahren arbeitete er als Leiter eines Gesundheitsprojektes zusammen mit seiner Frau Doris in der peruanischen Stadt Puquio. Damals besuchte er erstmals die Büttelborner Pfarrei und berichtete über seine Arbeit in Peru. Nach dreieinhalb Jahren (1988) mussten er und seine Frau das Land aufgrund der Bedrohung durch die Terrororganisation „Leuchtender Pfad“ („Sendero Luminoso“) verlassen. Damals fanden Doris und Hermann Schweikart zunächst „Asyl“ in Büttelborn. Der damalige Büttelborner Pfarrer Franz-Josef Berbner kannte den Diakon aus gemeinsamen Studienzeiten. Im Jahr 1989 betraute Mainzer Bischof Karl Lehmann, Diakon Hermann Schweikart mit einer neuen vorläufigen Aufgabe in Argentinien. Aus diesem kurzfristig geplanten Aufenthalt sind nun 22 Jahre geworden. Seit August 2006 ist Hermann Schweikart offiziell im Ruhestand, lebt aber weiter in Argentinien und kümmert sich um seine sozialen Hilfsprojekte in Oberá.

Der Geburtstag am 11. Juli begann mit einem Gottesdienst in der Kapelle des Centro Pastoral in Oberá. Das Centro Pastoral ist ein pastorales Schulungszentrum für Diakone, Gemeindehelfer und Lektoren, es wurde viele Jahre von Hermann Schweikart geleitet. Hauptzelebrant des Gottesdienstes war Bischof Juan Carlos Vera Plasencia aus Caravelí in Peru. Er ist guter Freund von Doris und Hermann Schweikart. Der Bischof ist vielen Mitgliedern der Büttelborner Pfarrgemeinde bekannt, da er bereits 2009 und 2010 hier zu Gast war. Auch seine Projekte werden seit einigen Jahren unterstützt. Außerdem nahmen am Gottesdienst der Bischof von Oberá, Damian Santiago Bitar, zahlreiche Priester und Diakone der Diözese Oberá sowie Freunde aus Argentinien, Peru, Uruguay und Deutschland teil. Dies dokumentiert die hohe Wertschätzung und Verbundenheit auch über eine große räumliche Distanz. Fortgesetzt wurde die Feier im Schweizer Haus im Park der Nationen von Oberá. Als Geburtstagsgeschenk überbrachte die Büttelborner Delegation die Information, dass die Pfarrgemeinde wieder 1.200 Euro für die Hilfsprojekte von Diakon Schweikart zur Verfügung stellt. Das Geld stammt aus verschiedenen Veranstaltungen der Pfarrgemeinde und Einzelspenden von Gemeindemitgliedern.

Außer der Teilnahme an der Geburtstagsfeier standen für Karl Elsesser und Markus Schenk besonders die Begegnungen und Gespräche mit Freunden, Bekannten und Missionaren in Oberá und Umgebung im Mittelpunkt der Reise. Dabei ging es auch darum, sich ein Bild über den aktuellen Stand der Hilfsprojekte zu verschaffen. Dies sind zum Beispiel:

Die Schüler- und Studentenhilfe
Da die Lehrer an den staatlichen Schulen oft schlecht ausgebildet sind, haben selbst intelligente Kinder kaum eine Chance auf die notwendige Bildung. Darum gibt es eine große Anzahl von Privatschulen, doch oft verhindert fehlendes Schul- oder Fahrgeld, dass Kinder aus armen Familien diese Schulen besuchen können. 24 Schüler und Studenten erhalten eine monatliche finanzielle Unterstützung von 160 Peso (ca. 27,50 Euro), denn der sicherste Weg aus der Armut ist der Schulweg.

Die Familienhilfe
24 sehr arme Familien, meistens allein erziehende Mütter, bekommen eine monatliche finanzielle Unterstützung von 160 Peso (ca. 27,50 Euro). Einige erhalten diese als Gutschein, den sie bei ausgesuchten Geschäften einlösen können. Allerdings erhalten sie keinen Alkohol oder Rauchwaren.

Die Schule für Straßenkinder
Seit einiger Zeit gibt es eine Schule für ca. 100 Straßenkinder. Drei Lehrkräfte arbeiten halbtags, sowohl vormittags als auch nachmittags kostenlos in dieser Schule. Es müssen nur die Kosten für Strom, Wasser, Verpflegung und das Lehrmaterial aufgebracht werden. Allerdings muss eine Schulpsychologin, die mit den Kindern arbeitet und eine Sozialarbeiterin, welche die Familien besucht, bezahlt werden. Momentan entsteht eine Mehrzweckhalle, dort sollen Versammlungen und der Sportunterricht stattfinden.

Finanziell unterstützt wird auch eine Schule für behinderte Kinder in Oberá sowie das Heim für körperlich und geistig behinderte Menschen – Hogar Santa Teresita.
Auch in der Zukunft wird die katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus von der Flüe Büttelborn die Projekte des Diakons unterstützen.

Getroffen haben die Karl Elsesser und Markus Schenk auch den Steyler Missionar Georg Mattusek aus Colonia Aurora, der im vergangenen Jahr in Büttelborn zu Gast war und auch unterstütz wird. Im letzten Jahr half die Büttelborner Pfarrei beim Kauf eines Notstromgenerators für das neu errichtete Krankenhaus von Colonia Aurora, etwa 90km von Oberá entfernt.

So unterschiedlich wie das Land und seine Menschen – so unterschiedlich zeigte sich der argentinische Winter. Während in der ersten Woche des Aufenthaltes die Tagestemperaturen kaum über 12 Grad (nachts 0 Grad) stiegen, herrschten in der zweiten Woche mit ca. 30 Grad (nachts 20 Grad) plötzlich sommerliche Temperaturen.

Noch immer herrscht, trotz insgesamt verbesserter Wirtschaftsdaten, eine große soziale Ungleichheit. Auch der relativ kalte Winter macht vielen Menschen in Misiones zu schaffen, denn fast alle Häuser haben keine Heizung. Viele Arme leben nach wie vor in einfachen, zugigen Holzhäusern, die oft nur aus einem einzigen Raum bestehen und den Begriff Haus eigentlich nicht verdienen. Ohne Strom, ohne Wasser- bzw. Abwasserleitung. Immer wieder sieht man lange Schlangen vor Banken, Geschäften und Tankstellen. Momentan herrscht ein großer Mangel an Benzin. Oftmals muss man mehrere Tankstellen anfahren um überhaupt etwas zu bekommen. Oder man darf nur für maximal 100 Peso (ca.17 Euro) tanken. Möchte man mehr, ist dies meist nur durch „Beziehungen“ möglich. Die steigende Inflation, Streiks und die soziale Ungerechtigkeit sind die Herausforderungen, bei denen die verantwortlichen Politiker oft nur zögerlich oder gar nicht handeln. Es bleibt abzuwarten wie es nach der Präsidentenwahl im Oktober 2011, bei welcher der amtierenden Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner die meisten Chancen eingeräumt werden, weitegeht.

Gespräche über die aktuelle Situation wurden auch mit Bischof Juan Carlos Vera Plasencia aus Caraveli in Peru geführt. Dieser feierte am 25. Juni seinen 50. Geburtstag. Als Geschenk aus Büttelborn wurden im ebenfalls 1.200 Euro aus Veranstaltungen der Pfarrgemeinde und Einzelspenden überwiesen.

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