Pleiten, Pech und Pannen in der hessischen Gastronomie Teil 1: "Hazienda" in Mörfelden-Walldorf

Wir hätten bereits wegen der Schreibweise des Mexikaners Verdacht schöpfen müssen... doch von Anfang an: An einem Mittwoch im Oktober wollten wir den Geburtstag meiner Freundin feiern. Wir bekamen einen städtischen Marketing-Gutschein geschenkt und blieben deshalb in Walldorf.

Als wir mit dem Kleinkind das an die Carat-Hotelkette gebundene Lokal betraten, nahm vom Personal niemand Notiz von uns. Das verwundert nicht, denn ein erster Rundblick ergab, dass sich Thüringer, die am nächsten Tag in den Urlaub fliegen, das Restaurant teilen mit Außendienstlern. Bei einer solchen Ausrichtung auf Laufkundschaft spielen Aufmerksamkeit und Service eine Nebenrolle.

Nachdem wir uns einen Tisch ausgesucht und einen Stuhl für das Baby genommen haben, ranzte uns eine Nachwuchskellnerin in barschem Tonfall an, den Kinderwagen hier aber nicht stehen zu lassen. Ein erster Misston, schließlich wollten wir den Geburtstag der Freundin ausklingen lassen.

Bevor wir bestellten, zeigten wir den Voucher vor. Die Bedienung sagte, der Gutschein werde schon angenommen.
Zum Essen: Wer bereits in einer echten Hacienda (ohne "z") gespeist hat, musste das Essen als Zumutung empfinden. "Chicken Fajitas" für knapp 15 Euro, leider fast ohne Hähnchen. Ich aß eine Reispfanne mit einem lieblos auf den Teller geklatschten Salat für fast zehn Euro, die als kleine Vorspeise gerade so durchgegangen wäre.

Als es ans Bezahlen ging, ließ die Nachwuchskellnerin verlautbaren, es könnte nun etwas dauern, weil geklärt werden müsse, ob der Gutschein eingelöst werden dürfe. Denn es sei nicht sicher, ob sich die "Hazienda" noch an der Aktion beteilige. Für's Protokoll: Dies stand nicht zur Debatte, sondern schwarz auf weiß im Marketinggutschein der Doppelstadt. Nach etwa zehnminütiger Wartezeit wurde der Gutschein schlussendlich genommen, so dass mein Vorhaben, sofort das Management einzuschalten, nicht umgesetzt werden musste.

Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack. Zugegeben, Mörfelden-Walldorf ist 15 Kilometer südlich von Frankfurt und gewohnte Erwartungen an urbane Gastronomie hatten wir vorsorglich zurückgeschraubt. Aber am Abend eines Geburtstages ist es ärgerlich, wenn schlechter Service, unverschämte Preise und unprofessionelles Verhalten ein Bermudadreieck bilden. Wiederholungsgefahr unsererseits ausgeschlossen. Aber wer warnt die Laufkundschaft???

Nachtrag vom 25. Oktober 2012:

Hoteldirektor Dirk Dahlhaus hat in einem ausführlichen Schreiben an den Autor zu der Kritik Stellung genommen: "Wir bedauern, dass Sie einen solchen Eindruck von unserem Restaurant erhalten haben und möchten uns dafür entschuldigen, dass Sie das Gefühl vermittelt bekommen haben ein ungewünschter Gast gewesen zu sein. ...
Ihr Schreiben haben wir zum Anlass genommen ein Service Meeting einzuberufen, um über Ihre Eindrücke in unserem Hause zu sprechen um die angesprochenen Punkte in Zukunft besser zu meistern. ...
Am Abend an dem Sie bei uns zu Gast gewesen sind, hatten wir eine neue Mitarbeiterin im Dienst, sowie eine Auszubildende im 1. Lehrjahr. Da wir an diesem Tag überraschend im Hotelbereich ausgebucht gewesen sind, war auch der Andrang im Restaurant sehr groß. Leider konnten wir aufgrund der Kurzfristigkeit mit zusätzlichem Personal nicht gegensteuern.
Über Ihre Kritik der Portionsgröße und Qualität der Speisen sind wir überrascht, da die Mehrheit unserer Gäste eher positiv über Qualität und Quantität sprechen. Unser Küchenchef wird darauf achten, dass es keine Abweichungen in der Rezeptur und Portionierung geben wird."

Autor:

Torsten Fuchs aus Griesheim

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