Job für Max Bryan: Der ehemalige Obdachlose wird Hof-Chronist

Der ehemalige Obdachlose Max Bryan mit einem Dankeschön-Geschenk für seine Chancengeberin Heinke von Löw (91)
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  • Foto: Facebook / Max Bryan
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"Ich bin der neue Hof-Chronist", begrüßt Max Bryan den von weit her angereisten Manfred Grössler auf dem Rosenhof der Löw´s und Grössler ist erstaunt, schaut ihm doch eine Kamera ins Gesicht.

(GZ/sb) Pünktlich zum Rosenfest und vom Arbeitsurlaub in Hamburg nach Steinfurth zurückgekehrt, wartet eine neue Herausforderung auf den ehemaligen Obdachlosen, der ab sofort nicht mehr nur im Garten arbeitet. Neben seinen früheren Aufgaben, wie Scheune ausfegen und Beete umgraben, arbeitet der passionierte Hobbyfilmer nun auch an einem Film über den Gartenhof. "Eine Chronik von der Saat bis zur Ernte" soll es werden, "in vielerlei Hinsicht", wie es heißt So würdigt Bryan nicht nur das Lebenswerk der Hausherrin Heinke von Löw (91), sondern auch ihren großen Dienst an der Menschlichkeit, denn schon so manche gestrauchelte Seele sei bei Ihr angelandet und "allen hat sie wieder auf den Weg geholfen", schreibt Bryan in seinem aktuellen Bericht mit dem Titel: "Licht-Insel Gartenhof".

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/licht-insel-gartenhof/476653922352528

40 Bilder und ein Text wie von einer Reportage sorgen für helle Begeisterung, besonders unter den weiblichen Fans des hoch motivierten Freizeit-Reporters.

"Du schreibst so authentisch - ich fühle mich, als wäre ich dabei gewesen" und "weiter so ... diese Texte sind Weltklasse" urteilen die Anhänger des Vollblut-Bloggers, der trotz seiner inzwischen schon 72 veröffentlichten Beiträge scheinbar unaufhörlich neue Themen findet, mit denen er seine Leserschaft immer wieder auf´s Neue begeistert.

"Das sind ganz große Worte, die ich mir auf jeden Fall einprägen werde" und "Du tust dem Hof so gut" schreibt eine der Kommentatorinnen in Reaktion auf die Ankündigung seiner lang erwarteten Chronik.

http://www.facebook.com/notes/max-bryan/von-der-saat-bis-zur-ernte/465567700127817

Darin wird erstmals auch bekannt, dass Bryan´s Bleibe-Recht auf dem Hof weit härter umkämpft war, als bislang angenommen. So habe der damals noch Obdachlose regelrecht insistieren müssen, um überhaupt auf dem Hof bleiben zu dürfen, während alles schon gegen ihn stand. Bryan, der anfangs nicht alle Regeln befolgte, sollte schnell lernen, sich an das Leben auf dem Hof zu gewöhnen und sich dem Tagesablauf anzupassen. Bryan hielt Wort und wurde besser und nicht nur das. Denn inzwischen hat die Hausherrin auch sein Talent für´s Filmen entdeckt und bot ihm die großartige Chance, aus der Hobby-Filmerei mehr zu machen als nur ein Videotagebuch (G.Z. berichtete).

So begleitete Bryan erst kürzlich den Besuch des Grazer Künstlers und Buchautors Manfred Grössler auf dem Gartenhof zu Steinfurth und zeigt damit einmal mehr sein großes Gespür für Bilder und Geschichten. Ein studierter Reporter hätte es kaum besser machen können und so bleibt die Frage nach der Zukunft und Perspektive des ambitionierten Hobby-Filmers wohl auch nicht länger im Dunkeln. Eigenen Angaben zu Folge hatte Bryan bereits Mitte August seinen ersten Einsatz als Kameramann und zur Probe für einen Bad Nauheimer Lokal-Sender, der seine Dienste künftig und bei Bedarf auch mehrfach in Anspruch nehmen will. Zudem sei ein Buch in Planung, ein Münchner Verlag habe Interesse angemeldet und das Fernsehen wolle auch noch was machen, erfahren wir auf Nachfrage hin.

Max Bryan scheint angekommen, auf dem Hof und im Leben eines "Glücks-Suchenden", der es schaffte, mit nur einfachsten Mitteln die ihm gebotene Chance zu nutzen.

"Hätte ich damals nicht um diese Chance gekämpft, wäre alles anders gekommen und vermutlich wäre ich heute noch auf der Straße", heißt es im Tagebuch des ehemaligen Obdachlosen Max Bryan.

http://www.maxbryan.com

Bryan lebte 18 Monate in Hamburg auf der Straße, bevor er im November letzten Jahres völlig frustriert die Stadt verließ, weil er in der vom "Mietenwahnsinn" regierten Stadt keine Wohnung fand. Mit nicht viel mehr als einem Schlafsack und ein paar Habseligkeiten im Gepäck fuhr Bryan Richtung Süden - mit dem Fahrrad, wo er 4 Monate später eine Bleibe im Hessischen Steinfurth, einem kleinen Rosendorf nahe der beschaulichen Kurstadt Bad Nauheim fand.

"Es war ihre Saat vor 50 Jahren und es ist ihre Saat heute, mir zu vertrauen und zu schauen, was daraus wird. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit, denn so wurde ich besser und konnte daran wachsen" bekennt Bryan in tiefer Verneigung vor seiner Chancen-Geberin, der Freiherrin Heinke von Löw zu Steinfurth.

Die sagt: "Am Vertrauen wächst der Gefallene", und nimmt Bryan´s Geschenk - eine Glasschale voller Rosen - gern und dankend entgegen. Erst 2008 bekam die engagierte Freiherrin den Ehrenpreis des Bundesumweltministeriums für ihr Lebenswerk als Ökogärtnerin und Philosophin und für ihr großes Engagement im Bereich der Biodiversität und kulturellen Vielfalt, damals im Rahmen des Wettbewerbs »FrauenLebenVielfalt«.

Dem Ruf der Vielfalt folgt auch Gartenhof-Besucher Manfred Grössler, der mit eigenem Programm extra aus Österreich angereist war, um die Tradition der im Dorf so beliebten Scheunen-Konzerte wiederzubeleben, zusammen mit Gertrud Gilbert, die ihn an diesem Abend am Klavier begleitete.

"Dieser Gartenhof ist eine Licht-Insel", sagt der Künstler und studierte Phytologe, der in Graz gerade eine eigene Partei gründet, mit dem Ziel, die Gesundheit des Menschen zu schützen und es gehe dabei um "Naturkultur".

http://www.cp-g.at/

Grössler, der Anfang der 80er als Berufssportler und Mitglied des österreichischen Nationalteams große Erfolge feierte, wechselte 1993 in die Politik und arbeitete im Gemeinderat der Stadt Graz im Bereich Gesundheit, Umwelt- und Behindertenhilfe. Wie auch Heinke von Löw engagiert sich Grössler schon seit Jahren gegen "Un-Natur" und Gentechnik. Mehrere Bücher hat Grössler zu diesem Thema schon geschrieben und selbst auch herausgebracht.

"Er war er" wird Heinke von Löw nach seinem fulminanten Auftritt in der Veranstaltungsscheune des Gartenhofes vor laufender Kamera sagen und auch von Grössler gibt´s großes Lob für den neuen Hof-Berichterstatter: "Du bist ein guter Regisseur", sagt Grössler zu Bryan und Bryan relativiert: "Nicht doch, ich hatte nur das Glück hier sein zu dürfen, an diesem Ort, zu dieser Zeit, mit Euch und mit allem was geschah, wurde es diese Geschichte".

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