Helden ohne Moral: Die Nibelungen und ihre Frauen. Referentin: Dr. Ellen Bender

10. Februar 2012
20:00 Uhr
Tagesraum des Altenwohnheims , 64584, Biebesheim am Rhein
Dr. Ellen Bender
2Bilder

Der Heimat- und Geschichtsverein Biebesheim lädt zu dem Vortrag im Tagesraum des Altenwohnheims Biebesheim am 10.02.2012 um 20 Uhr mit der
Referentin Dr. Ellen Bender,Zweite Vorsitzende der Nibelungenliedgesellschaft Worms ein

Frau Dr. Ellen Bender referiert über das Fehlverhalten der Helden und ihrer Frauen im Nibelungenlied mit Blick auf die Interpretationen in den modernen Wormser Nibelungeninszenierungen von 2002-2009
(mit Bildern).

Die Nibelungensage hat ihren Ursprung in der Völkerwanderungszeit.
Sie gehört neben der Dietrichsage zum bedeutendsten Komplex der heroischen Dichtung germanischer Herkunft. Die mittelalterlich-deutsche Heldendichtung hat – im Unterschied zur idealisierenden Artusepik – Wirklichkeitsbezüge. Es sind reale Orte, die das Nibelungenlied als Schauplätze der Handlung präsentiert. Im ersten Teil der Dichtung okkupiert König Gunther aus Burgund das Land in der Rheinregion, der Held Siegfried wird im Odenwald ermordet, Königin Uote stiftet ein Kloster in Lorsch (Hs C), und der Gefolgsmann Hagen versenkt den Nibelungenschatz ze Lôche im Rhein. Dem ehemaligen Dorf Lochheim bei Biebesheim am Rhein, der heutigen Gemarkung "Flochheim".

Was sind das für berühmte Helden und Heldinnen, die das Lied in unserer Region nennt und die Eingang in die Literaturen Europas gefunden haben?
Die Nibelungendichtung erzählt von küener recken strîten, vom Kampf tapferer Reiterkrieger. Hätten Gunther und Hagen den Untergang ihres Stammes der burgundischen gentis verhindern können?

Die Referentin fragt nach den moralischen Qualitäten der großen Helden der Nibelungendichtung und kommt zu folgendem Ergebnis.
Das Nibelungenlied rückt von Anfang an das Fehlverhalten einzelner in den Blickpunkt und zeigt die Helden Siegfried, Gunther, Hagen in ihrem maßlosen Streben nach politischer, sexueller und ökonomischer Macht. Ihre Geschichte um Macht und Liebe fasziniert die Menschen zu allen Zeiten. Am Schluss steht der gewaltsame Tod der Burgunden, und der Untergang wird personifiziert: Es sind die Helden, die betrügen und morden - und die Frauen, Kriemhild und Brünhild, die mit ihrem Hass die Katastrophe herbeiführen.

Weiter wirft die Referentin einen Blick auf die modernen Wormser Nibelungeninszenierungen, die das Lied neu bearbeiten. In den Festspielinszenierungen wird der Mythos der Nibelungen in opulenten Bildern erzählt. Wie sehen Moritz Rinke, Dieter Wedel u.a. die Nibelungen und ihre Frauen? Sie fokussieren auf die Projektionen des Erotischen und Politischen, die facettenreich ausgeleuchtet werden.

Dr. Ellen Bender

studierte Mediaevistik an den Universitäten Bonn, München und Heidelberg. 1986 promovierte sie in Heidelberg mit einer Arbeit zur Geschichtsauffassung in den mittelhochdeutschen Epen Nibelungenlied und Kudrun.
Nach Beiträgen im Handbuch für Frauenfragen engagiert sie sich als zweite Vorsitzende der Nibelungenliedgesellschaft Worms in Publikationen, Vorträgen und szenisch inszenierten Projekten für die Weiterführung der Nibelungentradition, zuletzt: Rezeption des Nibelungenliedes, in: Begegnung mit Literaturen (2008), Kriemhilds sagenhafter Rosengarten in Worms (2011) und Beatrix von Burgund und die Liebeslyrik der Stauferzeit, in: Dichtung und Musik der Stauferzeit (2011).

Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei.

Dr. Ellen Bender
Autor:

Norbert Hefermehl aus Biebesheim

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