Gutenbergschule Aktiv
Schuld und Sühne - Blickwinkel einer JVA-Angestellten

Schuld, Sühne und Vergebung sind elementare Aspekte des Christentums. Im Rahmen des katholischen Religionskurses der Klassen 9 und 10 werden auch in diesem Schuljahr etliche Blickwinkel im Unterricht erarbeitet. Aber wie sieht es der Staat in einer Demokratie. Ist das alles gerechtfertigt? Hierzu wird in diesem Schuljahr Religionslehrer Hannes Marb wieder Frau Herbst von der JVA-Eberstadt in den Unterricht einladen. Frau Herbst erklärte schon beim letzten Besuch, dass Sicherheit und Ordnung ist das Wichtigste sind. Das Miteinander ist elementarer Bestandteil der Arbeit und Gesetze und Verwaltungsvorschriften zu kennen, ist in diesem Arbeitsfeld besonders wichtig.
Selten ist ein Beruf mit so viel Vorurteilen besetzt. Dabei hat er vieles zu bieten. Flexibilität ist im Alltag gefragt und nach einer zweijährigen Ausbildung gilt es sich täglich neuen Herausforderungen zu stellen. Abwechslungsreich ist die Teamarbeit und man lernt unterschiedliche Menschen kennen.
Es ist aber nicht nur das einfache Wegschließen, sondern auch die individuelle Hilfen für Gefangene oder der Erstkontakt mit den Häftlingen, der eine eine hohe soziale Kompetenz bei gleichzeitiger Autorität erfordert. Ein Streit unter Häftlingen muss im Dienst auch mal geschlichtet werden. Zurzeit sind ca. 5000 Inhaftierte in Hessen, davon ca. 300 Frauen. Das Leben im Vollzug soll möglichst nah am Leben sein. Anspruch auf 1 Stunde zum Sport oder Hofgang, Freizeit ab 16 Uhr und Einschluss unter der Woche um 19 Uhr, regeln den Tagesablauf. Auch Ausbildungen zum Koch oder Mediengestalter sind Optionen für eine Perspektive nach der Haft. Interessant war auch zu erfahren, dass eine Flucht oder der Versuch, nicht strafbar sind! Im Rahmen der Seelsorge besteht eine Unterstützung von Pfarrern und eines Imans. Auch der Opferausgleich ist mittlerweile ein Standard in den Gefängnissen. Eine unentschuldbare Tat ist nicht zu entschuldigen. Dennoch besteht die Chance eine Empathiefähigkeit beim Täter zu wecken. Was ein wichtiger Faktor mittlerweile ist, ist das Fernsehen. Es trägt dazu bei, dass sich die Konflikte reduzieren.

Autor:

Michael Haghos aus Darmstadt-Eberstadt

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