Ludwig der Deutsche oder wie regierte ein König im 9. Jahrhundert

3. März 2017
20:00 Uhr
Kulturhalle Biebesheim, 64584, Biebesheim am Rhein

Referent:
Prof. Dr. Wilfried Hartmann

Der Heimat- und Geschichtsverein Biebesheim .V. konnte zu seinem ersten diesjährigen Vortrag Prof. Dr. Wilfried Hartmann gewinnen, der über Ludwig den Deutschen berichten wird.
Ludwig der Deutsche (* 805/806 in Aquitanien(wahrscheinlich)
† 28.11.876 in Frankfurt am Main) war der dritte Sohn Kaiser Ludwig des Frommen und ein Enkel Karl des Großen. Nach dem Tod von Ludwig dem Frommen einigten sich die Brüder Lothar I., Karl der Kahle und Ludwig II. auf eine Teilung des Reiches (Vertrag von Verdun). Ludwig erhielt das ostfränkische Gebiet. Unter seiner Herrschaft entwickelte sich ein Zusammengehörigkeitsbewusstsein der verschiedenen Völkerstämme. Das brachte ihm später den Beinamen „DER DEUTSCHE“ ein. Aus dem von Ludwig regierten Gebiet ging später das Deutsche Reich hervor.
König Ludwig der Deutsche, regierte den östlichen Teil des Frankenreichs von 840 bis 876. Was aber heißt eigentlich „regieren“ in der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts? Ein König im Frühmittelalter sollte die Tugenden der Gerechtigkeit, der Friedensliebe und der Frömmigkeit üben, wenn er ein guter König sein wollte. Unsere Quellen bezeugen, dass Ludwig der Deutsche dieses Königsideal erfüllt hat. Dabei muss uns klar sein, dass Friedensliebe im Mittelalter vor allem bedeutet, siegreiche Kriege zu führen, und dass das Streben nach Gerechtigkeit sich vor allem darin zeigt, dass der König die Übeltäter bestraft. Aber es gibt doch dabei Unterschiede zu beachten: Ludwigs Friedensliebe zeigte sich zum Beispiel auch darin, dass er Kämpfen gegen seine Verwandten eher auswich und Spannungen durch Verhandlungen zu lösen versuchte. Aufstände seiner Söhne beantwortete er nicht mit gewaltsamer Repression, sondern er war bereit, sie an der Macht zu beteiligen. Über die Verwaltung des Reiches können wir nur wenig Konkretes sagen, da sich nur ganz wenige Akten erhalten haben, die von Ludwigs praktischer Regierungstätigkeit zeugen.
h2>Prof. Dr Wilfried Hartmann

geb. 1942, lehrte bis zu seiner Pensionierung 2007 an der Universität Tübingen Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften.
Forschungsschwerpunkte: Edition von kirchlichen Rechtsquellen, Geschichte der Karolingerzeit, Bildungsgeschichte des 11. und 12. Jahrhunderts, Geschichte des kirchlichen und weltlichen Rechts, besonders im früheren Mittelalter, Historiographie des hohen und späten Mittelalters.
wichtige Publikationen: Ludwig der Deutsche (Darmstadt 2002); Der Investiturstreit (3. Aufl., München 2007); Karl der Große (2. Aufl., Stuttgart 2015).

Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei.

Autor:

Norbert Hefermehl aus Biebesheim

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