Karl der Große und Lorsch - Reichsverwaltung und Wissenskultur im 8./9. Jahrhundert

19. Februar 2016
20:00 Uhr
Kulturhalle, 64584, Biebesheim am Rhein
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Frau Dr. Julia Becker wird ihren Vortrag in zwei Teile untergliedern und zuerst auf den Einfluss von Karl dem Großen bzw. von Lorsch in unserer Region eingehen und dann noch etwas zur frühmittelalterlichen Wissens- und Gelehrtenkultur anhand der Lorscher Klosterbibliothek sagen.

Bestrebungen Karls des Großen zur „Eindeutigkeit“ und Vereinheitlichung lassen sich in verschiedenen Bereichen der Reichsverwaltung feststellen, beispielsweise im Rechtswesen, in der Münzreform, bei der Verwaltung und Nutzung königlicher Güter, im Institut der Königsboten und vor allem in der sogenannten karolingischen Bildungsreform – vom Heidelberger Historiker Stefan Weinfurter kürzlich auch als Bildungsoffensive bezeichnet –, wo es nicht nur um die Förderung der „Wissenschaften“, sondern vor allem um die korrekte Weitergabe von Wissen ging. Aus diesem Grunde sollten fehlerhafte Bücher korrigiert und die Lateinkenntnisse der Priester verbessert werden, um die korrekte Ausführung der Liturgie nicht zu gefährden. Dabei spielte das karolingische Reichskloster Lorsch, das sich in unmittelbarer Umgebung von Biebesheim befand und als eines der mächtigsten Klöster der Karolingerzeit das Leben an der Bergstraße und im Ried entscheidend bestimmte, eine wichtige Rolle. Durch seine engen Beziehungen zur karolingischen Herrscherdynastie und die Bestrebungen seiner ersten Äbte entwickelte es sich rasch zu einem auf patristische Literatur spezialisierten Wissens- und Bibliotheksort. Auch das heutige Biebesheim am Rhein lag im Lorscher Interessensgebiet und ist unter dem Namen Bubenesheim das erste Mal Ende des 12. Jahrhunderts im Lorscher Codex belegt. Zahlreiche Schenkungen erhielt das Lorscher Kloster bereits Ende des 8. Jahrhunderts hingegen aus dem unweit von Biebesheim gelegenen, heute aufgelassenen Lochheim. Daher werden die Beziehungen von Lochheim und Biebesheim zur Reichsabtei Lorsch und die karolingischen Bestrebungen zur „Eindeutigkeit“ Gegenstand des angekündigten Vortrages sein.

Sie wird dabei u.a. auch auf die Arbeit von Julia Fichter eingehen. „Eine erhaltene römische Flur in Südwestdeutschland? – Besitz einer Tochter Karls des Großen? – Zur frühen Geschichte Lochheims und seiner Nennung im Nibelungenlied.“
Den Vortrag wird Frau Dr. Julia Becker im Anschluss an die um 19.00 Uhr stattfindende Jahresmitgliederversammlung des Heimat- und Geschichtsvereins um 20.00 Uhr im Foyer der Kulturhalle Biebesheim am Rhein in der Ludwigstraße halten .Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei.

Dr. Julia Becker:
Geboren 1977 in Heidelberg. Studium der Fächer Mittlere und Neuere Geschichte, Alte Geschichte und Soziologie an den Universitäten Passau und Cassino, 1998-2002. Promotion an der Universität Passau, 2005. Von 2006 bis 2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin am DHI Rom. Von 2010 bis 2011 Forschungsstipendiatin der „Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland“. Seit Juli 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin im SFB 933 "Materiale Textkulturen" an der Universität Heidelberg, Teilprojekt A04 "Wissenstransfer von der Antike ins Mittelalter. Bedingungen und Wirkungen dauerhafter Verschriftlichung am Beispiel des Klosters Lorsch“. Forschungsschwerpunkte: normannische Herrschaftsbildung in Süditalien im Hochmittelalter, lateinische und griechische Diplomatik und Paläographie, Wissens- und Gelehrtenkultur im 8./9. Jahrhundert.

Autor:

Norbert Hefermehl aus Biebesheim

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