Streit am Tisch des Herrn?

Wie es halten mit der Ökumene im Gottesdienst, gerade, wenn evangelische und katholische Gemeinden zusammen ein Gemeindefest feiern?

Es ist gut, wenn ein solches Fest mit einem gemeinsamem Gottesdienst eröffnet werden kann. Und da solche Feste meistens an Sonntagen stattfinden, stellt sich dann schnell die Frage, wie es Christinnen und Christen mit einem gemeinsamen Gottesdienst halten (können).

Die beste Lösung ist gewiss ein gemeinsamer ökumenischer Gottesdienst, da es wenig glaubwürdig ist, aus getrennten Gottesdiensten heraus sich im Anschluss zu einem gemeinsamen Fest zusammenzufinden.

Ökumenische Gottesdienste sind auch in katholischen Kirchen zu besonderen Anlässen möglich.

Grundsätzlich sollten aber Einladungen zur Teilnahme am Abendmahl/der Kommunion einer Schwesterkirche mit Bedacht erfolgen und theologische Differenzen nicht einfach ausgeblendet werden. Fairerweise muss auch erläutert werden, warum bei einer katholischen Eucharistiefeier evangelische Christen nicht offiziell zur Kommunion eingeladen werden können, da es doch normaler Weise zur Gastfreundschaft gehört, zum gemeinsamen Mahl einzuladen. Doch diese würde zum Problem, denn katholischerseits bedeutet eine Einladung zum Kommunionempfang die Einladung zur Konversion, zum Wechsel des eigenen Bekenntnisses. Kurz gesagt: Geh zur Kommunion und Du bekennst damit automatisch Deinen katholischen Glauben ... Dies sollte jedem Katholiken wie Nichtkatholiken bewusst sein, der an den Tisch des Herrn tritt.

Natürlich ist Jesus Christus der Einladende und nur mittelbar eine bestimmte Glaubensgemeinschaft in dessen Namen. Aber das eine lässt sich vom anderen eben nicht so ohne weiteres trennen.

Auch sollte mit offenen Karten gespielt werden und klar sein, was wen wo erwartet, um unnötige Irritationen zu vermeiden. Das Abendmahl/Die Eucharistie sind ein zu wichtiges Geschehen, um auf unerwartete adhoc- Entscheidungen zu folgen.

Zugleich gilt es auch, sich bewusst zu machen, dass es verschiedene Formen der Nähe Gottes im Gottesdienst gibt: im gemeinsamen Hören auf das Wort Gottes, im gemeinsamen Beten, Singen ... Geistliche Gemeinschaft ereignet sich gewiss in vollkommener Form im gemeinsamen Abendmahls-/Kommunionempfang, wenn hierfür die nötigen Bedingungen erfüllt sind, aber eben nicht nur dort.

Der "Tisch des Herrn" ist für alle Menschen reich gedeckt: Im Hören auf sein Wort, im gemeinsamen Bekenntnis des einen christlichen Glaubens, in der Auslegung des Wortes Gottes in der Predigt.

Auch das gehört zur Ökumene: Spannungen auszuhalten und die Sehnsucht nach mehr Gemeinschaft miteinander im Namen Jesu in Worte und Gesten zu fassen, einem äthiopischen Sprichwort folgend: "Eine Wunde, die man verschweigt, kann nicht heilen".

Autor:

Markus Stutzenberger aus Weisterstadt

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