Kinder leiden unter KZ-Gräuel

Die Roma-Frauen Ursula Rose und Maria Strauss, Kinder von Holocaust-Überlebenden, im Zeitzeugengespräch.

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Pressestelle der Gemeinde Seeheim-Jugenheim
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SEEHEIM-JUGENHEIM. Zum Holocausttag lädt die Gemeinde unter dem Thema „Wider das Vergessen – ständige Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus“ Zeitzeugen ein. Zu den Opfern des Nationalsozialismus gehörten viele Opfergruppen darunter Sinti und Roma. Fast eine halbe Million wurde ermordet. Dieser nationalsozialistische Völkermord war über Jahrzehnte hinweg ein vergessenes und übersehenes Kapitel in Deutschland.
Um über das Schicksal dieser Menschen zu informieren, waren am vergangenen Dienstagabend Ursula Rose und Maria Strauss zu einem Vortrag ins Haus Hufnagel gekommen. Sie gehören zur Volksgruppe der Roma. Die Erste Beigeordnete Karin Neipp begrüßte die über 70 Zuhörer und führte in gemeinsam mit Pressesprecher Karsten Paetzold in das Thema ein.
„Wir wollen den Toten eine Stimme geben, beginnt Ursula Rose ihren Bericht. „Unsere Kindheit war anders, der Holocaust hat uns immer begleitet und tut es bis heute noch“, fügt sie mit trauriger Stimme hinzu. Sie sind als Kinder von traumatisierten Holocaust-Opfern groß geworden. Ihre Eltern wurden im Dritten Reich verfolgt, in Konzentrationslagern inhaftiert und hat-ten „das Glück“, die Gräuel zu überleben.
27 Monate war der damals neuzehnjährige Vater im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Er hat als einziges Familienmitglied überlebt. Auf den Fotos, die die Frauen zeigen, ist ein junger, gut aussehender und eleganter junger Mann zu sehen.
Beinahe täglich hat er über seine erlebten Grausamkeiten berichtet. Ständig hatte er Angst vor dem Tod. Er hatte schwere Depressionen und verfiel dem Alkohol. „Im KZ hat er gelernt, dass man mit Gewalt und blindem Gehorsam weiter kommt“, sagt Rose. Von den Kindern habe er absoluten Gehorsam verlangt und ständig Kontrolle ausgeübt.
Ihre Mutter wurde mit 14 Jahren ins KZ Ravensbrück deportiert, erzählen die beiden, die selbst inzwischen selbst Mütter und Großmütter sind. Fast drei Jahre war die Mutter interniert.Das schmale kleine Mädchen musste bei Hunger und unter katastrophalen hygienischen Verhältnissen Schwerstarbeit im Straßenbau leisten. Bei der Ankunft im Lager musste sie mit ansehen, wie ihre kleinen Nichten und Neffen von der Familie getrennt wurden Die Großmutter begleitete die Kinder beim Gang in den Tod.
Besonders prägte die Mutter ein Erlebnis: Zwei junge russische Frauen konnten das Leben im Konzentrationslager nicht mehr ertragen und waren in den Hochspannungszaun gelaufen, der das Lager umgab. Die Jugendliche musste die Toten vom Zaun nehmen.
Nach der Befreiung kam die Familie über Gladbach nach Frankfurt, wo sie bis 1963 keine Wohnung bekamen. Erst Ende der sechziger Jahre erhielten sie ihre deutsche Staatsangehörigkeit zurück, die ihnen von den Nationalsozialisten aberkannt wor-den war.
Dem Vater waren Ordnung, Sauberkeit und Bildung wichtig. Da es nach dem Zweiten Weltkrieg keine Hilfe für die Opfer gab, „waren wir für die Eltern da und nicht umgekehrt; wir mussten Verantwortung übernehmen“, erzählt Maria Strauss. Rose und Strauss hatten kein Spielzeug. Spielkameraden durf-ten sie nicht mit nach Hause bringen. Nie hat sich eine offizielle Stelle bei den Eltern entschuldigt.
Seit 2009 halten die beiden Roma-Frauen Vorträge. An diesem Abend sind sie immer wieder den Tränen nahe, die manchmal auch fließen. Die Erzählungen nehmen sie mit, doch die Veranstaltung ist ihnen wichtig. „Wir klagen nicht an, wir informie-ren“, lautet ihr Schlusswort.

psj

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Die Roma-Frauen Ursula Rose und Maria Strauss, Kinder von Holocaust-Überlebenden, im Zeitzeugengespräch.

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So wie diese weiblich KZ-Häftlinge musste die Mutter der beiden Roma-Schwestern im Konzentrationslager Ravensbrück  Slavenarbeit leisten

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