Beratungsstelle für Glücksspiel am Aktionstag in der Innenstadt

Spielautomaten, Pferdewetten, Lotterien, Fernsehspiele oder klassische Glücksspiele wie Roulette und Black Jack - die Verlockungen sich in eine Spielewelt zu flüchten sind groß und nehmen immer mehr zu. Online-Kasinos und Poker im Internet entwickeln sich zu einer Gefahr, insbesondere für Jugendliche. So wird die Zahl der Spielsüchtigen in Hessen auf besorgniserregende 32.000 geschätzt. Da Glücksspiel zur Sucht mit der häufigsten Selbstmordrate gehört, muss man die Probleme früh angehen, so die Hauptbotschaft, welche am Landesweiten Aktionstag vermittelt wurde. Mit ungewöhnlichen Demonstranten, nämlich 150 Schokoladen-Osterhasen, wurden Passanten, Betroffene und Angehörige auf das Thema Spielsucht sowie auf Beratungs- und Therapiemöglichkeiten in der Darmstädter Innenstadt aufmerksam gemacht. Begleitet wurden die demonstrierenden Hasen von Julia Timme und Angelina Kindinger von der Caritas-Fachberatung Glücksspielsucht und sogar von der Polizei.

„Meist beginnt es harmlos“, erzählt Julia Timme. „Ein erster Spielversuch mit dem Erfolg eines Gewinns, es kommt zu weiteren Spielen und schließlich zum zwanghaften „pathologischen“ Spielen. Partner werden belogen, Tricks und Lügen angewandt, um an Geld zu kommen, die Arbeit wird vernachlässigt, das Geld für Strom und Miete wird verzockt. Trotz hoher Verluste wird immer weiter gespielt. Die finanziellen, persönlichen und sozialen Probleme wachsen über den Kopf. Der Spieler ist dem Spielen gegenüber machtlos. So stark wird er vom Glücksspiel eingenommen, dass selbst beim vorhandenen Willen, mit dem Spielen aufzuhören die Kraft dazu fehlt.“

Viele junge Erwachsene haben durch ihre Spielsucht schon Schulden von bis zu 30.000 Euro. „Man muss etwas dagegen tun“, so Angelina Kindinger. „Es ist wichtig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um zu erfahren, wie man mit Spielabhängigkeit umgeht.“ Da auch angehörige unter der sucht leiden, bieten die beiden Fachberaterinnen Hilfeangebote für Betroffene und Angehörige an. 2014 haben 210 Klienten diese Hilfe in Anspruch genommen. 84 Prozent davon waren Männer.

Wirksame Suchtbekämpfung und Suchtberatung ist das Ziel der beiden jungen Frauen, die in der Stadt Darmstadt, dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und dem Kreis Groß-Gerau aktiv sind. Sie beraten kostenlos und anonym, bieten Infoabende für Betroffene und Angehörige an, besuchen Schulen und weitere Einrichtungen und nutzen den Aktionstag, um auf die Suchtgefahren bei Glücksspielen aufmerksam zu machen.

Glücksspieler und deren Angehörige werden am Platz der deutschen Einheit 21 beraten. Im Rahmen dieser Beratungsarbeit wird je nach Hilfebedarf Einzel- oder Gruppenberatung angeboten. Die Angebote können sich auf ein einmaliges Gespräch beschränken oder zu einer längerfristigen Betreuung führen. Auch die Vermittlung in eine Entwöhnungsbehandlung (stationär oder ambulant) gehört zu den Angeboten.

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