Die umstrittene Ausgleichszahlung: Warum erhöht die Ökostrom-Umlage die Strompreise?

Möglicherweise wird die EU-Kommission im Herbst 2013 Anklage gegen Deutschland erheben. Der Vorwurf: Mit der Befreiung einiger stromintensiver Unternehmen von der sogenannten "Ökostrom-Umlage" habe die Bundesregierung nicht zu rechtfertigende, den Markt verzerrende Rabatte gegeben. Der Endverbraucher hat die Ökostrom-Umlage vor allem im Frühjahr 2013 schmerzlich kennengelernt, denn diese sorgten für einen Preisschock - und zwar bei jedem. Auch günstige Stromanbieter mussten ihre Preise deutlich anheben, denn bei der Umlage handelt es sich um eine Pauschale, die sich nicht am individuellen Strompreis, sondern am Marktdurchschnittspreis orientiert.

Die Ökostrom-Umlage finanziert die Energiewende

Deutschland hat sich für die sogenannte Energiewende entschieden. Vereinfacht bedeutet diese, dass die Bundesrepublik aus der Atomenergie aussteigen und sich so weit wie möglich über erneuerbare Energien versorgen möchte. Dies wurde im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) festgelegt. Das Problem dabei: Der Atomstrom ist derzeit noch deutlich günstiger als die erneuerbaren Energien. Diese sind eigentlich nicht wettbewerbsfähig. An dieser Stelle kommt die Ökostrom-Umlage ins Spiel: Die erneuerbaren Energien haben eine Abnahmegarantie. Wann immer sie ins Netz eingespeist werden, müssen sie zuerst abgenommen werden. Die Differenz zwischen dem eigentlichen Marktpreis und der tatsächlichen Kosten für eine Kilowattstunde trägt der Verbraucher über die Ökostrom-Umlage. Kostet ein Kilowattstunde Atomstrom durchschnittlich beispielsweise vier Cent, der entsprechende Preis für die erneuerbaren Energien liegt jedoch bei neun Cent, so beträgt die Ökostrom-Umlage fünf Cent - und zwar vom Anbieter unabhängig für jeden Verbraucher. Dieser finanziert also die Energiewende, in dem er die Erzeuger von erneuerbaren Energien durch die Umlage wettbewerbsfähig hält.

Die Kostenexplosion 2013
Ursprünglich sah das EEG vor, dass bis 2050 80 Prozent des deutschen Stroms "grün" sein sollte. Dies hätte einen sanften Anstieg der Ökostrom-Umlage bedeutet. Durch den beschleunigten Atomausstieg ist es anders gekommen. Dieser führte zur Kostenexplosion im Jahr 2013 und wird dies vermutlich noch einmal 2014 tun: Es wird immer weniger Atomstrom den Netzen zugeführt. In der Folge müssen wesentlich mehr erneuerbare Energien eingespeist werden. Hierfür müssen wesentlich schneller als geplant neue Anlagen gebaut werden. Ein Teil wird auch importiert. Dies treibt die Preise in die Höhe: Erneuerbare Energien sind so teurer als vorher, zugleich werden wesentlich mehr von ihnen mit Abnahmepflicht ins Netz eingespeist. Die Ökostrom-Umlage schießt entsprechend in die Höhe. 2014 wird dies ebenfalls der Fall sein: Denn die Zufuhr von Atomstrom wird weiter gedrosselt, zugleich mangelt es immer noch an ausreichenden alternativen Produktionsmöglichkeiten.

Ab 2020 soll es nach unten gehen

Bis 2020 sollen die Strompreise durch die Ökostrom-Umlage um 20 Prozent steigen. So hat es die Deutsche Energie-Agentur GmbH (DENA) errechnet. Anschließend geht es allerdings auch wieder nach unten: Wenn die erneuerbaren Energie Marktreife (Preise, Einspeisevolumen, Produktionskapazitäten) haben, sinkt die Umlage entsprechend wieder ab, bis sie irgendwann Null erreicht. Der Weg dorthin wird allerdings teuer.

Foto: Erich Westendarp / pixelio.de

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