Die Geschichte Deutschlands ist geprägt von Zu- und Abwanderung

Die Geschichte Deutschlands ist nicht erst seit Bestehen der Bundesrepublik durch Zu- und Abwanderungen als Massenbewegungen geprägt, stellt Prof. Dr. Jochen Oltmer von der Bundeszentrale für politische Bildung, klar. Deutsche gingen über die Jahrhunderte als Arbeits-, Siedlungs-, Heirats-, Wohlstand- und Kulturwanderer in großer Zahl ins Ausland. Ebenso kamen Ausländerinnen und Ausländer nach Deutschland. Insbesondere seit 1880er-Jahren war in Deutschland der Bedarf an Arbeitskräften immens angewachsen. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg waren in Deutschland über 1,2 Millionen ausländische Wanderarbeiter beschäftigt. Dazu kam zunehmend die Beschäftigung von Zwangsarbeitern. Im Gefolge der beiden Weltkriege traten vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts millionenfache Zwangswanderungen hinzu. In der Zwischenkriegszeit mussten mehr als zehn Millionen Menschen in Europa nach den Friedensverträgen unfreiwillig die Grenzen überschreiten. Die größten Migrationsbewegungen des 20. Jahrhunderts fanden von 1933 bis 1945 statt, meist in Forms von Flucht, Vertreibung oder Deportation. Mehr wie 10 Millionen ausländische Zwangsarbeiter wurden in der deutschen Kriegswirtschaft beschäftigt. In Ost- und Ostmitteleuropa wurde willkürlich eine Ansiedlung von "Volksdeutschen" betrieben, während die einheimische Bevölkerung zwangsumgesiedelt oder ermordet wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der größte Teil von über 10 Millionen verschleppten oder zwangsumgesiedelten Personen entweder in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt oder nach Übersee ausgewandert.
Das Nachkriegsdeutschland war massiv zerstört. Die Wiederaufnahme und Integration von über zwölf Millionen deutschen Flüchtlingen und Vertriebenen schien zunächst kaum lösbar.
Heute beläuft sich die Anzahl der Menschen mit deutschen Wurzeln weltweit über 100 Millionen, davon 43 Millionen in den USA. Die Deutschen gelten als wanderfreundlich. Jährlich wandern ca. 100.000 bis 140.000 Deutsche aus. Nach den Daten der Statistikämter aus dem Census 2011 leben rund 1,5 Millionen Deutsche mit deutscher Nationalität und Pass im europäischen Ausland (UK 300.000, Schweiz 262.000, Polen 153.000, Österreich 147.000, Spanien 102.000, Frankreich 96.000).

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