Vortrag: Gab es ein Burgunderreich in Worms?

11. März 2011
20:00 Uhr
Tagesraum des Altenwohnheims , 64584, Biebesheim am Rhein
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Vortrag
Gab es ein Burgunderreich in Worms?
Referent: Prof. Dr. Helmut Castritius
11. März 2011, 20.00 Uhr

Einige, vielleicht die meisten, werden verwundert über das Fragezeichen hinter dem Vortragstitel sein. Andererseits ist wohlbekannt, dass seitens der Geschichtswissenschaft immer wieder sog. ewige Wahrheiten in Frage gestellt werden mit der Folge von neuen und wichtigen Erkenntnissen. Allerdings ist der Historiker (einschließlich derer, die sich dafür halten) keineswegs gegen grandiose Fehlleistungen gefeit, wie sie aber auch in anderen Wissenschaften durchaus passieren. In diesem Fall geht es nur um knapp drei Jahrzehnte Phantomzeit, und um sie konkreter zu benennen, um das Wormser Burgunderreich, das zur Fiktion erklärt wird, und zwar aus dem einzigen Grund, weil in materiellen Hinterlassenschaft dieser kurzen Periode keine Spuren der ostgermanischen Burgunder vorhanden seien. Das Burgunderreich von Worms verdanke seine Existenz allein dem Nibelungenlied. Aus welcher Richtung kommt diese Behauptung?
Sie wird seitens der Archäologie aufgestellt, mit dem Hauptargument, dass Zerstörungshorizonte fehlten, obwohl doch der Hl. Hieronymus im Jahre 409 oder 410 in einem Brief aus dem fernen Bethlehem behauptete, Städte wie Worms, Mainz u. Speyer seien nach langer Belagerung in Hände der Barbaren gefallen. Die Burgunder wie die anderen Barbarenscharen (gentes) müssten also weitergezogen sein. Aber selbst die Archäologen sind sich darüber keineswegs einig: schon vor 30 Jahren schloss in einem Vortrag in Darmstadt vor dem Verein für Altertumsfreunde eine Archäologin und Frühgeschichtlerin aus der spezifischen Kombination von Waffenfunden bei Lampertheim auf die Anwesenheit der Burgunder. Und erst kürzlich wurde die 2. Bauphase des Kastells Alzey aus der Zeit um 420 - weil die Dächer nicht mit Tonziegeln gedeckt waren –als eine Periode, in der Burgunder die Besatzung stellten, gedeutet. Die Konsequenz aus diesen Unstimmigkeiten und gegensätzlichen Meinungen kann nur die sein, dass man erneut die Schriftquellen befragt, ihre Aussagen gegeneinander abwägt und – was die vermissten archäologischen Funde betrifft – eine Erklärung für ihr Fehlen versucht. Prof. Dr. Castritius möchte die Besucher seines Vortrags wenigstens ansatzweise an diesem Erkenntnisprozess beteiligen.

Jedenfalls gibt es gute Gründe, und zwar unabhängig vom Nibelungenlied, ein allerdings nicht sehr lange bestehendes, Burgunderreich um Worms anzunehmen.

Aber warum können die Burgunder kaum oder überhaupt nicht in der Wormser Region gefasst werden?
Eine oder die Erklärung für die Schwierigkeiten der geographischen Zuweisung und Verortung liegt in der Struktur, der gentilen Verfasstheit der frühen Burgunder. Diese stellten auch nach Rheinübergang und wohl noch lange danach einen mobilen exercitus wie viele andere völkerwanderungszeitlichen Verbände dar, von denen wir wissen, dass sie mit Frauen, Kindern, Alten und dem Tross über Jahre hinweg unterwegs waren.

Das Worms des Burgunderreichs, in der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts eine immer noch provinzialrömische Stadt – was häufig übersehen wird -, ist kein Konstrukt, nicht das Ergebnis poetisch-literarisch, pseudo-wissenschaftlich und politisch-ideologisch motivierten Überlegens und Vorgehens. Und so muss auch die Suche nach dem Nibelungenhort nicht aufgegeben werden, denn den Königshort der Burgunder hat es wirklich gegeben. Nur ob er wirklich im Rhein, bei Lochheim in der heutigen Gemarkung von Biebesheim am Rhein gelegen, versenkt wurde oder in andere spätere Königshorte einging und dann verstreut wurde, wissen wir nicht.

Es verspricht ein sicherlich hoch interessanter Vortrag zur Regionalgeschichte zu werden.
Er findet am 11. März 2011 im Tagesraum des Altenwohnheims Biebesheim am Rhein, Heidelberger Straße um 20.00 Uhr statt.

Der Eintritt ist frei.

Autor:

Norbert Hefermehl aus Biebesheim

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