Ein großer Schritt für die Menschheit
Jubiläum der Mondlandung

Ob als sanftes (manchmal schlafraubendes) Licht in der Nacht, Mittelpunkt von Mythen und Legenden oder als Taktgeber der ersten Kalender sowie als Urheber der Gezeiten – der Mond berührt uns auf unterschiedlichste Arten. Die jahrtausendelange Begeisterung und Faszination für den Mond und die Sterne kann bei denjenigen, die sie empfinden gänzlich unterschiedliche Ausprägungen haben. Für den einen ist die Konstellation der Sterne in unserer Milchstraße die faszinierende Manifestation der Regeln der Gravitation, für den anderen ist es einfach nur der Anblick einer schönen „Landschaft“ am dunklen Nachthimmel.
Kein Wunder, dass es in den 1960er Jahren einen Wettstreit darum gab, welche Nation zuerst auf dem Mond landen würde. Genau vor 50 Jahren, am 21. Juli 1969, um 3:56 Uhr deutscher Zeit, betrat der amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.
Zum 50. Jahrestag der ersten Mondlandung gibt es viele Aktionen. So sollen in New York etwa die Original-Videoaufnahmen versteigert werden. Man erhofft sich von den drei Filmrollen, auf denen insgesamt zwei Stunden und 24 Minuten lang zu sehen ist, wie Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond betreten, bis zu zwei Millionen Dollar (etwa 1,7 Millionen Euro).

Doch wie entstand der Mond?
Stephan Kablitz von der Volkssternwarte Darmstadt erklärt es so: Die aktuell wahrscheinlichste Erklärung für seine Entstehung ist ein Zusammenstoß zweier in Entstehung begriffener unterschiedlich großer Planeten in einer frühen Phase des Sonnensystems. Aus diesem Zusammenstoß ging unsere Erde als „Gewinner“ hervor und zahlreiche die Erde umkreisende Trümmerstücke wurden von der Gravitation dann zum Mond „zusammengebacken“. Abhängig vom Abstand zur Sonne waren solche Trümmerstücke unterschiedlich häufig verteilt. Je weiter die Entfernung von der Sonne, umso günstiger waren die Bedingungen zur Entstehung von Monden. Dazu kommt auch die deutlich größere Masse der äußeren Gasplaneten, was z.B. Jupiter mehr als 70 Monde beschert hat.

Weltraumforschung vor der Haustür – das ESOC Darmstadt
Zum Mond zu reisen ist eine zähe Angelegenheit, da die Erde mit aller (Schwer-)Kraft versucht, eine Flucht ihrer Bewohner zu verhindern. Um der Erde zu entkommen, muss ein Raumschiff auf eine Geschwindigkeit von mehr als 11.2 km/s (das sind gut 40.000 km/h) beschleunigt werden. Nach dem Ende des „Space Race“ in den frühen 70ern schwand die Motivation der einzelnen Staaten zum Mond zu kommen, denn bemannte Mondlandungen sind teuer! Allerdings werden die Kosten meist überschätzt. „Der Vietnamkrieg damals hat im Monat so viel gekostet, wie die Apollo-Mission im ganzen Jahr. Und ich denke doch, dass Apollo für die Menschen sinnvoller war“, erzählt ESA-Mondexperte und Missionsanalyst aus dem ESOC Michael Khan. Menschen zum Mond schicken, ist immer noch sinnvoll. Dennoch ist es bislang eine Frage des Geldes wieder eine bemannte Mission zu starten. In der Zwischenzeit wurde viel mit Robotern geforscht, vor allem im Mond-Hochland, wo Menschen schwieriger landen können. Denn auch auf dem Mond gibt es Berge und Ebenen. Das Hochland ist das, was uns beim Hinsehen hell erscheint, die Täler sind dagegen dunkler.
Im ESOC (European Space Operations Centre) Darmstadt arbeiten knapp 900 Menschen. Es ist das Satellitenkontrollzentrum der ESA (European Space Agency – europäische Weltraumorganisation), aus dem heraus alle ESA-Satelliten - egal ob Erdbeobachtungssatelliten oder Missionen zum Mars und Merkur - gesteuert werden. Satelliten machen viele der im Alltag eingesetzten Technologien erst möglich. Satelliten-TV, Wettervorhersagen und Internetzugang in entlegenen Gebieten gibt es nur dank Satelliten im All. Auch Navigationssysteme wären ohne Satelliten nicht möglich.
Die ESA hat ihren Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana, da die Raketen am Äquator besser starten können. Die Organisation wird auch „Europas Tor zum Weltraum“ genannt. In Deutschland hat die ESA ein weiteres Zentrum in Köln. Dort trainieren Astronauten für ihre Missionen. Die ESA wurde 1975 gegründet und umfasst aktuell 22 Mitgliedstaaten.

Auf dem Mond erforscht man die Erde
Aufgrund ihrer Geologie hat die Erde kein wirklich altes Gestein. Alte Gesteinsschichten sind bereits wieder eingeschmolzen. Deshalb wird die frühe Erde auf dem Mond erforscht. Noch heute forschen Wissenschaftler an dem bis 1972 geborgenen Gestein. 380 Kilo brachten die Astronauten mit, während Landesonden nur etwa 500 Gramm mitbringen können. Aus diesem Staub lässt sich weniger entnehmen als aus großen Gesteinsbrocken. Heute wieder mit Menschen zum Mond zu fliegen ist verglichen mit der damaligen Zeit einfacher und sicherer geworden. „Wir wissen heute mehr über die Strahlungssituation, haben mehr technische Erfahrung und leistungsfähigere Elektronik. Die damaligen NASA Computer waren recht einfach, heute kann jeder Taschenrechner mehr. Von daher war das eine beeindruckende Leistung“, berichtet Michael Khan. Neue Raumsonden haben Messtechnik und Kameras, die bis 50 cm genau die Mondoberfläche abtasten. Somit sind auch Fußabdrücke und Hardware zu sehen, die die Amerikaner zurückließen. Damit sind auch die wildesten Spekulationen um eine Hollywood Inszenierung vom Tisch.
Trotz der ungeheuren Energie, die benötigt wird, um die Erde zu verlassen: Die Raketen sind nicht das Problem, verbesserte Triebwerke machen die Strecke passierbar. Problematisch ist das Ankommen auf dem Mond. Das Raumschiff muss autonom sein. Dort oben gibt es keinen Hilfsdienst, der bei Pannen einschreiten kann. Alles muss vor Ort selbst gelöst werden.
Im schlimmsten Falle müssten Menschen dort ausharren bis Hilfe kommt. Nun hat der Mond aber unterkühlte -130 Grad und eine Mondnacht dauert 14 Tage. Zeit, in der es stockfinster ist und in der auch über Solarpanels keine Energie erzeugt werden kann. Das ist eines der Hauptprobleme. Die dafür nötigen Entwicklungen können auch für andere Projekte genutzt werden, sodass es schwierig ist eine genaue Summe für eine Mondlandung zu bestimmen. Die jahrelange Arbeit fließt überall mit ein. Von den Entwicklungen profitieren am Ende auch ganz andere Bereiche.
50 Jahre Mondlandung sind daher ein besonderes Jubiläum. Die allgemeine Euphorie bezüglich der Weltraumfahrt vor 50 Jahren hatte in Darmstadt ganz direkte Auswirkungen. Der Verein der Volkssternwarte Darmstadt e.V. wurde vor genau 50 Jahren gegründet und hatte im Kielwasser der Mondlandungen einen erfreulichen Zulauf an Mitgliedern, wie Stephan Kablitz erzählt. Nur einer hat am Datum der Mondlandung etwas auszusetzen: Komiker Otto Waalkes wird am 22. Juli 71 Jahre alt und hätte sich so eine Mondlandung gerne zum Geburtstag gewünscht– leider waren die Amerikaner einen Tag zu früh.
(msh)

Autor:

Redaktion mein südhessen aus Darmstadt-Süd

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