„Es war 5 Sekunden vor 12“

Wolfgang Hagelstein hatte nie Beschwerden mit seinem Darm. Dass er dennoch Darmkrebs hatte, erfuhr er beinahe zu spät. Im Interview berichtet er über eine Erfahrung mit ColoAlert, dem Test auf Tumor-DNA.

Herr Hagelstein, wann haben Sie gemerkt, dass etwas nicht stimmt?

Eigentlich ganz und gar nicht. Dass ich mich nicht vorher darum gekümmert habe, war pure Dummheit gewesen. Dabei gehöre ich als ehemaliger Radar-Soldat zu einer Gruppe, von der bekannt ist, dass sie besonders gefährdet ist Krebs zu bekommen.

Was war dann der Auslöser den Test zu machen?

Mein Hausarzt hat mir seit meinem 50. Lebensjahr gesagt, ich solle mal zur Vorsorge gehen, das kann nicht schaden. Ich habe ihm immer gesagt, dass mein Darm super funktioniert, da kann ich die Uhr nach stellen. Irgendwann habe ich in den Nachrichten gesehen, dass PharmGenomics mit dem Innovationspreis aufgezeichnet wurde. Als ich von dem neuen Test hörte dachte ich mir, Mensch das ist deine Chance, da musst du auch nicht zum Arzt, der dir dann da hinten rumfummelt. Mit bald 70 Jahren hat man dabei doch ein gewisses Schamgefühl als Mann.

Wie lief die Probe ab?
Das war ganz easy, wirklich kein Kunststück. Da gab es eine Folie zum Einkleben in die Toilette und eine Art kleiner Löffel, mit dem man die Probe dann aus den Exkrementen herausgestochen hat. Das war alles ganz sauber und schnell erledigt. Als nach 7 Tagen dann der Brief kam, dachte ich es ist nun alles gut, war es aber nicht.

Wie haben Sie sich mit dem Ergebnis gefühlt?

Das war ein Schock, als hätte mir einer mit dem Hammer vor den Kopf gehauen. Einer der Werte war nicht in Ordnung, man hat mir geraten damit zum Arzt zu gehen, weil ich vermutlich Darmkrebs habe.

Wie sind Sie damit umgegangen?
Ich hatte mir vorgenommen 100 Jahre alt zu werden. Nach der Diagnose habe ich mir schnell gesagt: Du hast jetzt Krebs, da musst du durch. Schließlich will ich auch noch erleben, wie meine Tochter promoviert. Ich bin dann bewusst in ein Krankenhaus hier vor Ort gegangen, ein zugegeben kleineres Krankenhaus und dort fand ich dann eine fast familiäre Atmosphäre vor. Das war ein Glücktreffer. Die sind alle total unspektakulär damit umgegangen, ich hatte nicht einmal das Gefühl mich genieren zu müssen.

Wie lief das im Krankenhaus ab?
Vor dem Eingriff bekam ich eine schwarze Hose mit einem Schlitz hinten an. Dann die Spritze und ab da habe ich nichts mehr davon mitbekommen. Mein Arzt meinte danach nur, er habe den ersten Teil nun ausgebaut, aber es wäre noch nicht alles weg. Ich musste mich einem zweiten Eingriff unterziehen. Er hat mir auch die Bilder gezeigt und erklärt, dass der Spruch „5 Minuten vor 12“ bei mir nicht mehr gestimmt hat, da waren es „5 Sekunden vor 12“.

Wie haben Sie sich gefühlt, als alles überstanden war? Hat Sie diese Erfahrung verändert?
Ich war natürlich extrem erleichtert, aber es hat auch Nachwirkungen, die gar nicht unbedingt körperlich waren. Ich habe einfach realisiert, wie endlich das Leben ist und hatte plötzlich wieder Situationen aus meiner Jugend vor den Augen. Meine Tochter hat ein neues Auto gebraucht und bei der Probefahrt ist mir ein Jugendtraum in den Sinn gekommen. Also habe ich mich selbst ans Steuer gesetzt und mir ein neues Auto geholt, von dem ich immer geträumt habe.

Was raten Sie den Menschen, die unsicher sind, ob Sie einen Test machen sollen?
Ich kann jedem nur raten keine falsche Scham zu haben und nicht auf das zu hören, was manche über Darmspiegelungen erzählen. Man merkt nichts. Ich konnte alles gemütlich zuhause erledigen, vom Trinken der Spülflüssigkeit und der Entleerung, bis ich dann zum Eingriff ins Krankenhaus musste. Der Test mag auf den ersten Blick teuer erscheinen, aber man kann ihn auch von der Steuer absetzen und mit der Krankenkasse klären, ob nicht sogar ein Teil übernommen wird. Das ist eine rundum saubere Angelegenheit, alles ganz harmlos und das Harmloseste ist wirklich der Test.
(msh)

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