Obdachloser zu Gast an Butzbacher Schule

Obdachloser spricht vor 7. Klasse

Ein Obdachloser zu Gast an der Butzbacher Weidigschule, wenn das mal keine Neuigkeit ist?

Der aus Hamburg stammende und durch eine Fahrradtour auch überregional bekannt gewordene Wohnungssuchende Max Bryan gastierte kürzlich auch an der Butzbacher Weidigschule, einem Gymnasium in der Nähe des Schrenzer Berges.

Pfarrer Jörg Wiegand hatte den Obdachlosen dorthin eingeladen und ihn gefragt, ob er etwas über Armut erzählen könne. Das Thema werde gerade im Unterricht der 7. Klasse behandelt und es gehe um Diakonie. Bryan willigte ein und erzählte seine Geschichte passend zum Thema des Unterrichts. Die Schüler stellten Fragen auch nach ganz praktischen Dingen, wie dem Umgang mit der Kälte oder wie er an Geld komme. Bryan erzählte auch wie es überhaupt dazu kam, warum er keine andere Wahl hatte und warum er auch im Winter draußen schlafen musste.

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/sag-mir-was-ist-armut/365110096840245

Derzeit hat er zumindest vorübergehend eine Übernachtungsmöglichkeit in einem Gästezimmer in Bad Nauheim und die Wirtin dort will kein Geld von ihm, „was wirklich sehr nett ist“, schreibt Bryan in sein Tagebuch.

http://www.maxbryan.com

Auch in der Butzbacher Markusgemeinde hat der Wohnungslose zwei Nächte geschlafen, davor in der August-Storch-Hütte auf dem Schrenzer Berg. Pfarrer Jörg Wiegend hatte dem Mann vor seinem Auftritt im Religionsunterricht versichert, er wolle ihn nicht ausstellen „wie ein exotisches Tier“, berichtet die Butzbacher Zeitung in ihrer Printausgabe vom 3. Februar.

Auch wollten die Schüler helfen. Einer wusste sogar von einer leerstehenden Wohnung ganz in der Nähe. Pfarrer Jörg Wiegand will das Thema im Unterricht auch noch weiter behandeln, bespricht mit den Schülern noch weitere Fragen zur Diakonie. Wiegand merkte an, dass es in Butzbach keinerlei Anlaufstellen für wohnungslose Menschen gibt: „Wer hier auf der Durchreise ist, sieht zu, dass er schnell weiterkommt“, berichtet der Pfarrer, bei dem äußerst selten einmal ein Obdachloser anklopft.

Vor 20 Jahren hat Max Bryan in einem Bad Nauheimer Reisebüro gelernt und es war die „schönste Zeit seines Lebens“, erzählt er im Interview mit der BZ. Bad Nauheim war deshalb auch die vorerst letzte Station seiner Radreise. In der beschaulichen Kleinstadt will er nun eine Wohnung finden, was aber noch nicht geklappt hat, denn Max Bryan hat inzwischen auch kein Geld mehr. Seit fast zwei Jahren ist er ohne festen Wohnsitz und die Hartz-IV-Behörden haben ihm das Geld gestrichen, weil er zu lange aus Hamburg weg ist. Entlang seiner Radstrecke versuchte der 36-Jährige bislang vergeblich eine feste Unterkunft zu finden. Größtes Hindernis ist immer wieder auch die Tatsache, dass er keinen festen Wohnsitz hat, was aber auch in der Natur der Sache liegt.

Nach 15 Jahren, in denen Max Bryan sich mit Philosophie und Metaphysik beschäftigt hat, kündigte der Vermieter ihm die Wohnung wegen Eigenbedarfs. Das war im März 2010. Seitdem ist er auf der Straße und findet „nichts Neues“. Nur einmal, da hatte er die Wohnung schon sicher, doch als der Vermieter erfährt, dass er obdachlos ist, zieht er das Angebot zurück.

Als Hilfe zur Selbsthilfe hat Max Bryan deshalb auch die Internetseite „wohnungsmelder.org“ gegründet. Dort können sich Menschen melden, die speziell Wohnungslosen Menschen eine Chance geben wollen. Den Teufelskreis durchbrechen, der aus „keine Arbeit, kein Geld, keine Wohnung, keine Arbeit besteht“ konstatiert die BZ.

Auf der Suche nach einem Schlafplatz fuhr Bryan mit dem Rad auch durch Butzbach. „Etwas, das überdacht ist und wo man nachts nicht nass wird“, hatte er sich gewünscht. Ein Mann erzählte ihm dann von der Hütte auf dem „Schrenzer“, ein Berg oberhalb Butzbachs und Bryan entschloss sich den Aufstieg zu wagen. Oben angekommen trifft er ein Liebespärchen, dass es sich im Inneren der August-Storch-Hütte bequem gemacht hatte. Als er Stunden später und nach Einbruch der Dunkelheit allein in der Hütte ist, fühlt er sich bedroht. „Wie im wilden Westen war das“, schildert Max Bryan die Situation.

„Ein mir unbekannter Mann kam rüber zu mir und drohte mir etwas anzutun, sollte ich auf die Idee kommen, seine in der Nachbarschaft liegende Sauna-Anlage zu betreten“ und er habe eine „Kalaschnikow“, berichtet Bryan.

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/butzbach-und-der-wilde-westen/344488258902429

Was der Mann nicht wußte, Max Bryan ist kein Unbekannter mehr. Wochenlang schon berichten Zeitungen über den ungewöhnlichen Radfahrer und das nicht erst seit Beginn seiner Tour. Vitali Klitschko entdeckte den Obdachlosen unweit seines Schlafplatzes im Hamburger Hafen. Die BILD-Zeitung griff die Begegnung auf und brachte den jungen Mann an die Öffentlichkeit. Seitdem führt der Obdachlose ein öffentliches Tagebuch und seine Anhänger danken es ihm.

Quelle: Butzbacher Zeitung / Abschrift Weidigschule v. 08.02.2012

http://www.weidigschule.de/buzneu/2012/obdach12.htm

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Autor:

Redaktion Hessenreport aus Darmstadt

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