Caritasverband Darmstadt und DRK Darmstadt eröffnen Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete Südhessen

(Foto: Caritasverband Darmstadt e.V.)
Darmstadt. Geschätzt rund 16.000 geflüchtete Menschen leben in Darmstadt sowie den Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Bergstraße, Groß-Gerau und dem Odenwaldkreis. Aufgrund von Kriegen, Verfolgung und existenziellen Notlagen mussten sie ihre Heimatländer verlassen. „Auf dem Weg hierher waren viele dieser Menschen lebensbedrohenden Gefahren ausgesetzt, haben Grenzen überwinden und dabei oftmals traumatische Situationen erleiden müssen. Es ist davon auszugehen, dass 30 bis 50 Prozent der nach Deutschland geflüchteten Menschen als psychisch krank eingestuft werden müssen. Sie brauchen menschliche Einfühlung und in vielen Fällen auch eine psychotherapeutische und sozialpädagogische Beratung“, so Caritasdirektorin Stefanie Rhein. „Damit diese Menschen ihre traumatisierenden Erfahrungen besser verarbeiten und sich somit besser in die Gesellschaft integrieren können, ist diese Unterstützung durch das neue Zentrum dringend erforderlich“, ergänzt Jürgen Frohnert, Geschäftsführer Soziale Dienste des DRK-Kreisverbands Darmstadt-Stadt. Um die traumatisierten Menschen mit ihren tiefergehenden Traumafolgestörungen wie zum Beispiel Ängsten, Essstörungen, Sucht oder schweren Depressionen nicht länger allein zu lassen, werden das DRK Darmstadt und der Caritasverband Darmstadt erstmalig in einer gemeinsamen Trägerschaft ein „Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete Südhessen“ (PZGS) eröffnen. So haben sich zwei professionelle, zuverlässige und engagierte Partner gefunden, die seit Jahrzehnten durch ihre Migrationsarbeit über wertvolle Erfahrungen in der Beratung von Geflüchteten verfügen und die Menschen mit bedarfsgerechten Angeboten begleiten. Das Know-how dieser beiden Träger soll nun im neuen Zentrum gebündelt werden.

Professionelle Diagnostik, Beratung und Therapien
Das Zentrum ermöglicht künftig eine angemessene psychosoziale Versorgung. Ein Angebot, das trotz der vielseitigen, bereits vorhandenen Beratungsleistungen fehlte. Das PZGS gilt künftig als eine Anlaufstelle für Geflüchtete aller Altersgruppen und unterschiedlicher Herkunftsländer, die unter traumatischen oder anderen psychischen Belastungen leiden. Neben einer Akutversorgung im Bereich der Krisenintervention soll eine langfristige Hilfeplanung für die traumatisierten Geflüchteten gewährleistet werden. Durch professionelle Diagnostik, Beratung und qualifizierte therapeutische Maßnahmen sollen Traumafolgestörungen verhindert oder vorhandene Symptome gelindert werden. „Diese Behandlungen, verbunden mit sozialpädagogischer Begleitung sowie Hilfen zur Bewältigung der aktuellen Lebenssituation, sind wichtige Voraussetzungen zur sozialen Integration“, so die Caritasdirektorin. Das Team steht mit psychotherapeutischen und sozialpädagogischen Angeboten geflüchteten psychisch kranken Menschen in Südhessen zur Verfügung. Mit seiner Arbeit möchte es einen Beitrag leisten, dass der Weg in die Aufnahmegesellschaft gut gelingt. Eine große Herausforderung, auf die sich beide Träger nun gemeinsam einlassen. Zu den wichtigsten Aufgabenfeldern in der Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen zählen die Erstberatung und Clearing, die psychologische Diagnostik sowie Psychotherapie zur Stabilisierung bzw. Verarbeitung traumatischer Erlebnisse. „Neben den therapeutischen Angeboten sind die psychosoziale Beratung und die Schulung von Menschen wesentlicher Teil der Aufgaben des PZGS, die mit Flüchtlingen sozialpädagogisch arbeiten, wie zum Beispiel Wohngruppen, Ämter, Ehrenamtliche, Betreuungspersonen, Schulen oder Kindergärten. Auch die Schulung von Dolmetscherinnen und Dolmetschern zählt dazu sowie die Vernetzung mit anderen Einrichtungen, Beratungsstellen, Ämtern und Initiativen“, so der Geschäftsführer des DRK Darmstadt.

Pilotprojekt leistete Vorarbeit
Dem PZGS vorausgegangen war ein Pilotprojekt – STEP-BY-STEP – in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) am Standort Darmstadt-Starkenburg, Michaelisdorf, das vom Sigmund-Freud-Institut in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt am Main erfolgreich durchgeführt wurde. In Zusammenarbeit mit den verschiedenen öffentlichen, freien und privaten Akteuren der HEAE, darunter das DRK Darmstadt, sowie einem Netzwerk für Unterstützungsleistungen wurden grundlegende Erkenntnisse gewonnen. Diese geben jetzt dem Ausbau der psychosozialen Versorgungsstruktur in Südhessen eine solide Basis. Das Wissen aus dem Pilotprojekt, ergänzt mit den vielfältigen Erfahrungen des Caritasverbandes Darmstadt in der psychosozialen Begleitung von Menschen, fließt in die Arbeit des neuen Zentrums ein. Wichtig ist beiden Trägern eine intensive Vernetzung mit verschiedenen Akteuren wie den Unterkünften für Geflüchtete, karitativen und sozialen Organisationen, Bildungseinrichtungen, therapeutischen und psychiatrischen Netzwerken und weiteren Institutionen. Finanziert wird das Zentrum durch das Hessische Sozialministerium.
(Caritasverband Darmstadt e.V.)
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