Gefühlsexplosion am Römerberg

(Foto: leo)
Dietzenbach. Der längste Tag des Jahres ist eigentlich der 21. Juni, an dem es fast 17 Stunden lang hell ist – danach werden die Tage wieder kürzer. Für die Sportler der Region ist der längste Tage des Jahres dagegen erst Anfang Juli. Dann steht in Frankfurt die Ironman-Europameisterschaft an. Am Sonntag, 8. Juli, ist es wieder soweit. Am 6.30 Uhr starten die rund 3000 Triathleten im Langener Waldsee ins Rennen, der Sieger erreicht nach etwa acht Stunden das Ziel am Frankfurter Römer. Für die Letzten dauert dieser Sport-Tag bis zu 15 Stunden. Der SC Steinberg ist dieses Mal mit drei Athleten vertreten. Während Marta D‘Acunzo und Klaus Kempf zum dritten Mal die Ironman-Distanz in Angriff nehmen, bestreitet Ria Neuber ihr erstes Rennen über die Langdistanz. Bedingt durch einige Baustellen beträgt die Radstrecke in diesem Jahr sogar 185 (statt 184) Kilometer. Marta D‘Acunzo (51) bestritt 2006 in Frankfurt ihren ersten Ironman, sechs Jahre später war sie in Roth erfolgreich unterwegs. Nun dauerte es erneut sechs Jahre bis zum dritten Start über die Langdistanz. „Nach meinem ersten Ironman hat mich eine Verletzung lange Zeit ausgebremst, daher dauerte es schließlich sechs Jahre, bis ich zum zweiten Mal über diese Distanz startete“, blickt die Steinbergerin zurück. „Und dann habe ich festgestellt, dass sechs Jahre zwischen den Wettbewerben eine gute Zeit sind“, schmunzelt sie. Die gebürtige Offenbacherin Marta D‘Acunzo spielte früher Handball, fing dann vor rund 20 Jahren mit dem Laufen an. „Ich bin dann relativ schnell beim Triathlon gelandet“, erinnert sie sich. Die meisten Probleme hatte sie auf der Radstrecke. „Das ist das längste Teilstück, da kann man im Wettkampf am meisten gewinnen oder verlieren. In den vergangenen Jahren habe ich auf dieser Disziplin stark aufgeholt“, ist sie zufrieden und sieht sich in allen drei Disziplinen „gleichstark“. Paradedisziplin bleibt aber das Laufen. In den vergangenen Jahren nahm sie zwar nicht aktiv am Ironman in Frankfurt teil, war aber als Zuschauerin auf der Tribüne im Zielbereich vor Ort. „Da bekommt man als Zuschauer schon eine Gänsehaut. Als Athlet natürlich noch mehr. Wenn man das Ziel erreicht ist das eine echte Gefühlsexplosion, das ist nur schwer in Worte zu fassen“, sagt Marta D‘Acunzo. In den vergangenen Tagen trainierte sie nur locker, „um im Rhythmus zu bleiben und die Spannung hochzuhalten.“ Marta D‘Acunzo erklärt: „Das Minimalziel ist auch das Maximalziel.“ Und das heißt: ankommen. Klaus Kempf (Jahrgang 1968) überquerte 2016 und 2017 die Ziellinie am Römerberg. Für 2018 hat er sich eine Gesamtzeit von 12:59 Stunden vorgenommen. „Alles was darunter liegt, wäre Weltklasse für mich“, meint er. 2017 war der Steinberger 13:34 Stunden lang unterwegs. Ria Neuber (Jahrgang 1955) sagt vor ihrer Ironman-Premiere: „An diesem Tag muss alles, aber auch wirklich alles passen. Ich darf die Zeitlimits nicht aus den Augen verlieren und will einmal im Leben einen Ironman beenden.“ Auch der EOSC Offenbach ist mit einigen Athleten vertreten, darunter Florian Lippenmeyer. Der 29-Jährige aus Beverungen (im Osten Nordrhein-Westfalens am Dreiländereck NRW-Niedersachsen-Hessen) studierte bei der hessischen Polizei in Kassel, lebt mittlerweile in Heusenstamm und arbeitet bei der Bereitschaftspolizei in Mühlheim. Ob er in Frankfurt startet, entscheidet Lippenmeyer erst kurzfristig, zuletzt machte ihm ein Knorpelschaden im Knie zu schaffen. „Das Schwimmen und Radfahren ist kein Problem, es geht um den Marathon am Ende“, sagt er. Früher spielt Florian Lippenmeyer Fußball und Basketball, merkte aber dann schnell, dass Mannschaftssport und Dienstzeiten nur schwer unter einen Hut zu bekommen waren. Er begann mit dem Laufen, „doch das war mir zu einseitig“, meint er und ergänzte sein individuelles Training mit Radfahren und Schwimmen. Durch das Laufen war die Grundausdauer für das Radfahren bereits gegeben, „richtig Kraulen habe ich erst mit 26 gelernt“, blickt er zurück, „beim ersten Mal konnte ich nach 100 Metern nicht mehr.“ Das Schwimmen ist zwar seine schwächste Disziplin, dennoch absolvierte Lippenmeyer 2016 in 9:54 Stunden in Frankfurt seinen ersten Ironman. Nachdem er aus Verletzungsgründen sein Ziel, die Qualifikation für die 70.3 Ironman (halbe Distanz)-Weltmeisterschaft 2017 verpasste, setzte er sich ein neues Ziel: einmal für die Langstrecken-Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifizieren. Allerdings nicht an diesem Wochenende: „In Frankfurt ist das Teilnehmerfeld sehr stark.“ Das wohl beste mit Blick auf eine mögliche Hawaii-Qualifikation. Die traut Lippenmeyer, der mit dem EOSC auch in der 2. Triathlon-Hessenliga antritt, allerdings seinem Teamkollegen Benjamin Veltun durchaus auch in Frankfurt zu. (leo)
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