«Fight For Your Life» Ergreifender Bericht eines ehemaligen Obdachlosen

Eigentlich könnte man glauben, über ihn sei alles geschrieben und so ziemlich jede Geschichte, über den einst Wohnungssuchenden Max Bryan sei bekannt, aber das stimmt wohl nicht, wie sein neuester Scoop beweist.

(GZ/SR) Demnach war der ehemalige Obdachlose nun sogar zur Weltpremiere des neuen Stage-Musicals "Rocky - Fight from the Heart" eingeladen und brillierte dort am roten Teppich sowohl vor, als auch hinter der Kamera. In einem regelrechten Interview-Marathon befragte Max Bryan unzählige Stars und Promi´s zu ihren Eindrücken nach der Show, darunter auch Udo Lindenberg und Star-Regisseur Sönke Wortmann.

- Mit dem Zug nach Hamburg -

Angereist war der heute auf einem Gartenhof nahe Frankfurt lebende Ex-Obdachlose mit dem Zug und weil Bryan nicht besonders reich ist, teilte er sich das Ticket mit gleich 4 weiteren Mitfahrern. 18.00 Uhr sollte Bryan dann am Presse-Counter des TUI-Operettenhauses sein, dort lagen zwei Freikarten für ihn hinterlegt, eine Art zusätzliches Dankeschön des Hauses, denn Bryan hatte im vergangenen Jahr das Drehbuch des Theater-Regisseurs Christoph Drewitz an den Hamburger Landungsbrücken gefunden und es brav zurückgebracht. Der damals noch Obdachlose wunderte sich über das seltsame Fundstück und alarmierte die Theaterleitung. Eine dieser Zufalls-Geschichten, die Bryan schon oft erlebt hat. 2010 traf er Boxweltmeister Vitali Klitschko sogar beim joggen und Bryan war damals noch obdachlos.

- Obdachloser findet Drehbuch -

"Es war die letzte Bahn so gegen 00.30 Uhr und mein Weg führte wie jeden Abend von der Stadt zurück an die Landungsbrücken, wo ich meinen Schlafplatz hatte. Auf dem Weg dorthin, es waren keine Leute mehr am Bahnsteig, sehe ich einen roten Aktenordner auf einer Bank liegen und offenbar hatte jemand sein komplettes Produktionstagebuch auf dieser Bank liegen gelassen", berichtet Bryan nun erstmals auch in seinem Tagebuch-Blog über die Erlebnisse von damals.

http://www.maxbryan.com

Was Bryan zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, der Ringordner mit rotem Einband gehörte dem Abendspielleiter des TUI-Operettenhauses Christoph Drewitz, der heute auch die Regie beim Rocky-Musical macht.

Drewitz freute sich über den ehrlichen Finder und belohnte ihn mit einem exklusiven Blick hinter die Kulissen des Stage-Musicals "Sister Act" und lud ihn ein, auch einmal offiziell Gast im Operettenhaus zu sein, wann immer er mag, sei er herzlich dazu eingeladen und Bryan nahm dankend an, verließ dann aber 3 Tage später die Stadt - mit dem Fahrrad, wohlbemerkt.

- Der Rocky im Obdachlosen -

"Ich wollte nicht warten bis der erste Schnee gefallen ist und so fuhr ich los, Richtung Süden, in der Hoffnung, weit außerhalb Hamburgs eine Wohnung zu finden", heißt es in seinem Bericht.

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/rocky-in-hamburg-fight-from-the-heart/513721881979065

Der Rest ist Geschichte und in dem Fall auch Zeitungsgeschichte. Zahlreiche Medien berichteten entlang seiner Radstrecke über das mutige Unterfangen zur kalten Jahreszeit und es dauerte 4 Monate, bis Bryan die Erfolgsmeldung mit einem schlichten "Habe Wohnung" auf Facebook verkündete.

"Die Zeit im Gästezimmer war eine Art Probe, eine mir völlig fremde Frau hatte so viel Vertrauen, dass sie mich aufnahm und schaute, wie ich mich entwickle. Als sie dann sah, dass ich kein schlechter Mensch bin, ich nicht mal rauche und kein Alkohol trinke, machte sie mir das Angebot mit dem Gartenhof und da bin ich heute noch", schreibt Bryan in seinem aktuellen Bericht.

- Fight For Your Life -

Eine beeindruckende Geschichte, die ganz besonders auch zu Herzen geht und Max Bryan wäre nicht er, wenn er einfach nur so nach Hamburg anreist um eine Musical-Premiere zu besuchen. Max Bryan hatte weit mehr im Gepäck und präsentiert am Tag der Weltpremiere seine neueste Idee zu "Fight For Your Life", eine Charity-Aktion zu Gunsten mittelloser Menschen in der Stadt. Gut 17 Interviews hatte Bryan an diesem Abend auf eigene Faust und ohne Akkreditierung mit zahlreichen prominenten Gästen des Abends geführt, darunter auch Start-Regisseur Sönke Wortmann, der die Idee auch "unterschreiben würde", wenn dies nötig sei.

Hintergrund ist eine Idee zur Durchführung einer Rocky-Sonderveranstaltung für Menschen, die in Armut leben und sich das teure Ticket für die Show nicht leisten können und Aufgabe war es, prominente Fürsprecher für diese Idee zu finden (Quelle: MaxBryan.com).

Dort heißt es unter anderem: "Menschen, die in Armut leben, haben oft kaum oder gar keinen Zugang zur Kultur und ein Besuch im Theater bleibt für viele unerschwinglich. Dabei hat gerade dieses Rocky-Musical so viel Kraft und Potential, für alle Menschen da zu sein, auch für die, die kein Geld für den Eintritt haben" und was man für diese Menschen tun könne, fragte Bryan die Gäste der Gala-Premiere vor laufender Kamera und viele waren - wie er - der Meinung, dass man auch die Ärmsten dieser Stadt einmal einladen sollte, denn gerade die seien es, "die jeden Tag den Mut und die Kraft eines Rocky brauchen" und vielleicht könne ein Besuch im Rocky-Theater helfen, den "Glauben an sich selbst" und die "eigene Stärke" wiederzufinden, so der Bericht.

- Umfassendes Videomaterial -

Der sehr umfassende Report enthält auch ein Album mit über 100 Fotos, offenbar Screenshots aus dem Video-Material, das Bryan vor Ort erstellt hat.

Album: http://www.facebook.com/media/set/?set=a.524890957528732.125814.161102710574227&type=1

"Ein absolutes Meisterwerk", urteilen seine Anhänger und in der Tat, gelingt ihm damit etwas ganz Bemerkenswertes. Denn mit der Aktion lenkt Bryan nicht nur die Aufmerksamkeit von sich auf andere, sondern er verbindet auch die fiktive Geschichte des "Rocky" mit der Realität des Hamburger Premieren-Abends.

Fast in jedem zweiten Satz klingt an, wie wertvoll es sei, sich nach oben zu boxen und nicht klein kriegen zu lassen. "Das Unmögliche wahr zu machen" und irgendwie trifft dieses Geschichte auch auf Bryan zu, der anfangs gar keine Erlaubnis hatte, am roten Teppich filmen zu dürfen und sich wohl irgendwie "durchboxte", um ein paar Fürsprecher für seine Charity-Idee zu finden. Dieser unbändige Wille, sich gegen alle Widerstände durchzusetzen, ist schon bemerkenswert.

- Kongeniales Werk -

Noch vor einem Jahr hatte Max Bryan in Hamburg auf der Straße gelebt und seine Rede vor 1000 Menschen auf einer Demo gegen den Hamburger Mietenwahnsinn hallt heute noch nach. Wie er sich danach aufrappelte und mit dem Fahrrad die Stadt verließ, um weit außerhalb der Stadtmauern eine Wohnung zu suchen, ist mutig und zeugt von großer Kraft, die er sich auch in Dingen wie "Rocky" geholt haben will.

"Es ist wichtig, den Mut nicht zu verlieren und meine Erinnerung an die Begegnung mit Klitschko und auch die Stärke von 'Rocky' hat mich immer wieder ermutigt, auch an meine eigene Stärke zu glauben und die Hoffnung nicht aufzugeben, doch irgendwann mein Glück zu finden ", sagt Bryan nun im Teil 2 seines Berichts, der Facebook wie einen Blog benutzt.

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/fight-from-the-heart-fight-for-your-life-rocky-teil-2/515385441812709

Der ehemalige Viva-Moderator Mola Adebisi beurteilt die Leistung des ehemals Wohnungssuchenden so: "Ich glaube nicht, dass es Glück gewesen ist, die Wohnung zu finden, sondern weil sie dafür gekämpft haben", sagt Adebisi. Auch ihn hatte Bryan am Premieren-Abend interviewt und es ist schon erstaunlich, welch rasante Entwicklung der ehemals Wohnungssuchende binnen nur eines Jahres schaffte. Vom kleinlauten, demotivierten Obdachlosen zum kongenialen Interview-Macher am roten Teppich einer Weltpremiere.

"Manchmal wird man unterschätzt und dann muss man sich durchkämpfen", wird einer seiner Interviewpartner ihm am 18. November sagen und spätestens jetzt steht dieser Satz nicht nur allein für "Rocky", sondern auch für Max Bryan, der sich ohne viel Hilfe doch mehr als durchboxte und am Ende diesen überragenden Bericht abliefert.

- Vom Obdachlosen zum VJ -

Ein bärtiger Mann ohne Anzug und mit Loch im Schuh, schaffte es von der Straße bis weit hinter die Absperrung, vorbei an allen Sicherheitsleuten und dort, wo eigentlich nur Journalisten zugelassen sind. "Um dort Leute befragen zu dürfen, hätte ich eigentlich eine Journalisten-Akkreditierung gebraucht, aber die war so schnell nicht zu bekommen, denn ich bin ja auch kein Journalist, bestenfalls ein Tagebuchfilmer mit Hang zum Aktivismus", gesteht der 37-Jährige rückblickend. Irgendwie hatte er es dann aber doch noch geschafft, die Verantwortlichen von seiner Idee zu begeistern und sein Enthusiasmus wirkt ja irgendwie auch ansteckend.

- Filmdebüt im Dezember -

Zuletzt hat er das auch auf dem Steinfurther Gartenhof bewiesen, wo er sensationelle Natur-Aufnahmen machte und die Arbeit der dort lebenden Landwirte über Monate hinweg mit der Kamera begleitete, zur Freude aller Hofbewohner, die nur vollen Lobes für ihn sind.

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/shumei-natural-farm/498883896796197

Am 8. Dezember erscheint nun sein erster Kurzfilm über das Leben auf dem Gartenhof und man darf gespannt sein, ob der Film das erst kürzlich erschienene Album noch übertrifft.

Autor:

Redaktion Hessenreport aus Darmstadt

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.