Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen!

Hotel Rosengarten- von links nach rechts:  Maria Luh, Romy Mayer, Jennifer Lumb
  • Hotel Rosengarten- von links nach rechts: Maria Luh, Romy Mayer, Jennifer Lumb
  • hochgeladen von Judith Sturm

Auf den zweiten Blick die erste Wahl gilt nicht nur für Arbeitgeber.
Vielmehr entdecken junge Menschen oft erst dann ihre Berufung, wenn sie die Möglichkeit erhalten eine längere Phase der beruflichen Orientierung zu durchlaufen.
Basis für eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Wunschberuf kann beispielsweise das erfolgreiche Instrument der Einstiegsqualifizierung sein. Dies ist ein langfristiges Praktikum von mindestens sechs Monaten, in dem die Inhalte des ersten Ausbildungsjahres im Betrieb und in der Berufsschule vermittelt werden.
Romy Mayer, Ausbildungsleiterin und Geschäftsführerin, nutzt seit 2004 das Projekt Einstiegsqualifizierung (EQ), um Jugendlichen mit Vermittlungshemmnissen die Möglichkeit der beruflichen Orientierung zu geben. „Unsere Praktikanten sind sich im Anschluss an das EQ gefestigt und überzeugt, die richtige Berufswahl getroffen zu haben. Dies ist für beide Seiten ein großer Erfolg und verhindert Ausbildungsabbrüche. Bisher haben wir alle EQ-Praktikanten in Ausbildung übernommen. Dies geschieht jedoch nicht automatisch. Die EQ-Praktikanten müssen sich wie jeder Ausbildungssuchende erneut um die Ausbildungsstelle bewerben. Immer wieder stellen wir fest, dass sich diese Bewerbungen auf Basis der praktischen Erfahrung deutlich von gewöhnlichen Bewerbungen abheben. Die Jugendlichen haben sich mit den Anforderungen auseinandergesetzt und wissen worauf es ankommt. Die Ausbildungsreife ist deutlich erkennbar.“
Wir melden der Arbeitsagentur Darmstadt unsere EQ-Angebote, erklärt R. Mayer. Arbeitgeberservice und Berufsberatung arbeiten gemeinsam am Ziel, geeignete Bewerber auszuwählen. Mit dem Service der Arbeitsagentur sind wir sehr zufrieden und wir schätzen den intensiven Austausch. Bisher haben 6-8 junge Menschen das EQ bei uns gemacht; allen haben wir im Anschluss einen Ausbildungsplatz angeboten. Eine junge Dame gab es, die ihre Ausbildung in einem anderen Betrieb absolviert hat. Sie ist jetzt nach erfolgreichem Abschluss wieder in unserem Hotel tätig, während sie an der Peter-Behrens-Schule Darmstadt studiert. Unsere Auszubildenden, die zuvor das EQ durchlaufen haben, beenden ihre Ausbildung meist mit einer vorgezogenen Abschlussprüfung. Das bedeutet: gute Leistungen werden belohnt. Dies bestätigen auch zwei Mitarbeiterinnen:
Maria Luh: „Die Einstiegsqualifizierung (EQ) ist für mich eine gute Sache. Nach meinem Schulabschluss konnte ich mich nicht entscheiden was ich werden wollte. Man wird in der Schule auch zu wenig auf den Berufsalltag vorbereitet um sich dann sicher sein zu können dass, das Richtige für einen ist. Hierbei hat mir die Arbeitsagentur sehr geholfen. Sie haben sich eingehend mit mir beschäftigt und mir das EQ empfohlen. Ich bin gerade mittendrin und absolviere mein EQ in einem Hotel in Darmstadt. Ich habe viel Freude am Beruf der Hotelfachfrau und konnte mich hier gut einfinden, nach Abschluss des EQ im Sommer werde ich hier auch meine Ausbildung absolvieren.“
Jenny Lumb: „Die Einstiegsqualifizierung (EQ) war für mich eine gute Entscheidung. Ich war mir nach meiner Schulzeit noch nicht sicher welchen beruflichen Weg ich gerne einschlagen wollte. Mich haben mehrere Berufe interessiert und doch war ich mir nicht sicher in welchem Beruf und Umfeld ich mich am besten einbringen kann und welcher Beruf mir auch langfristig Freude bereitet. Das EQ bot mir die Möglichkeit in das Berufsleben reinzuschnuppern, aktiv mitzuarbeiten und den Ausbildungs- sowie Berufsalltag kennenzulernen. Mein EQ habe ich in einem Hotel absolviert. Im Hotel bin ich geblieben und habe im Juli 2013 meine Ausbildung zur Hotelfachfrau abgeschlossen. Ich bin mit meiner Berufswahl überglücklich und habe mich im letzten Jahr dafür entschieden meine Qualifikationen zu erweitern und ein Studium an der örtlichen Hotelfachschule begonnen. Das EQ hat mir den Weg geebnet für meinen ganz eigenen Karriereweg.“
Außer den Praktikumsplätzen meldet Frau Mayer alle zu besetzenden Arbeits- und Ausbildungsstellen der Arbeitsagentur und berichtet erfreut, dass sie rund 80 Prozent der Bewerbungen über dieses Portal erhält. Darunter auch einige Bewerbungen für eine Einstiegsqualifizierung. „Obwohl wir ganz klar das Praktikum anbieten, bewerben sich die Schüler oft in der Hoffnung, doch noch eine Ausbildungsstelle zu erhalten. Im persönlichen Gespräch erfahren sie die Unterschiede zwischen dem EQ-Praktikum und der Ausbildung. Ziel ist es, den Jugendlichen möglichst viel Unterstützung bei der beruflichen Orientierung zu bieten, Schwächen zu mindern und auf ihren Stärken aufzubauen. Das EQ startet mit einem Einführungsseminar. In diesem geht es vor allem um Sozialkompetenzen wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, die in der Dienstleistungsbranche von großer Bedeutung sind. Neben der Heranführung an den Beruf erfahren die Praktikanten auch die Benimmregeln im Umgang mit Gästen.
„Die schulischen Defizite liegen oft in der Rechtschreibung und Mathematik, berichtet R. Mayer. Im Bereich Gastronomie spielt auch das Alter eine große Rolle: Jugendliche unterliegen den Arbeitszeiten gemäß Jugendarbeitsschutzgesetz. Dies erschwert die Wissensvermittlung in Bereichen, die dem Schichtbetrieb unterliegen. Während der EQ gelten andere Arbeitszeiten“.

Romy Mayer betreut 50 Mitarbeiter und fünf Auszubildende. In Ihrer Verantwortung liegt die Betreuung und teilweise Geschäftsführung von drei Hotels und einem gastronomischen Betrieb.

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