AIDA Night Of The Proms in Frankfurt

"Best of you": Anastacia in Frankfurt.
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  • "Best of you": Anastacia in Frankfurt.
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Das Line Up der AIDA Night Of The Proms: Jupiter Jones, Mick Hucknall, John Miles, Anastacia, Naturally 7 und ein klassisches Orchester. Veranstaltungen wie „AIDA Night Of The Proms“ sind Pflichttermine für Musikjournalisten. Wer von dieser Spezies etwas auf sich hält, geht n i c h t hin; wer gar mit Punk sozialisiert ist, der ist zum Auslassen solcher kuschelklassischen Vorweihnachtsromanzen quasi verpflichtet.

Ich war dort, weil ein Interview mit Anastacia angesetzt war und ich nahm mir vor, auf keinen Fall bis zum Schluss der Show zu bleiben. Unterhaltsam war es dennoch in der mit rund zehntausend Besuchern gefüllten Frankfurter Festhalle: ein echter Freak an der Harfe, Auszüge aus Beethovens Fünfter, Schrammelrock, Soul sowie Doo Wop in lockerer Folge sorgten für Kurzweil und zumindest kurze Überraschungen.

Die New Yorker Ausgabe von Take 6 für Europa, Naturally 7, zeigte vokale Akrobatik der Spitzenklasse, so dass man den Sängern ihre Zusammenarbeit mit Sarah Connor nicht mehr übel nehmen kann. Ob Eurythmics, Queen oder Beatles – sie coverten alles und lieferten sich packende Duelle mit den Sinfonikern im Hintergrund.

Nur der Moderator patzte bei seiner Absage von Naturally 7. Sinngemäß moderierte er die Variation von „While my guitar gently weeps“ ab mit „While my boys gently weep“ – vermutlich ohne zu wissen, dass Afroamerikaner „Boys“ falsch verstehen könnten. Nach einem flachen Witz, die Harfe des holländischen Musikers sei zu groß für einen Wohnwagen, eine Entgleisung nach dem Motto „Gut gemeint bedeutet nicht gut gemacht“.

Anastacia beeindruckte mit ihrer Stimme, die so schwarz ist wie ihre Hits weiß sind. Deshalb ist ihr aktuelles Album auch so besonders. Es ist die Platte für zwischendurch, da sie im kommenden Jahr eine CD mit Eigenkompositionen angekündigt hat. Auf „It’s a man’s world“ sind in der Summe so starke Stücke wie auf keiner ihrer Platten zuvor. Kein Wunder, covert die zierliche Frau Klassiker des Rock von Led Zeppelin über AC/DC bis zu Kings of Leon. Songs aus mehreren Dekaden, die Dekaden überdauert haben und über Zweifel erhaben sind (mit Ausnahme von Bon Jovi). Deshalb hat Anastacia vermutlich ihr bislang bestes Album aufgenommen, weil Songs wie „Ramble on“, „You can’t always get what you want“ und „Best of you“ besser sind als alle Stücke von ihr. Das Cover der Foo Fighters präsentierte sie live als Single und demonstrierte, dass sie im Rock bzw. Soul besser aufgehoben wäre als im Allerweltsradiopop. Ein ähnlicher Fall wie die in Berlin lebende Soulstimme Lutricia McNeal…

John Miles’ wunderbares Stück „Music“ ist vom Formatradio tot gespielt worden, dass es weh tut. Mit orchestraler Unterstützung live am Flügel kämpfte der Elder Statesman der populären Minisinfonie dagegen an. Der für den kranken Enkel geschriebene Song „Angel“ überzeugte durch geschickte Anleihen beim Philly Sound.

Mick Hucknall war als Headliner platziert. Mit seiner Sonnbrille wirkte er auf der Bühne wie ein Rod Stewart, der keine Fußbälle ins Publikum schießt. Der Brite hat mit Simply Red eine respektable Historie und mit „Holding back the years“ eine richtig gute Soulballade geschrieben, die er auch in Frankfurt zu Gehör brachte. Warum der in Medien immer „Rotschopf“ genannte Rotschopf nun noch ein Album mit amerikanischen Soul Classics aufnehmen musste, weiß wohl nur er selbst. Ein ähnliches Projekt von Phil Collins war schon überflüssig und nur Michael McDonald hat mich vor Jahren mit entsprechenden Neueinspielungen begeistert. Naturally 7 gaben kurz den Background-Chor; wenn die Dramaturgie des Abends es gewollt hätte, dann wäre Hucknall den Harmonien vom Big Apple unterlegen gewesen.

Ich bin -wie geplant- nicht bis zum Schluss geblieben. Aber bis kurz davor. Immerhin…

"Best of you": Anastacia in Frankfurt.
"Season greetings" aus den Staaten: Anastacia in Frankfurt 2012.

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