Grunge und Schweiß in der Batschkapp
Hits in der Hitze: Stone Temple Pilots in Frankfurt

Foto: Torsten Fuchs
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30 plus umschreibt Temperaturen und Fan-Alter wohlwollend diplomatisch an diesem Juni-Mittwoch. Schnell noch vor der Kapp das T-Shirt gewechselt, bei den dicht stehenden mehr als tausend Besuchern ein chancenloses Unterfangen, denn der flüssige Aggregatzustand ist fünf Minuten später wiederhergestellt. Und ein Luxusproblem im Vergleich zu den vier Musikern, die in Bühnengarderobe und unter Scheinwerfern köcheln.

Mit „Wicked garden“ und „Crackerman“ vom „Core“-Album steigt das Quartett ein, dann „Vasoline“ von der „Purple“-LP – und klar ist: Die alten Helden spielen die alten Hits; obwohl das letzte Album erst seit einem Jahr erhältlich ist und eigentlich ausführlich vorgestellt gehört.

Frontmann-Optik erinnert an Guido Cantz und Heino

Vorgestellt wird der neue Sänger Jeff Gutt; rein optisch betrachtet, eine Mischung aus dem jüngeren Heino und Guido Cantz. Doch als Gutt sich nach einer Weile von seiner schwarzen Sonnenbrille trennt, wirkt er als Frontmann sympathisch nahbar, zumal er diese Rolle ausfüllt, dabei aber zurückhaltend und respektvoll agiert. Stimmlich nah an Weiland, ohne geklont zu wirken. Sichtlich bestätigt fühlt sich Gutt, als er „Meadow“ vom neuen Album präsentiert, seinen Song sozusagen. Und die Frankfurter Fans nicht nur höflich applaudieren, sondern diesen wie einen Klassiker bejubeln. Und dass, obwohl die erste Single ein schrammeliger Geradeaus-Rocker ist, der mit Grunge nur noch wenig am Hut hat. Weitere Erstaufführungen neuer Stücke vom Album „Stone Temple Pilots“ (2018) in Hessen wären wünschenswert gewesen, doch die Playlist war auf 16 Einsätze begrenzt (kürzer als in Berlin) und alle greatest Hits sollten zu hören sein: „Plush“ in einer ausufernden Sing-a-long-Version mit dem Publikum, etwas schade, weil kurz und krachig einfach besser. Dafür „Interstate love song“ in voller Kraft und Schönheit wie eine Studioproduktion. Und „Dead and Bloated“ zusammen mit „Sex Type Thing“ als Zugaben-Doppelpack, bevor in der Hitze der Juni-Nacht wieder die T-Shirts gewechselt werden konnten.

Einreihung in die Garden sich selbst covernder Rockbands

Ein –sicherlich klimabedingt– recht kurzes, dennoch korrektes Konzert, auch wenn sich die Stone Temple Pilots mit ihrer 2019er-Tour eingereiht haben in die Band-Truppen, die ihr eigenes Cover-Bataillon bilden. Etwas frevelhaft vor dem Hintergrund, dass ausreichend frisch produzierte Songmunition aufs Fan-Heer hätte abgefeuert werden können. Doch nicht einmal am Merchandising-Bunker war die aktuelle Platte erhältlich; und es gab sicher einige, die die eigenen Vinyl-Bestände ohne Amazon-Verpackungsmüll aufmunitionieren wollten.

Autor:

Torsten Fuchs aus Griesheim

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