Bürger im Dialog

  Gernsheim: Stadthalle | Bürger im Dialog
Gernsheim für junge Ärzte attraktiv machen
 
Das Thema Gesundheitsversorgung bewegt die Bürger! Das konnte man an dem regen Zuspruch sehen, den die Veranstaltung der Südkreis-SPD kürzlich in der Stadthalle Gernsheim fand, wo rund 110 Besucher, darunter 14 Ärzte, waren gekommen, um sich zu informieren und gemeinsam die Lage kritisch zu beleuchten. Ein besonders neuralgischer Punkt scheint die Versorgung mit einer ausreichenden Zahl von Hausärzten in den Gemeinden Gernsheim, Biebesheim, Stockstadt und Riedstadt zu sein, da in naher Zukunft der Großteil der dort praktizierenden Allgemeinmediziner das Rentenalter erreicht. In Gernsheim beispielsweise steht, so der der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Roland Kramer, auf Beschluss der Stadtverordneten ein Grundstück für ein Ärztehaus bereit. Finanziert würden die Baukosten über die Schwiete-Stiftung, aber junge Mediziner zu finden, die hier eine Praxis betreiben wollen, scheint extrem schwierig, so die Ausführungen von Internist Claus-Peter Adler, der sich für dieses Projekt maßgeblich engagiert. Hindernisse sind die überbordende Bürokratie im Gesundheitswesen, nicht familiengerechte Arbeitszeiten und das wirtschaftliche Risiko eines Selbstständigen, das ein niedergelassener Arzt allein tragen muss, der parallel aber von behördlicher Seite stark reglementiert wird. Der Kreis versucht schon seit längerem, auf die Entscheidungsgremien, vor allem die Kassenärztliche Vereinigung einzuwirken, wie Landrat Thomas Will erörterte. Es müsse der Zuschnitt des Planungsbereiches verändert werden, dem die vier Riedkommunen angehören, so Will. Diese zählen zur Planungsregion Darmstadt mit dem Kreis Darmstadt-Dieburg und Teilen des Odenwalds. Selbst wenn in dieser Planungsregion lt. Kassenärztlicher Vereinigung die Versorgung mit Ärzten insgesamt statistisch ausreichend ist, hilft das den Einwohnern des Südkreises wenig, wenn sie diese nur mit langen Anfahrten und mühsamen Umsteigeaktion über den öffentlichen Nahverkehr erreichen können. Im Zusammenhang mit der geplanten Neuausrichtung der Kreisklinik Groß-Gerau, die ein altersmedizinisches  Zentrum werden soll, wird die Einrichtung von Medizinischen Versorgungszentren im Südkreis diskutiert, analog zu den vier Zentren im Nordkreis, die an das Rüsselsheimer GPR-Klinikum angeschlossen sind. Im MVZ können Allgemeinmediziner im Angestelltenverhältnis gemeinsam mit niedergelassenen selbstständigen Fachärzten arbeiten - evtl. also eine Lösung für den baldigen Ärztemangel im Südkreis. Zu den neuen MVZs gibt es jetzt konkrete Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung, erklärte Landrat Thomas Will. In jedem Fall müssen die politischen Vertreter bei der Kassenärztlichen Vereinigung und den zuständigen Ministerien am Ball bleiben, so die einhellige Forderung der Teilnehmer im Foyer. Außerdem sollen Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung und des Gesundheitsministeriums zum nächsten Bürgerdialogtermin gebeten werden, versprachen der ebenfalls teilnehmende Landtagsabgeordnete Gerald Kummer und Roland Kramer.
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